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Medizin

Typ-2-Diabetes: Dulaglutid senkt Zahl der Herz-Kreislauf-Erkran­kungen und erhält Nierenfunktion

Mittwoch, 12. Juni 2019

/Swapan, stockadobecom

Hamilton/Ontario – Wöchentliche Injektionen des GLP-1-Rezeptor-Agonisten Dulaglutid haben in einer randomisierten Studie die Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gesenkt und das Fortschreiten der Nierenfunktions­störungen verlangsamt. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in San Francisco vorgestellt und im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31149-3 und 31150-X) publiziert, nachdem erste Ergebnisse bereits Ende letzten Jahres vorgestellt worden waren.

Die REWIND-Studie („Researching cardiovascular Events with a Weekly INcretin in Diabetes“) gehört zu den Endpunktstudien, in denen die Hersteller von Antidiabetika nach der Zulassung die langfristigen Auswirkungen ihrer Medikamente auf das Herz-Kreislauf-Risiko untersuchen müssen. Die Ergebnisse sind deshalb interessant, weil Diabetiker ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben. Herzinfarkt und Schlaganfälle gehören zu den wichtigsten Todesursachen. Eine weitere häufige Folge der Erkrankung ist ein fortschreitender Verlust der Nierenfunktion.

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An der doppelblinden Studie nahmen an 371 Zentren in 24 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 9.901 Patienten im Alter von median 66,2 Jahren teil, die im Durchschnitt seit 10,5 Jahren an einem Typ-2-Diabetes litten und bei denen der HbA1c-Wert zu Beginn der Studie auf 7,2 % angestiegen war. Ungewöhnlich an der Studie war, dass 2 Drittel der Teilnehmer zu Beginn der Studie keine Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte hatten. Entsprechend länger dauerte es, bis ein Vorteil des Medikaments sich abzeichnen konnte.

In der REWIND-Studie war dies nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,4 Jahren der Fall. In dieser Zeit kam es bei 594 Patienten (12,0 %) der Dulaglutidgruppe zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder einem Herz-Kreislauf-Tod. Dieser primäre Endpunkt trat in der Placebogruppe bei 663 (13,4 %) der Teilnehmer auf. Hertzel Gerstein und Mitarbeiter von Hamilton Health Sciences errechnen eine Hazard Ratio von 0,88, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,79 bis 0,99 signifikant war. Ein signifikanter Rückgang der Gesamtsterblichkeit wurde nicht erreicht. In der Dulaglutidgruppe starben 536 Patienten (10,8 %) gegenüber 592 Patienten (12,0 %) in der Placebogruppe (Hazard Ratio 0,90; 0,80-1,01).

Dulaglutid ist nicht der erste GLP-1-Rezeptor-Agonist, der in einer Langzeitstudie das Herz-Kreislauf-Risiko gesenkt hat. Ähnliche Wirkungen wurden auch für Liraglutid (LEADER-Studie), Semaglutid (SUSTAIN-6-Studie), und Albiglutid (HARMONY-Studie) nachgewiesen.

Die Wirkstoffe ahmen ein körpereigenes Hormon nach, das nach den Mahlzeiten im Dünndarm gebildet wird. Es fördert einerseits die Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas. Andererseits wird die Magenentleerung verlangsamt und die Glukose­resorption vermindert. Dies hat für die meisten übergewichtigen Typ-2-Diebatiker den Vorteil einer Gewichtsreduktion. In der Dulaglutidgruppe nahmen die Teilnehmer im Durchschnitt 2,95 kg ab (gegenüber einer Abnahme um 1,49 kg in der Placebogruppe). Hinzu kam eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 1,7 mm Hg. Diese günstigen Wirkungen könnten die Auswirkungen der HbA1c-Senkung um 0,6 Prozentpunkte unterstützt haben.

Eine explorative Analyse zeigt, dass Dulaglutid auch günstige Auswirkungen auf den Erhalt der Nierenfunktion hat. Der kombinierte Endpunkt bestand hier aus dem ersten Auftreten einer neuen Makroalbuminurie (Albumin-Kreatinin-Quotient über 33,9 mg/mmol), einem anhaltenden Rückgang der glomerulären Filtrationsrate (GFR) um mehr als 30 oder die Notwendigkeit einer chronischen Nierenersatztherapie. Eines dieser Ereignisse trat in der Dulaglutidgruppe bei 848 Teilnehmern (17,1 %) auf gegenüber 970 Teilnehmern (19,6 %) in der Placebogruppe. Gerstein ermittelt eine Hazard Ratio von 0,85, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,77 bis 0,93 signifikant war. Am deutlichsten waren die Auswirkungen auf die Makroalbuminurie (Hazard Ratio 0,77; 0,68-0,87). Der Einfluss auf den anhaltenden Rückgang der GFR (Hazard Ratio 0,89; 0,78-1,01) und der Dialysepflicht (Hazard Ratio 0,75; 0,39-1,44) war nicht signifikant.

Die Studie bestätigt, dass es unter der Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten häufiger zu gastrointestinalen Nebenwirkungen kommt. Ein weiterer Nachteil der GLP-1-Rezeptor-Agonisten ist, dass sie parenteral verabreicht werden muss. Bei Dulaglutid müssen die subkutanen Injektionen aufgrund der Fusion mit einem Antikörperanteil nur einmal wöchentlich wiederholt werden. © rme/aerzteblatt.de

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