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Medizin

COVID-19: Beteiligung des Gehirns kann Schlaganfälle und Psychosen auslösen

Montag, 29. Juni 2020

/zakalinka, stock.adobe.com

Liverpool – Riech- und Geschmacksstörungen sind nicht die einzigen neurologischen Symptome von COVID-19. Eine Umfrage unter britischen Ärzten in Lancet Psychiatry (2020: DOI: 1010.1016/S2215-0366(20)30287-X) ergab, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 auch das Gehirn angreifen kann. Neben zerebrovaskulären Komplikationen wie einem Schlaganfall wurden auch psychiatrische Symptome, etwa eine Psychose, beobachtet.

Dass Coronaviren das Gehirn infizieren können, wurde bereits bei der ersten SARS-Epidemie und auch bei Patienten mit dem „Middle East Respiratory Syndrome“ (MERS) beobachtet. Nach einer kürzlich veröffentlichten Meta-Analyse kommt es in der akuten Phase von SARS und MERS häufig zu Verwirrtheit, depressiven Verstimmungen, Angst, Gedächtnisstörungen und Schlaflosigkeit. Hinzu kann eine Steroid-induzierte Manie und Psychose kommen. Viele Symptome halten in der Erholungsphase an, und einige Patienten leiden langfristig unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (Lancet Psychiatry 2020; 7: 611-627).

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Schon bald nach dem Beginn der SARS-CoV-2-Epidemie in China gab es Berichte über schwere neuropsychiatrische Symptome bis hin zur Meningoenzephalitis. Dies hat mehrere britische Fachgesellschaften bewogen, frühzeitig Informationen zu den neurologischen und psychiatrischen Komplikationen zu sammeln.

In der Plattform CoroNerve.com konnten Ärzte Daten zu auffälligen Patienten angeben. In der exponentiellen Phase der Epidemie vom 2. bis zum 26. April wurden 153 Fälle gemeldet. Alle Patienten erfüllten die klinische Falldefinition einer COVID-19.

Wie das Team um Benedict Michael von der Universität Liverpool mitteilt, waren die Patienten zwischen 23 und 94 Jahre alt. Von den 125 Patienten, für die vollständige klinische Datensätze vorlagen, hatten 77 (62 %) ein zerebrovaskuläres Ereignis erlitten.

Darunter waren 57 Patienten (74 %) mit einem ischämischen Schlaganfall, 9 Patienten (12 %) mit intrazerebralen Blutungen und 1 Patient (1 %) mit einer Vaskulitis.

Bei 39 der 125 Patienten (31 %) wurden psychiatrische Veränderungen dokumentiert. Darunter waren 9 Patienten (23 %) mit einer nicht näher bezeichneten Enzephalopathie und sieben Patienten (18 %) mit Zeichen einer Enzephalitis.

Bei den übrigen 23 Patienten (59 %) wurden Veränderungen des mentalen Zustands beobachtet, die die Kriterien einer psychiatrischen Diagnose erfüllten. Darunter waren 10 Patienten mit einer neu einsetzenden Psychose, 6 Patienten mit neurokognitiven (Demenz-ähnlichen) Störungen und 4 Patienten mit einer affektiven Störung.

Die Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen waren zu 49 % jünger als 60 Jahre alt, während die zerebrovaskulären Ereignisse zu 82 % bei Patienten im Alter von über 60 Jahren auftraten.

Da es sich um Spontanmeldungen handelt, kann die Studie keine Aussagen über die Häufigkeit der Störungen machen. Den Ärzten rät Michael jedoch während der derzei­tigen COVID-19-Pandemie bei Patienten mit akuten neurologischen und/oder psychiatrischen Symptomen an die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu denken. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #772075
Floxie16
am Dienstag, 30. Juni 2020, 09:07

Wenn die Psychosen mal nicht...

...eine Nebenwirkung der oft verabreichten Fluorchinolon Antibiotika, wie Moxifloxacin, bei Sekundärinfektionen oder rein prophylaktischer Gabe sind.
LNS

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