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Medizin

Covid-19: Asymptomatische Patienten mit negativem PCR können Virus übertragen

Mittwoch, 26. Februar 2020

/bakhtiarzein, stock.adobe.com

Zhengzhou/Henan – Ein Cluster, über den chinesische Mediziner im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; doi: 10.1001/jama.2020.2565) berichten, verdeutlicht, warum eine Ausbreitung des neuartigen Sars-CoV kaum aufzuhalten ist. Nach einem Situationsbericht von China CDC treten die meisten Todesfälle bei älteren Menschen mit Begleiterkrankungen auf (JAMA 2020; doi: 10.1001/jama.2020.2648).

Die 20-jährige Frau (Patientin 1) war am 10. Januar von Wuhan nach Anyang gereist. Sie hatte dort bis zum 13. Januar Kontakt mit 2 Personen, die am 23. und 26. Januar an Covid-19 erkrankten. Am 13. Januar besuchte sie mit 3 weiteren Verwandten einen Patienten im Krankenhaus, wo es zu diesem Zeitpunkt noch keine bekannten Covid-19-Fälle gab. Eine der 3 Verwandten erkrankte bereits am 17. Januar, die anderen beiden am 25. Januar.

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Zu diesem Zeitpunkt war die Patientin 1, die aller Wahrscheinlichkeit nach die anderen 5 Patienten angesteckt hat, ohne Symptome. Ein erster PCR-Test am 26. Januar fiel negativ aus. Erst ein 2. Test am 28. Januar war positiv. Die junge Frau fühlte sich auch später (bis zum Stichtag 11. Februar) völlig gesund. Wie ein Team um Meiyun Wang von der Universität in Zhengzhou in der Provinz Henan berichtet, waren 2 Thorax-CTs am 27. und 31. Januar unauffällig. Auch die Laborwerte (CRP 0,69 mg/l, Lymphozyten 1,55 x 10 hoch 9) lieferten keine Anzeichen für eine Erkrankung. Die Frau könnte das Virus über 18 Tage (von 10. bis 28. Januar) ausgeschieden haben, ohne dass dies medizinisch erkennbar war. Es bleibt allerdings möglich, dass der erste Labortest falsch-negativ war und dass frühere Tests positiv ausgefallen wären. Die Entscheidung der Ärzte, die Frau nach der Erkrankung trotz fehlender Symptome zu isolieren, hat sich jedenfalls als richtig erwiesen.

In einem weiteren Beitrag gibt Zunyou Wu von der zentralen Gesundheitsbehörde („China CDC“) in Peking einen Überblick über die ersten 72.314 Fälle. Die meisten Patienten sind zwischen 30 und 79 Jahre alt (87 %), 1 % war 9 Jahre oder jünger, 1 % war 10 bis 19 Jahre alt und 3 % waren 80 Jahre oder älter.

Die Case-Fatality-Rate beträgt in China insgesamt 2,3 % (1.023 Todesfälle unter 44.672 bestätigten Fällen). In der Gruppe von 9 Jahren und jünger traten keine Todesfälle auf, im Alter von 70 bis 79 Jahren starben 8,0 % und im Alter ab 80 Jahren 14,8 % der Erkrankten.

Höhere Case-Fatality-Rate bei Begleiterkrankungen

Begleiterkrankungen erhöhten das Sterberisiko. Die Case-Fatality-Rate betrug bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen 10,5 %, bei Diabetikern 7,3 %, bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen 6,3 %, bei Patienten mit Bluthochdruck 6,0 % und bei Krebspatienten 5,6 %.

Der Anteil des Gesundheitspersonals an den Infizierten war 3,8 %: Von 1.716 Personen sind 14,8 % schwer erkrankt. Es kam laut Wu bisher zu 5 Todesfällen beim Gesundheitspersonal.

Bis zum 11. Februar haben die chinesischen Behörden 1.183 Cluster identifiziert, von denen 88 % aus 2 bis 4 Personen bestanden. 64 % der Cluster sind innerhalb von Familien aufgetreten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #812634
colombeli
am Freitag, 28. Februar 2020, 19:54

Erhöhte Rate schwerer Erkrankungen bei medizinischem Personal

Uns ist im Artikel die erhöhte Rate schwer erkrankter Personen unter dem betroffenen medizinischen Personal aufgefallen. Wie erklärt sich diese? Bzw. Ist diese Rate für die Altersgruppe typisch (die Rate der schwer erkrankten wurde nur für diese Gruppe beziffert)?
Avatar #760232
penangexpag
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 05:15

Effizienz und Effektivität sämtlicher Quarantäne-Maßnahmen

In der Tat werden die - vor dem geschilderten Hintergrund - fraglich. Wie immer gibt es keine Gewißheiten, nur Wahrscheinlichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, daß primäre Labortests falsch negativ waren/sind, schätze ich wegen des enormen Quantitätsproblems aber nicht gering ein. Daher würde man in der aktuellen Lage doch lieber auf Quarantänemaßnahmen nicht verzichten, nicht zuletzt aus psychologischer Sicht. Die Protektionsphase (im Sinne des Katastrophenschutzplanes) dürfte überschritten sein. Somit befinden wir uns in der Mitigationsphase - und da sollte man alles unternehmen, was eben "mindern" könnte. Das Problem dürfte die Abwägung des dabei Erreichbaren gegenüber den wirtschaftlichen und funktionellen Folgen sein. Die Frage ist, ob wir Algorithmen haben, mit denen solche Abwägungen versucht werden können.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 26. Februar 2020, 19:34

Effizienz und Effektivität

Damit stehen aber auch Effizienz und Effektivität sämtlicher Quarantäne-Maßnahmen zur Disposition.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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