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Politik

Medizinabsolventen in Polen: Brandenburgs Gesundheits­ministerin drängt auf Lösung für Approbation

Mittwoch, 8. Januar 2020

/dpa

Potsdam – Im Konflikt um Approbationen für deutsche Mediziner, die in Polen studiert haben, drängt die brandenburgische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Ursula Nonnemacher (Grüne) auf rasche Lösungen. „Brandenburg braucht junge Ärzte. Wir sind froh und dankbar, dass Absolventen, die in Polen Medizin studiert haben, in Brandenburg arbeiten möchten“, sagte sie heute in einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des brandenburgischen Landtags. Dort stand die „Approbation der Absolventinnen und Absolventen eines in Polen absolvierten Medizinstudiums“ auf der Tagesordnung. Nonnemacher betonte, polnische Ärzte seien seit Jahren die größte Zuwanderungsgruppe bei den praktizierenden Medizinern in Brandenburg.

Hintergrund ist eine Kooperation des Asklepios-Konzerns mit der Pommerschen Medizinischen Universität in Stettin (PUM) seit 2013 mit dem Ziel, Ärzte für seine Kliniken dort in einem englischsprachigen Studiengang ausbilden zu lassen. Im Rahmen dieser Kooperation hat der erste Abschlussjahrgang das sechsjährige Studium mittlerweile beendet und im August 2019 bei verschiedenen Approbationsbehörden in Deutschland Anträge auf die Ausstellung einer Approbation eingereicht.

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Im Land Brandenburg ist das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) die zuständige Behörde für Approbationen und Anerkennung ausländischer Ausbildungen. Aktuell liegen in diesem Zusammenhang dem LAVG drei unvollständige Anträge auf Approbation vor.

„Unvollständig“ deshalb, weil den Absolventen das polnische sogenannte „Staz podyplowy“, („Staz“) fehlt, das einem bis zum Jahr 2004 in Deutschland vorgesehenen AiP (Arzt im Praktikum) entspricht, und um das „LEK“, eine Aufnahmeprüfung für das „Staz“.

Wie Absolventen des Studiengangs gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt berichten, handelt es sich bei Staz und LEK um landesinterne Zusatzprüfungen, die beim internationalen Studium nicht vorgesehen sind. Für beide sei das Beherrschen der polnischen Sprache erforderlich, während das von deutschen Studierenden absolvierte internationale Programm vollständig aus englischen Studieninhalten bestehe. Es umfasse 5.500 Unterrichtsstunden und sehe ein Praktisches Jahr vor.

Laut der Richtlinie 2005/36/EG (aktuelle Fassung vom 15.04.2019) der Europäischen Union gilt in Polen eine ärztliche Ausbildung aber erst als abgeschlossen, wenn neben dem Diplom der ausbildenden Universität zusätzlich noch eine Bescheinigung über das „Staz“ und die entsprechende mündliche Prüfung „LEK“ beigebracht wird.

„Wir haben das Dilemma der Absolventen erkannt, die im Rahmen der Asklepios-PUM-Kooperation ihr Medizinstudium abgeschlossen haben und nun hoch motiviert in dem Beruf auch starten wollen“, sagte Nonnemacher.

Polen müsse der EU-Kommission und damit allen EU-Mitgliedsstaaten klar und unmissverständlich bescheinigen, dass nach polnischem Recht weder die Absolvierung des LEK noch des Staz für die uneingeschränkte Berechtigung zur Ausübung des ärztlichen Berufes Voraussetzung sei. „Polen muss die EU-Richtlinie präzisieren. Diese Präzisierung brauchen wir dringend, damit wir die Approbation rechtssicher erteilen können“, so Nonnemacher.

Als eine erste Lösung hat das LAVG den Antragstellenden und Asklepios vorgeschlagen, dass die Betroffenen zunächst eine Erlaubnis zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufs unter „Anleitung, Aufsicht und Verantwortung einer approbierten Ärztin beziehungsweise eines approbierten Arztes“ erhalten könnten. hil © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #770947
applequeen
am Donnerstag, 9. Januar 2020, 16:41

Wenn deutsche Bürokratie über Menschlichkeit geht

Vielen Dank für den Beitrg, jedoch möchte ich gerne hinzufügen, dass ich es schwierig finde eine Lösung zu finden, wenn man ein Abend vor einer Ausschusssitzung erst das Problem versteht. Seit Monaten wird einem versprochen, dass man an der Thematik arbeitet. Worum es wirklich geht, hat jedoch nur eine wesentliche Minderheit verstanden, obwohl hier zahlreiche Aufklärungsschreiben erschienen sind.

Würde man nur die rechtliche Seite in der Medizin anwenden, dann könnte man auch jedem in der Rettungsstelle ein MRT sowie ein komplettes Labor anbieten, sodass man auf der sicheren Seite ist. Betrachtet man jedoch Sinn und Zweck einer Handlung, dann könnte man solch ein Verhalten in Frage stellen?

Was verspricht man sich davon, wenn deutsche Studenten nach ihrem Studium weitere 13-Monate in einer polnischen Klinik arbeiten? Warum sollten nicht alle Absolventen gleich gestellt werden?

Das ein Ärztemangel herscht, sollte mittlerweile jeder Person bewusst geworden sein und dieser wird sich nicht lösen, indem man keine Approbationen vergibt.
Avatar #804888
BananaKing
am Donnerstag, 9. Januar 2020, 10:05

Es sollen keine Mühen gescheut werden!

Dieser Artikel könnte einem Hoffnung machen, wenn man nicht wüsste, dass die Wahrheit nicht ganz so optimistisch imponiert.

Von einer vorläufigen Berufserlaubnis, hat heute von den Anwesenden des Gesundheitsausschusses sicher niemand etwas gehört.
Auch, dass man an einer schnellen Lösung interessiert sei, darf bezweifelt werden, wenn man vernehmen muss, dass der Ministerin (selbst Medizinerin) am Vorabend des Ausschusses klar geworden ist, dass es sich beim Staz nicht um das praktische Jahr der deutschen Mediziner handelt, sondern um das Ende 2004 abgeschaffte Arzt im Praktikum.
Für alle die in dieser Thematik noch nicht ganz so sattelfest sind wie Frau Nonnenmacher. Das Studium in Polen und in Deutschland sind vom Aufbau und Inhalt gleich. 5 Jahre graue Theorie, aufgelockert durch ein paar unbezahlte Famulaturen in den Sommermonaten und als Finale das einjährige PJ.

Da die polnischen Behörden der Auffassung sind, dass Ihre Studenten finanziell und psychisch danach noch nicht ausreichend ausgebeutet werden, wurde ein 13-monatiges Arzt im Praktikum eingeführt. Bis Sommer letzten Jahres wurde dies von deutschen Behörden zur Anerkennung nicht verlangt. Das hat sich nun geändert. Daher der Frust.

Noch mehr Frust kommt auf, wenn man Sätze wie diese lesen muss:

Polen müsse der EU-Kommission und damit allen EU-Mitgliedsstaaten klar und unmissverständlich bescheinigen, dass nach polnischer Auffassung weder die Absolvierung des LEK noch des Staz für die uneingeschränkte Berechtigung zur Ausübung des ärztlichen Berufes Voraussetzung sei.

Den anscheinend muss Polen der EU erklären was bereits alle Nachbarländer verstanden haben: Weder das Staz noch das LEK sind eine Voraussetzung dafür um sein Diplom innerhalb Europas anzuerkennen.

Wenn man dann nach 5 Monaten gesagt bekommt, dass man hart an einer Lösung arbeite, dann kommen einem die guten, alten Euphemismen der Grundschulzeit in den Sinn: Die Ämter erledigten Ihre Aufgaben in der Regel selbstständig. Es wäre schön, wenn sie im nächsten Halbjahr durch mehr Aufmerksamkeit sinnvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten würden.
Avatar #804888
BananaKing
am Donnerstag, 9. Januar 2020, 10:05

Es sollen keine Mühen gescheut werden!

Dieser Artikel könnte einem Hoffnung machen, wenn man nicht wüsste, dass die Wahrheit nicht ganz so optimistisch imponiert.

Von einer vorläufigen Berufserlaubnis, hat heute von den Anwesenden des Gesundheitsausschusses sicher niemand etwas gehört.
Auch, dass man an einer schnellen Lösung interessiert sei, darf bezweifelt werden, wenn man vernehmen muss, dass der Ministerin (selbst Medizinerin) am Vorabend des Ausschusses klar geworden ist, dass es sich beim Staz nicht um das praktische Jahr der deutschen Mediziner handelt, sondern um das Ende 2004 abgeschaffte Arzt im Praktikum.
Für alle die in dieser Thematik noch nicht ganz so sattelfest sind wie Frau Nonnenmacher. Das Studium in Polen und in Deutschland sind vom Aufbau und Inhalt gleich. 5 Jahre graue Theorie, aufgelockert durch ein paar unbezahlte Famulaturen in den Sommermonaten und als Finale das einjährige PJ.

Da die polnischen Behörden der Auffassung sind, dass Ihre Studenten finanziell und psychisch danach noch nicht ausreichend ausgebeutet werden, wurde ein 13-monatiges Arzt im Praktikum eingeführt. Bis Sommer letzten Jahres wurde dies von deutschen Behörden zur Anerkennung nicht verlangt. Das hat sich nun geändert. Daher der Frust.

Noch mehr Frust kommt auf, wenn man Sätze wie diese lesen muss:

Polen müsse der EU-Kommission und damit allen EU-Mitgliedsstaaten klar und unmissverständlich bescheinigen, dass nach polnischer Auffassung weder die Absolvierung des LEK noch des Staz für die uneingeschränkte Berechtigung zur Ausübung des ärztlichen Berufes Voraussetzung sei.

Den anscheinend muss Polen der EU erklären was bereits alle Nachbarländer verstanden haben: Weder das Staz noch das LEK sind eine Voraussetzung dafür um sein Diplom innerhalb Europas anzuerkennen.

Wenn man dann nach 5 Monaten gesagt bekommt, dass man hart an einer Lösung arbeite, dann kommen einem die guten, alten Euphemismen der Grundschulzeit in den Sinn: Die Ämter erledigten Ihre Aufgaben in der Regel selbstständig. Es wäre schön, wenn sie im nächsten Halbjahr durch mehr Aufmerksamkeit sinnvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten würden.
LNS

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