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Medizin

Gendefekte in der Haut erhöhen Neurodermitis-Risiko im Säuglingsalter

Montag, 25. Mai 2020

/S.Kobold, stock.adobe.com

Brighton/England − Defekte im Gen für das Protein Filaggrin, einem wichtigen Bestandteil der Haut- und Schleimhautbarriere, fördern offenbar bereits im Säuglingsalter die Entwicklung von Ekzemen und Beschwerden der Atemwege. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of Allergy and Clinical Immunology (2020; DOI: 10.1016/j.jaci.2020.02.036).

Filaggrine („filament aggregating protein“) werden in den Keratinoszyten der Haut und der Nase gebildet. Sie vernetzen die Keratinfasern und verstärken damit die Barriere­funktion der Haut. Eine Störung dieser Barriere gilt als prädisponierender Faktor für allergische Erkrankungen, weil Antigene leichter in die Haut eindringen und eine Sensibilisierung anstoßen können.

In den letzten Jahren wurden Mutationen im Filaggrin-Gen schon mehrfach mit einem erhöhten Risiko auf Ekzeme und auch auf Asthmaerkrankungen in Verbindung gebracht. Die Studien wurden jedoch meist an älteren Kindern durchgeführt. Ein Team um Somnath Mukhopadhyay von der Brighton and Sussex Medical School kann jetzt in einer größeren Beobachtungsstudie zeigen, dass das Erkrankungsrisiko bereits im Säuglingsalter ansteigt.

Die Forscher haben die Daten der „GO-CHILD“-Studie ausgewertet, die 2.312 Frauen in England und Schottland während der Schwangerschaftsvorsorge rekrutiert hat und seit der Geburt den Gesundheitszustand von Müttern und Kindern regelmäßig überprüft.

Im Alter der Kinder von 6, 12 und 24 Monaten wurden die Mütter postalisch zu möglichen allergischen Symptomen befragt. Die Antworten wurden zu den Ergebnissen einer genetischen Analyse des Nabelschnurbluts in Beziehung gesetzt. In den Blutzellen der Neugeborenen wurde nach häufigen Varianten im Filaggrin-Gen (R501X, 2282del4, S3247X und R2447X) gesucht, die die Entwicklung von späteren allergischen Erkrankungen begünstigen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Probleme bereits in den ersten Lebensmonaten beginnen. Kinder, die auf eines der genetischen Merkmale heterozygot oder homozygot waren (was auf einen Defekt im Filaggrin-Protein hindeutet), litten bereits im Alter von 6 Monaten häufiger an Ekzemen, was in dem Alter häufig als Neurodermitis bezeichnet wird.

Mukhopadhyay ermittelt ein relatives Risiko (RR) von 1,82, das mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 1,39 bis 2,39 signifikant war. Noch häufiger gaben die Mütter eine trockene oder juckende Haut an (Odds Ratio OR 2,71; 1,61 bis 4,55). Keuchende Atemgeräusche („wheezing“) traten ebenfalls häufiger auf (RR 1,63; 1,00 bis 2,65), ebenso eine Rhinitis (RR 1,46; 1,06 bis 2,01).

Im Alter von 1 Jahr waren die Filaggrin-Mutationen weiterhin mit einem höheren Risiko auf ein Ekzem (RR 1,80; 1,39 bis 2,32) und trockener oder juckender Haut (OR 2,28; 1,32 bis 3,92) verbunden. Die Assoziationen mit Keuchen und Rhinitis waren dagegen nicht mehr signifikant.

Ähnlich waren die Ergebnisse im Alter von 2 Jahren: Das Risiko auf Ekzeme (RR 1,40; 1,00-1,97) war erhöht und die Kinder hatten häufiger eine trockene oder juckende Haut (OR 1,83; 1,02 bis 3,28). Eine Verbindung zum Keuchen oder zur Rhinitis bestand nicht mehr.

Da die Mutationen im Filaggrin-Gen häufig sind, könnte sich eine Untersuchung des Nabelschnurbluts lohnen, findet Mukhopadhyay. Die Mütter wären dann vorgewarnt und könnten rechtzeitig die Hautpflege der Säuglinge intensivieren.

Ein echter Nutzen wäre allerdings erst zu erwarten, wenn die Ergebnisse des Gentests eine gezielte Therapie der Neurodermitis veranlassen könnten, die die Filaggrin-Funktion wieder herstellt. Eine solche Therapie gibt es derzeit allerdings nicht. © rme/aerzteblatt.de

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