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Ärzteschaft

Zeiten für Plausibilitäts­prüfung bei Psychotherapeuten angepasst

Freitag, 5. Juli 2019

/dpa

Berlin – Bei der Plausibilitätsprüfung von Honorarabrechnungen werden für bestimmte psychotherapeutische Leistungen nun niedrigere Zeiten im Tagesprofil angesetzt. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte, hat der Bewertungsausschuss dazu den Anhang 3 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) angepasst. Dieser regelt die Prüfzeiten für die einzelnen Leistungen.

Hintergrund ist der KBV zufolge ein Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem vergan­genen Jahr. Das BSG hatte entschieden, dass bei psychotherapeutischen Leistungen eine die Kalkulationszeit übersteigende Prüfzeit im EBM für eine Prüfung nach Tages­profilen ungeeignet sei, da Tätigkeiten wie Supervision und Reflexion typischerweise nicht an einem festgelegten Arbeitstag anfielen, schreibt die KBV. Für das Quartals­profil sei die Prüfzeit nicht beanstandet worden.

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Die KBV betont nun, dass der Bewertungsausschuss festgelegt hat, dass bei der Erstellung eines Tagesprofils bei den betroffenen Leistungen auf die Kalkulationszeit zurückzugreifen ist – bei der biografischen Anamnese (GOP 35140) beispielsweise 60 Minuten statt bisher 70 Minuten. Für das Quartalsprofil gelten weiterhin die bis­he­rigen Prüfzeiten, im vorliegenden Beispiel weiterhin 70 Minuten.

Bei der gesetzlich vorgeschriebenen Plausibilitätsprüfung wird unter anderem geprüft, ob der Umfang der abgerechneten Leistungen bezogen auf den Tag (Tagesprofil) und auf das Quartal (Quartalsprofil) plausibel ist. Als auffällig gilt ein Arzt oder Psychothe­ra­peut, bei dem die ermittelte arbeitstägliche Zeit an mindestens drei Tagen im Quartal mehr als zwölf Stunden oder im Quartalszeitprofil (bei vollem Versorgungsauftrag) mehr als 780 Stunden beträgt. Festgestellte Auffälligkeiten ziehen weitere Überprü­fungen nach sich. © may/EB/aerzteblatt.de

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Avatar #9326
Tobias Heinemann
am Dienstag, 9. Juli 2019, 08:07

Tötende Bürokratie

Grundsätzlich halte ich die Abrechnungsmodelle von KV und GKV für ein in Kauf nehmen von Todesfällen. Hierbei bin ich grundsätlzlich der Meinung, dass man die aktuell agierenden Funktionäre einschließlich des Gesundheitsmenisters später den Prozess machen sollte. Wenn nur endlich eine ernsthafte Regierung dies ermöglicht. Für diese Art des Umgangs mit Menschen sollte 15 Jahre mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld veranschlagt werden. Die Bürokratie dient nur dem einem Zwecke: Durch ihre Komplexität Existenzen von allen Leistungserbringern auf Spiel zu setzen.
Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 5. Juli 2019, 17:01

Kann man das IST nicht an das SOLL anpassen, geht's halt umgekehrt ;-)

Was ist das für ein Armutszeugnis! Da werden nach vielen Jahren jetzt mal so eben die Prüfzeiten angepasst.

Mal stelle sich nur einmal vor, ein Psychotherapeut wäre in der Vergangenheit wegen Überschreitung der Plausizeiten sanktioniert worden - und jetzt werden die Prüfzeiten reduziert. Das ist eine völlig indiskutable Performance, die hier gezeigt wurde.

Was für eine Kompetenz haben Stellen, die "mal so eben" die Prüfzeiten einfach anpassen, obwohl sich in der Sache nichts geändert hat? Ach so, man hatte bisher zu lange Prüfzeiten angesetzt? Super. Daraus folgt doch, dass "man" bisher mal so eben einen gravierenden Fehler gemacht hat.

Müssten sich diejenigen, die für den Murks verantwortlich sind, auf dem freien Markt behaupten, säßen sie nach so einer eklatanten Fehlleistung vielleicht nicht sofort auf der Straße. Aber eine Abmahnung wäre wohl das Mindeste.

Wenn ein Arzt Prüfzeiten überschreitet, geht man gegen ihn wie gegen einen Verbrecher vor. Wenn es öffentlich wird, dass bei der Bestimmung der Prüfzeiten grobe Fehler gemacht wurden, passiert was? Nichts.

Diese Art der Ungleichbehandlung kann sich nur eine KdÖR leisten.

Saftladen.
LNS

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