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Politik

Bündnis will Abläufe bei Organspende weiter verbessern

Dienstag, 25. Juni 2019

/dpa

Berlin – Ein Bündnis von medizinischen Spitzenorganisationen will die Abläufe der Organspende in Deutschland weiter verbessern. Der Gemeinschaftliche Initiativplan umfasst etwa Empfehlungen für Entnahmekrankenhäuser, für die Weiterbildung der Transplantationsbeauftragten und zur Aufklärungsarbeit, wie das Bundesgesundheits­ministerium heute in Berlin mitteilte.

Der Plan soll das seit April geltende Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende ergänzen. Nach den Worten von Bundesge­sundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen die Empfehlungen Organtransplantatio­nen auf ganz praktische Weise verbessern. „Noch immer sterben zu viele Menschen, weil es für sie kein passendes Organ gibt“, beklagte Spahn.

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Der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel, sagte, die Maßnahmen sollten auch dazu dienen, „künftig möglichst jedem Organspendewunsch eines verstorbenen Patienten nachzukommen“. Beteiligt sind unter der Federführung der DSO unter anderem Bundes­ärzte­kammer, Deutsche Kran­kenhausgesellschaft, GKV-Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversiche­rung, Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder, Patientenverbände und Spenderan­ge­hörige.

Der gemeinschaftliche Initiativplan könne wesentlich dazu beitragen, die Zahl der Spen­­­­der­organe zu erhöhen, sagte Günther Matheis, Mitglied der Ständigen Kommis­sion Organtransplantation der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Damit gebe er den mehr als 10.000 Menschen auf der Warteliste mehr Hoffnung auf Leben.

Der gemeinschaftliche Initiativplan Organspende knüpft unmittelbar an das „2. TPG-Änderungsgesetz“ an. Er soll insbesondere die Entnahmekrankenhäuser und die Trans­plantationsbeauftragten weiter stärken. Die Transplantationsbeauftragten sollen stärker vernetzt und ihre Tätigkeit weiter professionalisiert werden.

Für die Krankenhäuser mit wenig Erfahrung in der Organspende werden konkrete Un­terstützungsleistungen beschrieben. Darüber hinaus werden Maßnahmen empfohlen, die gesamtgesellschaftlich ein stärkeres Bewusstsein für die Organspende schaffen können. Zudem soll eine bessere Aufklärung etwa auch zu Patientenverfügungen er­reicht werden.

„Die Förderung der Organspende in Deutschland ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich Politik, Selbstverwaltung und die Gesellschaft insgesamt mit ganzer Kraft  ver­schreiben müssen“, sagte Matheis. Er betonte, dass die Förderung der Organspende und der Transplantationsmedizin für die Bundes­ärzte­kammer und für die Landesärzte­kammern ein besonderes Anliegen sei.

„Wir engagieren uns hier seit Jahrzenten auf unterschiedlichsten Ebenen. Unter an­de­rem trägt die Richtlinienarbeit der Bundes­ärzte­kammer wesentlich zu Rechtssicherheit und transparenten Strukturen in der Transplantationsmedizin bei“, erklärte Matheis.

Streit um Lehrpläne

Um die mögliche Aufnahme des Themas Organspende in die Lehrpläne der Schulen gab es heute direkt Streit. „Da eine Entscheidung gegen die Organspende mit der Voll­endung des 14. Lebensjahres und die Entscheidung für die Organspende im Alter von 16 Jahren getroffen werden kann, ist es sinnvoll, bereits in der Schule mit der Aufklärungsarbeit zu beginnen“, heißt es in dem Plan. Auf diese Weise könnten mögli­che Berührungsängste mit dem „mitunter tabuisierten Thema“ frühzeitig verhindert oder abgebaut werden.

Spahn begrüßte den Ansatz. „Die differenzierte Ansprache verschiedener Zielgruppen in der Bevölkerung hilft, Organspende zu einer Selbstverständlichkeit zu machen“, sagte er. Neben den Schülern sollten auch Migranten und Senioren gesondert ange­sprochen werden, hieß es. Bürger ab 65 Jahre sollten insbesondere darüber aufge­klärt werden, dass für die Organspende keine Altersgrenze existiere.

Die Lehrerverbände reagierten allerdings mit Skepsis. Das Thema Organspende ge­höre zwar grundsätzlich in den Schulunterricht, bestätigte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ihr Vorstand Ilka Hoffmann mahnte jedoch, es müsse berücksichtigt werden, „dass sich die jungen Menschen erst ab einem bestimmten Alter mit diesem schwierigen Thema, das medizinisch und ethisch sehr komplex ist, auseinandersetzen können“. Schule dürfe nicht zum Ort der Werbung für Organspende werden.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte, es ge­be schon jetzt viele Anknüpfungspunkte in den Lehrplänen. Er verwies auf den Biolo­gieunterricht, das Fach Ethik sowie mögliche Erörterungen des Themas etwa im Deutschunterricht. Er sei aber kein Freund davon, „bei jedem diskutierten gesellschaft­lichen Problem gleich einen neuen Lehrplaninhalt zu fordern“. Letztlich müssten die Schüler die Entscheidung für oder gegen eine Organspende autonom treffen.

Morgen Debatte im Bundestag

Im Bundestag geht es morgen ebenfalls um die Organspende. Debattiert werden soll über zwei Gesetzentwürfe. Beide wurden von fraktionsübergreifenden Abgeordneten­gruppen vorgelegt.

Ein Entwurf, den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und der stellvertre­tende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach (SPD) erarbeitet haben, sieht eine Widerspruchslösung vor, nach der automatisch jeder zum Organspender wird, der dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Alle Personen ab 16 Jahren sollen dem­nach ausführlich informiert und als Spender bundesweit registriert werden, falls sie nicht widersprochen haben.

Der Widerspruch soll in einem bundesweiten Register dokumentiert werden. Den Ein­trag können die Betroffenen jederzeit selbst erstellen, bearbeiten und auch löschen. Im Zweifel sollen Angehörige über eine Organspende entscheiden können, wenn sie glaubhaft machen können, dass der Betroffene kein Spender sein wollte.

Alternative setzt auf Befragung

Als Alternative zum Spahn/Lauterbach-Entwurf hat eine interfraktionelle Parlamenta­rier­gruppe um die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, die Vorsitzen­de der Linken, Katja Kipping, die Unions-Gesundheitsexperten Karin Maag (CDU) und Stephan Pilsinger (CSU), Hilde Mattheis (SPD) sowie Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) einen Gesetzentwurf vorgelegt, der weiterhin auf eine bewusste Entscheidung und eine ausdrückliche Zustimmung zur Organspende setzt.

Konkret ist ein bundesweites Onlineregister für Erklärungen zur Organ- und Gewebe­spende vorgesehen, welches für alle volljährigen Bürger sowie im Bedarfsfall für Klini­ken einfach und sicher erreichbar sein soll. Eingerichtet werden soll es beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information.

Regelmäßige Befragungen der Bürger sowie Hinweise auf die Registriermöglichkeit soll es beim Abholen von Ausweispapieren geben. Dort soll eine Registrierung ebenso möglich sein wie eine Registereintragung von zu Hause aus. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll geeignetes Aufklärungsmaterial zur Verfügung stellen.

© kna/dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 27. Juni 2019, 22:35

Warum nicht die "Clublösung"?

Organspender werden in ein Register eingetragen - und wer nicht eine bestimmte Mindestzeit (außer Kinder natürlich) in diesem Register steht, hat selbst im Krankheitsfall nur einen nachrangigen Anspruch auf ein Spenderorgan - fertig! Wer die Organspende ablehnt, lehnt doch sicher auch für sich selbst den Empfang von Spenderorganen ab, so dass keine unangemessene Benachteiligung für Verweigerer resultiert. Und wer irgendwann vielleicht mal ein Organ benötigt, tut gut daran, sich registrieren zu lassen
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 26. Juni 2019, 13:10

Mein Leserbrief an DER SPIEGEL

Unwürdiges "Wettrennen" um Entscheidungslösung vs. Widerspruchslösung

Betrifft: "Baerbock und Spahn streiten über Organspenden - Widersprechen: So einfach ist das nicht" DER SPIEGEL vom 22.06.2019

Titel: Kafkaeske Polit-Posse um verfassungskonforme Entscheidungslösung vs. Widerspruchslösung

Den Medizin- und Transplantations-fernen Befürwortern der Widerspruchslösung ins Stammbuch: Die Verbesserung der Organspende-Bereitschaft erfordert primär gesellschaftspolitische Diskussions-, Meinungs- und Konsensbildung. Der intensivierte krankheits-politische Diskurs über die perimortale Organspende bzw. die erfolgreichen Maßnahmen und Wertevermittlungen in der gesamten Transplantationsmedizin stehen erst am Anfang. Im letzten Jahr sind die Transplantations-Zahlen bereits um knapp 20% gegenüber 2017 angestiegen.
Diese Konsolidierung wird gefährdet durch erneute Forderungen nach einer verfassungswidrigen Widerspruchsloslösung: Sie ist ein weiteres Problem, nicht die Lösung, die sie zu sein vorgibt. Rücksichtslos werden damit informationelle Selbstbestimmungs- und weitere Persönlichkeits-Rechte ignoriert. Das gipfelt in der Einführung eines bundesweiten Zentralregisters, in dem Organspende-Befürworter und -Gegner amtlich erfasst und registriert werden sollen.
Es ist für Betroffene, Spender wie Empfänger, Angehörige, Mitarbeiter/-innen, Hirntod-Gutachter, Ex- und Implantationsteams schon schwer genug, mit den Problemen, Widersprüchen, Priorisierungen und perimortalen Situationen der Transplantationsmedizin klar zu kommen.
Das derzeitig unwürdige Wettrennen um den erfolgreichsten Gesetzentwurf zwischen Entscheidung und Widerspruch erinnert fatal an das Grimm’sche Märchen von „Hase und Igel“!
Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin und Hausarzt in Dortmund

Über einen Abdruck ggf. mit Kürzungen würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin
Kleppingstr. 24
44135 Dortmund
Telefon 0231-523002
Mobil 0152-55947070
th.g.schaetzler@gmx.de
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