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Medizin

Labortest erkennt posttraumatische Belastungsstörung

Mittwoch, 11. September 2019

/kite_rin, stockadobecom

Cambridge – Ein Test aus 27 Laborwerten und der Herzfrequenz hat in einer Studie in Molecular Psychiatry (2019; doi: 10.1038/s41380-019-0496-z) die Diagnose einer post­traumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit einer Genauigkeit von 77 % gestellt. Es wäre der erste Biomarker-Test für eine psychiatrische Erkrankung.

Die PTBS ist Folge von traumatischen Erlebnissen, die in der Regel mit einer starken kör­perlichen Stressreaktion verbunden waren. Auch die unkontrollierbaren Erinnerungen, die Vermeidungssymptome und die emotionalen Störungen, die die spätere PTBS kennzeich­nen, könnten zu körperlichen Reaktionen führen, die mit Labortests nachweisbar sein sollten.

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Bislang war es allerdings nicht gelungen, einen Test zu entwickeln, mit dem Patienten mit PTBS von anderen Menschen unterschieden werden könnten. Ein Team um Frank Doyle von der John A. Paulson School of Engineering and Applied Sciences in Boston hat sich deshalb zu einen „Rundumschlag“ entschieden.

Bei 83 Menschen, die im Krieg im Irak oder Afghanistan eine PTBS erlitten hatten, und in einer Kontrollgruppe von 82 Soldaten ohne traumatische Erlebnisse wurden alle verfüg­ba­ren Labortests durchgeführt. Darunter waren auch Genanalysen sowie zahlreiche Be­standsaufnahmen von Methylom, Proteom, Metabolom, Immunsystem sowie Marker der Zellalterung und des endokrinen Systems, microRNA, Zytokine und vieles mehr.

Bei 343 Markern wurden Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden, von de­nen 27 und die Bestimmung der Herzfrequenz für die zweite Phase der Studie ausge­wählt wurden. Dieses Mal wurden 26 PTBS-Patienten und 26 Kontrollen ausgewählt. Der Test erzielte in einer ROC-Analyse einen AUC-Wert von 0,80, was ein passables Ergebnis ist (1,0 wäre die sichere Diagnose, 0,50 ein Zufallsbefund gewesen). Die Genauigkeit betrug 81 %, die Sensitivität 85 % und die Spezifität 77 %.

Interessant ist ein Blick auf die einzelnen Biomarker. Einige, wie ein Anstieg der Herz­frequenz oder eine verminderte Konzentration von Gerinnungsfaktoren, waren laut Doyle bereits in früheren Studien mit der PTBS in Verbindung gebracht worden.

Andere Marker wie Thrombozytenvolumen, Insulinresistenz sowie Veränderungen im SHANK2-Gen und in der PDE9A-Expression waren auch bei Patienten mit Major Depressi­on oder Angstzuständen erhöht (ohne allerdings eine Diagnose zu ermöglichen).

Einige miRNA, kurze RNA-Moleküle, die die Ablesung von Genen in den Zellen beeinfluss­en, waren in früheren Untersuchungen mit Erkrankungen von Herz (miR133-3p) und Le­ber (miR-192) oder einem metabolischen Syndrom (miR-192-5p) in Verbindung gebracht worden. Dies deutet darauf hin, dass das PTBS auch außerhalb des Gehirns Schäden ver­ursacht. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 11. September 2019, 22:52

Diese Studie

kann allenfalls einen Trend aufzeigen und ggfs weitere Forschung rechtfertigen!
Durch die geringe Gruppengröße liegt der zu erwartende "Fehler 2. Art" bei über 25%, was die Ergebnisse völlig wertlos macht.
Von 100 Patienten mit klinisch gesicherter PTBS werden also 19 nicht bestätigt, während 23 von 100 positiv getesteten Patienten keine PTBS haben.
Angenommen, 1000 Personen behaupten eine PTBS, die wegen Sprachproblemen nicht psychologisch getestet werden können, 100 davon haben die Störung tatsächlich.
190 gesunde und 81 kranke Personen werden positiv, 810 gesunde und 19 kranke Personen werden negativ gestestet.
In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine positiv getestete Person tatsächlich eine PTBS hat, knapp 30%.
Avatar #760797
TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:01

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
Avatar #760797
TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:01

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
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TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:01

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
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TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:00

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
Avatar #760797
TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:00

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
Avatar #760797
TURKAN
am Mittwoch, 11. September 2019, 20:00

PTBS

betrifft nicht nur Soldaten mit Kriegserleben. Aber das ist eigentlich hinlänglich bekannt. Warum dieser Heißluftballon? Etwas differenzierter würde ich mir vom Deutschen Aerzteblatt schon wünschen. 77% ist eine tolle Zahl, aber was verbirgt sich dahinter?
LNS

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