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Medizin

Leukämie: Stammzellagonist UM171 erleichtert Verwendung von Nabelschnurblut

Donnerstag, 7. November 2019

/Giovanni Cancemi, stock.adobe.com

Montreal – Kanadische Forscher haben einen Wachstumsfaktor entdeckt, der die Mobili­sierung von Stammzellen aus Nabelschnurblut erleichtert. Eine erste klinische Phase 1/2-Studie in Lancet Haematology (2019; doi: 10.1016/S2352-3026(19)30202-9) ergab, dass die Stammzellen bei erwachsenen Patienten mit verschiedenen hämatologischen Erkran­kungen erfolgreich eingesetzt werden können.

Allogene Stammzelltransplantationen werden heute zumeist mit Zellen aus dem Kno­chen­­mark oder dem peripheren Blut von Personen durchgeführt, die entweder aus der Familie stammen oder von Spendern, die bei der Gewebetypisierung eine ausreichende Überein­stimmung („Matching“) mit dem Patienten hatten. Stammzellen aus Nabelschnur­blut werden relativ selten verwendet. Der Anteil liegt bei etwa 7 %.

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Dabei haben Stammzellen aus dem Nabelschnurblut mehrere Vorteile. Zum einen ist kein exaktes Matching erforderlich. Zum anderen kommt es nach der Behandlung selten zu Rezidiven und zu Graft-versus-Host-Reaktionen.

Der Nachteil der Nabelschnurblutspende ist die relativ geringe Anzahl von Stammzellen. Dies birgt die Gefahr, dass es nach der Transplantation nicht zur Etablierung eines neuen Knochenmarks kommt. Für die meisten Zentren ist dies ein zu hohes Risiko, da das alte Knochenmark vor der Behandlung durch eine Chemotherapie zerstört werden muss, um mit ihm die Leukämiezellen zu beseitigen.

Vor 5 Jahren hatte ein Team um Guy Sauvageau vom Institute of Research in Immunology and Cancer (IRIC) in Montreal bei einem Screening von 5.280 Substanzen ein Molekül ent­deckt, mit dem Stammzellen aus dem Nabelschnurblut in Zellkulturen vermehrt wer­den können (Science 2019; 345: 1509-1512). Spätere Untersuchungen ergaben, dass UM171 innerhalb von 7 Tagen die Zahl der für die Behandlung verfügbaren Stammzellen um das 10- bis 80-fache erhöht. Während normalerweise nur etwa 5 % der Nabelschnur­blut­spenden verwendet werden konnten, beträgt der Anteil jetzt 50 bis 80 %.

UM171 veränderte auch die Zusammensetzung des Transplantats. Die Anzahl der dendri­tischen Zellen steigt um den Faktor 600. Die Anzahl der Mastozyten wird sogar um den Faktor 8.000 multipliziert. Beide Zelltypen haben laut Sauvageau eine wichtige Funktion im Immunsystem. UM171 könnte damit nicht nur die Quantität, sondern auch die Quali­tät der Stammzellen verbessert haben.

In den vergangenen Jahren wurden an 2 Kliniken in Kanada die ersten 22 Patienten mit den Nabelschnurstammzellen behandelt. Den Forschern standen 27 Nabelschnurblut­spenden zur Verfügung. Bei 26 gelang es, die Zahl der Stammzellen mit UM171 auf eine ausrei­chende Menge zu vermehren.

Einige der Studienteilnehmer hatten sich zuvor einer erfolglosen Stammzelltransplan­ta­tion unterzogen. An ersten klinischen Studien nehmen typischerweise Patienten teil, für die keine anderen Behandlungen mehr zur Verfügung stehen.

Trotz der Negativauswahl übertrafen die Ergebnisse die Erwartungen nach Einschätzung von Sauvageau bei weitem. Alle Transplantate wurden von den Patienten angenommen. Die Stammzellen besiedelten das Knochenmark relativ schnell. Bereits nach median 9,5 Tagen war die Zahl der Neutrophilen im Blut auf 100/µl gestiegen. Nach 18 Tagen war die Grenze von 500/µl Neutrophilen erreicht. Die mediane Zeit bis zur Erholung der Thrombozytenzahl betrug 42 Tage.

Die häufigsten nichthämatologischen Nebenwirkungen waren eine febrile Neutropenie 3. Grades bei 16 von 22 Patienten (73 %) und eine Bakteriämie bei 9 Patienten (41 %). Nur ein Patient (5 %) verstarb an einer behandlungsbedingten diffusen Alveolarblutung als Komplikation der Behandlung. Keiner der Patienten entwickelte als Folge der Transplan­tation eine chronische Autoimmunerkrankung.

Die Forscher planen jetzt eine Phase 3-Studie, um die Sicherheit an einer größeren Zahl von Patienten zu überprüfen und die Effektivität mit Stammzelltherapien aus Knochen­mark- und Blutspenden zu vergleichen. © rme/aerzteblatt.de

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