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Politik

Entwurf für neue ärztliche Approbationsordnung vorgelegt

Montag, 2. Dezember 2019

/dpa

Berlin – Fast drei Jahre nach Verabschiedung des Masterplans Medizinstudium 2020 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) den Arbeitsentwurf für eine neue Appro­ba­tionsordnung für Ärzte (ÄApprO) vor. Mit ihr soll auf die Herausforderun­gen für die künf­ti­ge ärztliche Versorgung reagiert werden, so die Zielsetzung.

Die Medizinischen Fakultäten sowie die Medizinstudierenden begrüßen, dass nach der langen Wartezeit endlich dieser Entwurf vorliegt. „Der Masterplan 2020 bietet die Mög­lich­­keit für wegweisende Änderungen in der Strukturqualität des Medizinstudiums. Nach einer ersten Durchsicht des Arbeitsentwurfs zur ÄApprO sehen wir darin gute Ansatz­punk­te, aber durchaus auch noch Verbesserungspotenzial“, sagte Peter Jan Chabiera, Prä­si­dent der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ).

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Neben der Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen und der Fähigkeiten, wissenschaft­li­che Studien zu interpretieren, wird in dem Papier aus dem Haus von Bundesgesund­heits­minister Jens Spahn (CDU) viel Wert auf eine praxisnahe Gestaltung der universitä­ren Ausbildung von Medizinern gelegt. Zudem soll die Themen Datennutzung und digitale Anwendungen als Ausbildungsinhalte aufgenommen werden.

Insbesondere Lehrinhalte aus der Allgemeinmedizin werden mit der Reform des Medizin­studiums aufgestockt und longitudinal in das gesamte Studium integriert. Außerdem wird das Praktische Jahr (PJ) von derzeit drei Tertialen auf vier Quartale umgestellt. Dabei bleiben dem Entwurf zufolge die Fächer Innere Medizin sowie Chirurgie als Pflichtquartal erhalten, mindestens ein Wahlfach soll in einem weiteren Fach im ambulanten Bereich absolviert werden.

Orientierung an Kompetenzen

Die Orientierung an Kompetenzen soll sich künftig wie ein roter Faden durch das gesam­te Medizinstudium ziehen. Ein interdisziplinärer Unterricht an den Fakultäten soll dabei das fächerübergreifende Denken der Nachwuchsärzte fördern. Theoretisches und klini­sches Wissens soll während der gesamten Ausbildung miteinander verknüpft werden, wo­bei sich die Inhalte des Studiums nach dem vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) ver­abschie­deten Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) richten sollen.

Für die Weiterentwicklung des Gegenstandskatalogs für die Abschnitte der Ärztlichen Prü­fung soll weiterhin das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) zuständig sein, das gemeinsam mit dem MFT die Inhalte des NKLM und des Ge­gen­standskataloges regelmäßig aufeinander abstimmen soll.

Insgesamt soll es künftig vier Abschnitte der Ärztlichen Prüfung geben: Der Erste Ab­schnitt wird schriftlich nach einem Studium von mindestens zwei Jahren abgelegt; der Zweite Abschnitt dann mindestens ein Jahr nach Bestehen des Ersten Abschnitts in Form einer strukturierten klinisch-praktischen Prüfung („Objective Structured Clinical Examina­tion“/OSCE).

Den Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung sollen die Studierenden schriftlich mindes­tens zwei Jahre nach Bestehen des Zweiten Abschnitts absolvieren. Nach dem Praktischen Jahr soll dann das Studium mit dem Vierten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung als münd­lich-praktische Prüfung an Patienten aus dem stationären Bereich und dem ambulanten Bereich und durch eine strukturierte klinisch-praktische OSCE-Prüfung abgeschlossen werden.

Für die Ausbildung im Praktischen Jahr (PJ), die sich wie beschrieben künftig auf vier Quartale erstrecken soll, sind insgesamt 48 Wochen vorgesehen. Möchten Studierende das PJ in Teilzeit mit 50 oder 75 Prozent absolvieren, soll dies möglich sein. Die Gesamt­dauer der Ausbildung verlängert sich dann allerdings entsprechend.

Logbuch vorgegeben

Zudem gibt die neue ÄApprO explizit vor, dass die Universitäten einen Ausbildungsplan (Logbuch) ausstellen müssen, nach dem die praktische Ausbildung im Praktischen Jahr an den Lehrkrankenhäusern durchzuführen ist. Das Logbuch soll verpflichtende und optiona­le Ausbildungsziele enthalten, die sich an den Lernzielen des NKLM bis zum Vierten Ab­schnitt der Ärztlichen Prüfung orientieren.

Den Forderungen der Medizinstudierenden entsprechend soll das Logbuch auf diese Wei­se das PJ stärker strukturieren. So soll es beispielsweise auch Vorgaben für strukturierte Ausbildungsgespräche, eine Mindestanzahl an arbeitsplatzorientierten Prüfungen sowie eine Mindestanzahl an Patientenvorstellungen im Rahmen der Visiten auf der Station ent­halten.

Zufrieden mit den Vorgaben für das PJ sind die Medizinstudierenden aber nicht vollstän­dig: „Leider ist die von uns geforderte angemessene Aufwandsentschädigung im PJ nicht im Entwurf verankert, sodass Studierende sich den Lebensunterhalt parallel zum PJ dazu­verdienen müssen – auf Kosten der Vorbereitungszeit sowie der Patientensicherheit“, kritisierte Joachim Pankert, Projektleiter „FairesPJ“, auf -Nachfrage.

Auch die Medizinischen Fakultäten sind derzeit mit der Analyse des Arbeitsentwurfs be­fasst: „Die kompetenzorientierte Ausrichtung und Stärkung der Wissenschaftlichkeit im Medizinstudium ist ganz in unserem Sinne. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir ja auch den NKLM als Grundlage für die Lehre und die Prüfungen weiter“, sagte der Präsi­dent des MFT, Matthias Frosch, dem DÄ. Allerdings passe dazu nicht die vorgeschlagene „Innovationsklausel“ in Paragraf 137 des vorgelegten Entwurfs.

Sie eröffnet die Möglichkeit, die Dauer des Medizinstudiums künftig auf fünf Jahre zu reduzieren. Voraussetzung für eine solche Sonderregelung ist, dass ein Innovationsziel beschrieben wird, was erkennen lässt, welche qualitativen Verbesserungen für die medi­zi­nische Ausbildung erwartet werden.

Zudem muss eine sachgerechte begleitende und abschließende Evaluation des Innovati­onsvorhabens gewährleistet sein. Der MFT ist dennoch skeptisch: „Wir sehen nicht, wie das ohne Einschränkungen bei der praktischen Ausrichtung und den Inhalten des Stu­diums – und damit letztlich der Sicherheit der Patienten – gelingen soll“, betonte Frosch.

Bis Ende Januar können die Medizinischen Fakultäten, die bvmd sowie die anderen Verbände ihre Stellungnahmen zu dem Entwurf abgegeben. Anfang 2020 sollen dann die parlamentarischen Verfahren und Beratungen beginnen. © ER/aerzteblatt.de

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