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Medizin

Zwei Äpfel am Tag senken Cholesterin in randomisierter Studie (ein wenig)

Dienstag, 17. Dezember 2019

/tstock, stock.adobe.com

Reading/England – Der tägliche Verzehr von zwei Äpfeln mit einem hohen Gehalt an Po­ly­phenolen hat in einer randomisierten Studie im American Journal of Clinical Nutrition (2019; doi: 10.1093/ajcn/nqz282) die Cholesterinwerte von Patienten mit milder Hyper­cho­lesterinämie gesenkt. Ein mit Zucker angereicherter Apfelsaft aus dem Supermarkt erzielte keine Wirkung.

Äpfel sind reich an Polyphenolen (etwa 100 mg/100 g) und Ballaststoffen (2 bis 3 g/100 g). Beiden wird eine günstige Wirkung auf die Gesundheit nachgesagt. Ein möglicher Effekt ist eine Senkung des Cholesterins, was langfristig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindern könnte. Der Verzehr von Äpfeln soll darüber hinaus die Endo­thelfunktion günstig beeinflussen. Störungen sind hier ein Frühzeichen einer Atheros­klerose.

Die bisherigen Erkenntnisse beruhten auf tierexperimentellen Studien oder epidemiolo­gischen Beobachtungen, deren Beweiskraft gering ist. Ein Team um Julie Lovegrove von der University of Reading (westlich von London) hat jetzt erstmals eine randomisierte Studie durchgeführt, also dem „Goldstandard“ klinischer Prüfungen, die eine hohe Evi­denz beanspruchen kann.

An der Studie nahmen 43 gesunde Probanden im Alter von 29 bis 69 Jahren teil, deren Gesamtcholesterin mit 5,2 bis 7,9 mmol/l (200 bis 300 mg/dl) leicht erhöht war. Die eine Hälfte der Teilnehmer wurde gebeten, über acht Wochen zusätzlich zu ihrer üblichen Ernährung pro Tag zwei Äpfel zu verzehren.

Die andere Hälfte erhielt einen Apfelsaft, der künstlich gesüßt war, um auf die gleiche Kalorienzufuhr zu kommen. Nach einer Pause von vier Wochen wurden in einem „Cross over“-Design für eine weitere achtwöchige Therapiephase die Gruppen gewechselt.

Apfelsorte mit hohem Polyphenolgehalt

Die Forscher wählten eine Apfelsorte mit einem hohen Polyphenolgehalt von 990 mg pro Tag gegenüber 2,5 mg mit dem Apfelsaft. Die Aufnahme von Ballaststoffen war mit 8,5 g gegenüber weniger als 0,5 g ebenfalls deutlich höher.

Der primäre Endpunkt der Studie waren die Veränderungen der Lipidparameter. Sie waren Teil einer ausführlichen Laboranalyse. Außerdem wurden Funktionstests der Endothelien durchgeführt.

Der tägliche Verzehr von zwei Äpfeln senkte das Gesamtcholesterin bei den 40 Teilneh­mern, die bis zum Schluss an der Studie teilnahmen, von 6,08 auf 5,89 mmol/l, während es in der Kontrollgruppe zu einem leichten Anstieg von 6,05 auf 6,11 mmol/l kam.

Beim LDL-Cholesterin führte der Verzehr von Äpfeln zu einem leichten Rückgang von 3,89 auf 3,72 mmol/l gegenüber einem Anstieg von 3,83 auf 3,86 mmol/l nach dem Trinken von Apfelsaft. Das HDL-Cholesterin veränderte sich in beiden Gruppen kaum. Bei den Triglyzeriden kam es nur in der Kontrollgruppe zu einem leichten Anstieg.

Bei der Untersuchung der Gefäßfunktion wurde eine etwas bessere Reaktion auf die in­travenöse Injektion von Acetylcholin gefunden. Die Plasmakonzentration von ICAM-1, einem Adhäsionsmolekül mit möglichem Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko, ging leicht zurück. Die klinische Bedeutung ist unklar und bei der Fülle der untersuchten Parameter könnte es sich auch um einen Zufallsbefund gehandelt haben. Ein Einfluss auf den Blutdruck war nicht erkennbar.

Im Vergleich zu einer Statintherapie war die Reduktion des Cholesterinwerts minimal, und ob der tägliche Verzehr von zwei Äpfeln auf Dauer die Herz-Kreislauf-Risiken senkt, lässt sich nach acht Wochen nicht abschätzen (in den klinischen Studien zu Statinen wurde ein Effekt erst nach einer mehrjährigen Therapie beobachtet).

Die Leitlinien dürften Äpfel aufgrund der Studie nicht als effektive Cholesterinsenker einstufen. Gegen den Ratschlag, begleitend zur medikamentösen Therapie die Ernährung zu ändern und häufiger Äpfel zu verzehren, dürfte nichts einzuwenden sein – außer vielleicht bei Patienten mit erhöhten Harnsäure-Werten. Der Verzehr der Äpfel führte in der Studie zu einem leichten Anstieg der Serumwerte von 337,2 auf 341,4 µmol/l. Dass dies einen Gichtanfall auslöst, dürfte jedoch sehr unwahrscheinlich sein. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 14:15

Die Schlussfolgerungen...

"Conclusions - These data support beneficial hypocholesterolemic and vascular effects of the daily consumption of PA-rich apples by mildly hypercholesterolemic individuals" beschreiben minimale Unterschiede und Surrogat-Parameter. Es gibt keinerlei verwertbare, harte Endpunkte.

Außerdem wurde nur eine bestimmte Apfelsorte Renetta Canada ["rich in proanthocyanidins (PAs)"] untersucht und mit künstlich gezuckertem Apfelsaft verglichen, um die Ergebnisse wenigstens auf schwaches Signifikanz-Niveau zu heben.

Mf+kG, Dr. med- Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 17. Dezember 2019, 20:16

Es ist zu vermuten,

dass die Polyphenole infolge ihrer antioxidativen Eigenschaft dem ebenfalls antioxidativ wirksamen Vitamin C den Rücken für andere Aufgaben freihalten. Eine dieser Aufgaben des Vitamin C ist die Festigkeit der Gefäßgewebe zu gewährleisten. Gefäße von genügender erleiden keine Gewebsbrüche, sodass weniger Reparaturcholesterin benötigt wird.
Avatar #555880
ziebur311265
am Dienstag, 17. Dezember 2019, 20:04

Äpfel und Cholesterin

"Äpfel sind reich an Polyphenolen (etwa 100 mg/100 g) und Ballaststoffen (2 bis 3 g/100 g)."
Das gilt für ganze Äpfel, also wenn die Äpfel nicht geschält sind und das Kernhaus mit einkalkuliert wird. Da die Äpfel aber meist geschält und das Kernhaus entfernt werden, ist das mit "2 bis 3 g /100 g" Ballaststoff ein Märchen.
LNS

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