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Politik

Notruf 112: „Mehr Respekt für Helden des Alltags“

Dienstag, 11. Februar 2020

/dpa

Berlin – Zum europäischen Tag des Notrufs 112 haben Politik und Verbände auf die zu­nehmende Gewalt gegen Rettungskräfte und Klinikpersonal hingewiesen. „Immer wieder werden Rettungswagen oder Ersthelfer angegriffen und auch die wichtige Rettungsgasse fehlt immer öfter auf den Autobahnen. Solch ein Verhalten ist unverantwortlich und nicht zu akzeptieren“, sagte der Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut (SPD) in einer Mittei­lung.

„Mehr Respekt und Dankbarkeit gegenüber den Rettern ist eigentlich das Mindeste, was man diesen Helden des Alltags entgegenbringen sollte“, sagte Pierre-Enric Steiger, Präsi­dent der Björn Steiger Stiftung, dem Deutschen Ärzteblatt.

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Seine Stiftung engagiert sich seit mehr als 50 Jahren zum Thema Rettungsdienst. So setz­te sie sich seit den 1970er-Jahren für Notfalltelefone an Bundesstraßen und Autobahnen ein und betrieb diese jahrelang auf eigene Kosten. Sie brachte auch die bundesweite Ein­führung der Notrufnummern 110 und 112 auf den Weg.

„Die zunehmende Gewalt gegen Retter ist erschreckend und scheint leider mehr und mehr zum Spiegelbild einer immer mehr verrohenden Gesellschaft zu werden“, meinte Steiger weiter.

Laut einer Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) 2019 steigen die Zahlen von verbalen oder körperlichen Angriffen auf Rettungs- oder Klinikpersonal in den letz­ten Jahren deutlich an. In 75 Prozent der Krankenhäuser käme es demnach zu Übergriff­en. Pflegekräfte seien überdurchschnittlich häufig betroffen.

Gesetzesverschärfung zum Schutz der Helfer

Aufgrund zunehmender Berichte von Angriffen auf Rettungskräfte und Gewalt gegen Kli­nikpersonal in den vergangenen Jahren wurden die Forderungen nach verschärften Stra­fen lauter. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) kündigte zuletzt Bestrebungen an, das Strafge­setzbuch diesbezüglich verschärfen zu wollen.

Im Oktober 2019 verabschiedete das Bundeskabinett ein Eckpunktepapier zur Bekäm­pfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität im Internet, in dem es auch heißt: „Wir werden den strafrechtlichen Schutz der §§ 113 ff. Strafgesetzbuch auf medizinisches Personal von ärztlichen Notdiensten und in Notfallambulanzen erweitern, um der Gewalt, der sich dieses Personal ausgesetzt sieht, angemessen zu begegnen.“

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lobte damals den Beschluss: „Wir verstehen die angekün­digte Strafrechtsverschärfung auch als eine Solidaritätsadresse der Politik an all jene, die oftmals sogar ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, um anderen Menschen in Not­situa­tionen zu helfen“, erläuterte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt.

Die 112 und die 116117

Seit 1991 ist die 112 europaweit erreichbar, seit Ende 2008 auch gebührenfrei. Der Tag des Notrufs zum alljährlichen symbolischen Datum des 11. Februars wurde 2009 gestar­tet, um die Bekanntheit der Nummer zu verbessern. Sie ist in vielen Ländern der EU die Hauptnot­rufnummer, in anderen ergänzt sie die nationalen Nummern. Weitere Länder – wie Kanada und die USA – verwenden eine Umleitung zu ihren nationalen Rettungs­diens­ten.

Zudem gibt es seit 2012 den deutschlandweiten ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117. Hier beantwortet medizinisch geschultes Personal Fragen – seit 2020 auch rund um die Uhr – und leitet Patienten an den sinnvollen nächsten Ansprech­partner weiter, wie einem niedergelassenen Arzt oder einer Rettungsstelle. Dieser Service soll sowohl unnötige Anrufe bei der 112 als auch Wartezeiten in den Rettungsstellen re­duzieren.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), erinnerte an­lässlich des Notruftages an den Unterschied der beiden Nummern: „Mit Fragen zu nicht lebensbedrohlichen Beschwerden können sich Patientinnen und Patienten in Deutsch­land an die jederzeit erreichbare Telefonnummer 116 117 wenden“, erklärte sie. Im Not­fall solle man jedoch immer die Notrufnummer 112 wählen.

Seit 2018 ist in der EU auch die Ortung von Anrufern mit dem quelloffenen Standart Advanced Mobile Location (AML) vorgeschrieben. Durch diese Technologie erhalten die Leitstellen direkt eine metergenaue Standortangabe des Anrufers, auch wenn dieser die Standortdienste seines Mobiltelefons deaktiviert hat. Die Positionsdaten werden aus Datenschutzgründen nach 60 Minuten gelöscht.

Nach Angaben der Björn Steiger Stiftung arbeiten seit der Einführung in Deutschland im Oktober 2019 bereits rund 170 der 241 Leitstellen mit dem AML-System. Damit erreiche man 79 Prozent der Bevölkerung, heißt es in einer Mitteilung.

Doch das reiche nicht: Grade wenn Kinder einen Notruf absetzen oder ein Unfallopfer kei­ne genauen Angaben machen kann, sei AML essenziell für die optimale Einsatzsteuerung, betonte Stiftungspräsident Steiger. Die Stiftung entwickelte bereits 2006 eine Ortungs­plattform, über die jede Leitstelle kostenlos die Handys der Anrufer orten konnte.

„Bis Ende 2020 brauchen wir die flächendeckende Abdeckung von 100 Prozent, um wirk­lich optimale Versorgung im Ernstfall garantieren zu können“, sagte er. © jff/aerzteblatt.de

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