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Medizin

2019-nCoV: Erste Initiativen für Medikamente und Impfstoffe

Freitag, 24. Januar 2020

/Redpixel, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus 2019-nCoV könnte nach Einschätzung von Anthony Fauci schon in einigen Monaten zur Verfügung stehen. Der Leiter des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) sieht im ameri­kanischen Ärzteblatt (JAMA; 2020; doi: 10.1001/jama.2020.0757) auch Möglich­keiten für eine medikamentöse Therapie und die rasche Entwicklung eines Impfstoffes.

Derzeit lässt sich schwer abschätzen, wie sich die 2019-nCoV-Epidemie in den nächsten Wochen entwickeln wird. Rückschlüsse aus den Erfahrungen mit SARS-CoV und MERS-CoV sind nur bedingt möglich, da es erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Viren und vermutlich auch zum 2019-nCoV gibt, das dem SARS-CoV ähnlich sein soll.

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Beide Viren stammen aus dem Tierreich. Das natürliche Reservoir von SARS-CoV und MERS-CoV bilden nach heutigem Kenntnisstand Fledermäuse. Der Überträger von SARS-CoV war vermutlich Paguma larvata, eine auf chinesischen Märkten gehandelte Schleich­katze. MERS-CoV infiziert über die Ausscheidungen von Dromedaren den Menschen.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass auch 2019-nCoV sein Reservoir in Fleder­mäusen hat. Ob die chinesische Kobra oder der vielgebänderte Krait (Bungarus multi­cinctus) der Intermediärwirt sind, wie Wei Ji von der Universität Peking im Journal of Medical Virology (2020; doi: 10.1002/jmv.25682) vermutet, ist spekulativ.

Der Mikrobiologe schließt dies aus Genanalysen. Sie sollen zeigen, dass 2019-nCoV besser auf eine Infektion von Schlangen als auf andere Tierarten angepasst ist. Nachge­wiesen wurde das Virus in den Tieren bisher nicht.

Unterschiede bestehen auch in der Pathogenese. SARS-CoV infiziert die Zellen über einen Rezeptor für das Angiotensin-converting enzyme 2. Die Eintrittspforte von MERS-CoV ist die Dipeptidyl-Peptidase 4. Wie 2019-nCoV in die infizierten Zellen gelangt, ist noch nicht bekannt.

Die unterschiedliche Eintrittspforte erklärt vermutlich, warum bei SARS außer den Atem­wegen nur noch die Leber infiziert wird. Bei MERS werden zusätzlich zu Atemwegen und Leber auch Verdauungsorgane, Urogenitaltrakt, Nieren, Neuronen, Monozyten, T-Lympho­zyten und histiozytische Zelllinien infiziert. Genaue Beschreibungen zur Pathologie von 2019-nCoV fehlen noch.

Die Letalität von SARS lag bei über 10 %. An MERS starben bisher 36 % der Patienten. Infektionen mit 2019-nCoV enden nach derzeitigem Kenntnisstand vermutlich seltener tödlich.

Welche Medikamente gegen 2019-nCoV wirksam wären, ist nicht bekannt. Nach einer aktuellen Studie in Nature Communications (2020; 11: 222) könnte das Breitband-Virostatikum Remdesivir, das Gilead Sciences zur Behandlung von Erkrankungen am Ebola- und Marburg-Fieber entwickelt hat, auch gegen MERS-CoV wirksam sein.

Bei Mäusen verbesserte sowohl die prophylaktische als auch die therapeutische Gabe von Remdesivir die Lungenfunktion. Die Viruslast wurde vermindert und die Lungener­krankungen verliefen weniger schwer.

Die Wirksamkeit war besser als mit einer Kombination aus Lopinavir/Ritonavir plus Interferon beta, die in Tiermodellen ebenfalls vielversprechende Ergebnisse gegen MERS-CoV gezeigt haben. Laut Fauci wird derzeit bereits untersucht, ob die Medikamente auch gegen 2019-nCoV wirksam sind.

Zugelassene Impfstoffe gegen SARS-CoV oder MERS-CoV gibt es derzeit nicht. Die Ent­wicklung von Impfstoffen hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich beschleunigt. Während bei SARS noch 20 Monate vergingen, bis ein Impfstoffkandidat für eine 1. klinische Prüfung zur Verfügung stand, vergingen nach der Vogelgrippe H5N1 von 2006 nur noch 11 Monate. Ein 1. Kandidat gegen die „Schweinegrippe“ H1N1 von 2009 stand bereits nach 4 Monaten zur Verfügung. Beim Zika-Virus von 2016 dauerte es nur 3,35 Monate.

Fauci ist deshalb zuversichtlich, dass Forscher schon bald einen Impfstoff­kandidaten haben werden. Ähnlich optimistisch äußerten sich in den letzten Tagen Vertreter des Unternehmens CureVac aus Tübingen. Virologen der Universität Marburg sind laut Presseberichten ebenfalls an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Lungen-Erreger beteiligt. © rme/aerzteblatt.de

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am Samstag, 25. Januar 2020, 05:45

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