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Medizin

Women's Health Initiative: Östrogene beeinflussen Brustkrebsrisiko noch viele Jahre nach Therapieende

Montag, 16. Dezember 2019

Skala in Ampelfarben zeigt einen niedrigen Östrogenspiegel an. /JEGAS RA, Stock.adobe.com
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind nach der Pubertät die zweite hormonbewegte Phase im Leben einer Frau. Der Östrogenspiegel sinkt. /JEGAS RA, Stock.adobe.com

Los Angeles – Die Auswirkungen von Östrogenen auf das Brustkrebsrisiko, die zum vor­zeitigen Abbruch der Women's Health Initiative (WHI) mitbeigetragen hatten, sind auch anderthalb Jahrzehnte später noch nachweisbar. Das zeigen jüngste Zahlen, die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt wurden (Abstract).

Die WHI hatte in 2 randomisierten Studien den Einfluss der damals populären Hormon­ersatztherapie auf die Gesundheit von postmenopausalen Frauen untersucht. Die „Estrogen plus Progestin Study“ (CEE+MPA) war 2002 vorzeitig gestoppt worden, nachdem ein erhöhtes Risiko von kardiovaskulären Komplikationen und Brustkrebs erkennbar wurde.

2 Jahre später wurde auch die „CEE alone“-Studie gestoppt. Dort war es zwar zu einem leichten Rückgang der Brustkrebserkrankungen gekommen, die Zahl der Schlaganfälle war jedoch erhöht, so dass den Frauen auch nicht mehr zu einer reinen Östrogenbehandlung geraten werden konnte. Sie kam wegen des erhöhten Risikos auf ein Endometriumkarzinom ohnehin nur für Frauen ohne Uterus infrage.

Die Ergebnisse der WHI bedeuteten das Ende der Hormonersatztherapie, die Frauen nach den Wechseljahren über viele Jahre zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankung angeboten worden war. Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sehen darin eine Fehlentwicklung und plädieren seit Jahren für eine Umkehr der Trendwende.

Postmenopausale Hormontherapie: Bedarf es einer erneuten Trendwende?

Berlin – Der vorzeitige Stopp der Studie der Women’s Health Initative (WHI) wegen negativer Nutzen-Schaden-Bilanz der postmenopausalen Hormontherapie hat 2002 eine Trendwende eingeleitet, die bis heute anhält. Der Gebrauch von Sexualhormonen nach der Menopause ging etwa in Europa um bis zu 80 Prozent zurück. Wissenschaftler der DGE sehen darin eine

Die Teilnehmerinnen werden seit dem Ende der Studie nachbeobachtet. Die jetzt von Rowan Chlebowski vom Harbor-UCLA Medical Center in Torrance/Los Angeles vorgestellten Daten zeigen, dass die Auswirkungen der mehrjährigen Hormontherapie auch heute noch nachweisbar sind.

Von den 10.739 Teilnehmerinnen der „CEE alone“-Studie waren während der 7,2-jährigen Behandlung mit konjugierten Stutenöstrogenen (CEE) oder Placebo 238 Frauen an Brustkrebs erkrankt. Chlebowski ermittelt eine Hazard Ratio von 0,76, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,58 bis 0,98 signifikant war: Die Behandlung mit CEE hatte das Brustkrebsrisiko also um 24 % gesenkt (laut einer früheren Publikation wurde das Risiko nur nicht-signifikant um 20 % gesenkt).

Weniger Brustkrebs, Schlaganfallrisiko unklar

In den 16,1 Jahren seit Abbruch der Studie sind weitere 520 Frauen an einem Mamma­karzinom erkrankt. Chlebowski ermittelt eine Hazard Ratio von 0,77 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,65 bis 0,92. Dies bedeutet einen Rückgang um 23 %.

Könnte Frauen ohne Uterus also doch zu einer Östrogen-Monotherapie geraten werden? Die von Chlebowski vorgestellten Daten können diese Frage nicht beantworten, weil die anderen Endpunkte nicht berücksichtigt wurden. Hierzu gehört neben dem erhöhten Risiko von Schlaganfällen auch die während der Studie tendenziell angestiegene Zahl von venösen Thromboembolien und Lungenembolien. Entscheidend wäre am Ende eine Gesamtbetrachtung von Nutzen und Risiken, die auf dem Symposium nicht vorgenommen wurde.

In der „CEE+MPA“-Studie war während der 5,6 Jahre Behandlung mit CEE plus Medroxyprogesteron (MPA) bei 360 von 16.608 Frauen ein Mammakarzinomen diagnostiziert worden. Chlebowski gibt die Hazard Ratio mit 1,26 an (1,02 bis 1,56). Es kam also zu einem signifikanten Anstieg des Brustkrebsrisikos, das damals zusammen mit dem Anstieg von venösen Thromboembolien/Lungenembolien sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum vorzeitigen Ende der Studie geführt hatte.

In den 18,3 Jahren seit Abbruch der Studie sind 1.003 Brustkrebsfälle hinzugekommen. Chlebowski ermittelt eine Hazard Ratio für die frühere „CEE+MPA“-Behandlung von HR 1,29 (1,14 bis 1,47). Auch dieses Risiko müsste im Kontext der übrigen Morbidität betrachtet werden. Während der Studie war es in der „CEE+MPA“-Gruppe zu weniger Darmkrebserkrankungen, osteoporotischen Frakturen und auch zu weniger Endometriumkarzinomen gekommen.

Leitlinie bleibt vermutlich unberührt

Chlebowski hat auch hier keinen Versuch unternommen, das Gesamtrisiko der ehemaligen Anwenderinnen der Hormonersatztherapie zu bestimmen. Es erscheint deshalb unwahrscheinlich, dass die neuen Ergebnisse die Leitlinien beeinflussen werden, in denen heute allenfalls zu einer vorübergehenden Östrogenbehandlung klimakterischer Beschwerden geraten wird, wobei anders als in der WHI-Studie eine lokale intravaginale Applikation der systemischen Gabe der Vorzug gegeben wird.

Die jetzige Analyse steht übrigens im Gegensatz zu den Ergebnissen einer Meta-Analyse, die die Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer kürzlich veröffentlicht hat. Dort war auch für die Monotherapie mit Östrogenen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko ermittelt worden. Die Metaanalyse stützt sich allerdings auf Daten epidemiologischer Unter­suchungen (58 Studien mit 108.647 Teilnehmerinnen), denen aufgrund möglicher Verzerrungen eine geringere Evidenz zugeschrieben wird, als einer randomisierten klinischen Studie. © rme/aerzteblatt.de

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