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Medizin

MRT-Studie: Marathon strapaziert Kniegelenke und festigt den Knochen

Freitag, 13. Dezember 2019

Uploaded: 31.03.2017 18:56:12 by mis

London – Nicht alle Marathonläufer haben gesunde Gelenke. In einer Kohortenstudie wies jeder dritte Teilnehmer vor dem Rennen Meniskusschäden auf, die aber keinen von der Teilnahme abhielten. Britische Forscher berichten in BMJ Open Sports & Exercise Medicine (2019; DOI: 10.1136/bmjsem-2019-000586), wie die Gelenke auf die Belastungen des Langlaufs reagierten.

Marathonläufe werden immer populärer. Weltweit sollen sich mittlerweile jedes Jahr 30 Millionen Menschen den Herausforderungen des mehrstündigen Langlaufs stellen. Viele Teilnehmer gehen beruflich eher einer sitzenden Tätigkeit nach. Ob sie ihrem Körper einen Gefallen tun oder doch eher ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, wird kontrovers diskutiert. Sportmediziner sehen in den Läufen und das mehrmonatige Training davor einen wichtigen Beitrag zur kardiovaskulären Fitness von Stadtmenschen. Orthopäden befürchten eher, dass die langen Laufstrecken auf dem Asphalt den Gelenken schaden. Die Besorgnis gilt vor allem den Knien.

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Mediziner des University College London haben die Kniegelenke von 82 Personen untersucht, die sich auf den Londoner Stadtmarathon vorbereiteten, an dem 71 schließlich teilnahmen. Es wurden zwei Magnetresonanztomografien (MRT) mit einem leistungsstarken 3-Tesla-Gerät durchgeführt. Die erste im November 2016 vor Beginn des Trainings, die zweite im April 2017 wenige Tage nach dem Marathon.

Schon bei der ersten Untersuchung gab es Überraschungen. Zwar waren die Kniegelenke bei allen Teilnehmern klinisch gesund. Die Angaben im „Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score“ (KOOS) lagen meist bei über 90 von 100 möglichen Punkten. Doch im MRT entdeckten Laura Maria Horga und Mitarbeiter bei vielen der im Durchschnitt 44 Jahre alten Teilnehmer degenerative Veränderungen: Jeder dritte Marathonaspirant hatte Meniskusrisse. Darunter waren auch Korbhenkelrupturen, bei denen viele Orthopäden ihren Patienten eher zu einer Operation als zur Teilnahme am Stadtmarathon raten würden.

Keiner der Teilnehmer verzichtete wegen der Meniskusschäden auf den Marathonlauf. Nur einer brach das Rennen vorzeitig ab, ob wegen des Meniskus ist nicht bekannt. Bei den anderen Teilnehmern, auch jenen mit Korbhenkelrupturen, kam es zu keiner Verschlechterung. Die Laufzeiten waren auch nicht länger als bei den Teilnehmern ohne Meniskusriss. Für Horga spricht dies dafür, bei Patienten mit Meniskusriss nicht sofort zu operieren, sondern es zunächst mit einer Physio- oder Sporttherapie zu probieren (Es muss ja nicht gleich ein Marathonlauf sein).

Auch Schäden am Gelenkknorpel waren keineswegs selten. Auf den MRT-Aufnahmen waren sie bei mehr als der Hälfte der Läufer erkennbar. Betroffen war vor allem das Patellofemoralgelenk. Hier wurden nach dem Marathon am häufigsten neue Läsionen gesehen. Für die Kniescheibe scheint ein Marathonlauf nicht unbedingt gesund zu sein. Auch den Sehnen bekamen die Strapazen nicht immer. Bei sechs Läufern wurden nach dem Rennen neue Läsionen am Ansatz des Musculus semimembranosus gefunden. Auch die kollateralen Ligamente wurden durch das Rennen strapaziert. In 59 Kniegelenken wurden nach Training und Rennen neue Läsionen im MRT entdeckt.

Die eigentliche Überraschung fanden die Forscher im Knochenbereich. Subchondrale Knochenmarködeme gelten als Hinweis auf degenerative Veränderungen infolge einer Überlastung. Vor dem Rennen waren 58 Knie beschädigt. Nach dem Rennen wurden – erneut im Bereich des Patellofemoralgelenks – zusätzliche Knochenmarködeme entdeckt. In den am meisten belasteten Bereichen des Knies, den medialen Kompartimenten von Tibia und Femur stellten die Orthopäden dagegen einen Rückgang der Läsionen fest. Das Training und der Marathonlauf haben hier offenbar die Knochenstruktur gefestigt. © rme/aerzteblatt.de

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