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Ärzteschaft

„Kompliziert und nervig sind die immer neuen Codierungen und Abrechnungs­modalitäten.“

Freitag, 23. Oktober 2020

Berlin – Mangelnde Ausstattung mit Schutzausrüstung, an das Infektionsgeschehen anzupassende Praxisabläufe, sich nahezu im Wochenrhythmus ändernde regulative Vorgaben, Bürokratiebelastung und eine unsichere wirtschaftliche Situation der eigenen Praxis – all dies prasselte in der Hochphase der SARS-CoV-2-Pandemie auf die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ein.

Trotz der ungewohnten und widrigen Umstände wurde die ambulante Versorgung flexibel und schnell angepasst, Patientenströme gelenkt, Informationspolitik betrieben sowie spezielle Infektionssprechstunden und Testzentren eingerichtet. Mit Erfolg: Die ambulanten Versorgungsstrukturen haben maßgeblich zur bisher vergleichsweise gut gelungenen Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland beigetragen.

Zu den Herausforderungen, Erfahrungen und Zukunftsausblicken führte das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) ein Gespräch mit Matthias Ullrich.

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5 Fragen an Matthias Ullrich, Hausarzt in Großbreitenbach

DÄ: Wie erleben Sie die ärztliche Versorgung in Zeiten der Coronapandemie?
Matthias Ullrich: Hier auf dem Land ist die hausärztliche Versorgung weiterhin hervorragend und völlig unein­geschränkt. Es gibt einige logistische und organisa­torische Umstellungen, die aber bei dem derzeitigen Krankenstand noch problemlos zu meistern sind.

Kompliziert und nervig sind die immer neuen Codierungen und Abrechnungsmodalitäten.

DÄ: Wie gut lief in Ihrer Region der Aufbau von speziellen Testeinrichtungen und Versorgungsangeboten?
Ullrich: In meiner Region, insbesondere mit der Quaran­täne eines ganzen Ortes, kamen der Aufbau, die Versorgung der Patienten und die Errich­tung von Testzentren nur sehr schleppend in Gang. Hätten wir in der Praxis nicht vorge­sorgt und uns schon lange vorher Schutzausrüstung besorgt, wäre eine Woche die Versor­gung nicht möglich gewesen.

Mit Mut und Fleiß, der Unterstützung durch unser Labor, dem Gesundheitsamt, der Feuer­wehr und den Rückhalt in der KV mit Frau Dr. Rommel, konnten wir sofort ab Beginn der Pandemie und der Quarantäne von Neustadt uneingeschränkt testen und die Patienten versorgen.

DÄ: Was erwarten Sie für den Herbst und Winter?
Ullrich: In diesem Herbst und Winter werden wieder viele Erkältungskrankheiten auf­treten, vielleicht auch ein paar schwer kranke und vor allem ältere Patienten zusätzlich leiden und sterben, aber den viel größeren Schaden machen Angst, Verunsicherung, Denunziationen, wirtschaftliche Einbrüche und der ideelle Verfall der jungen Menschen.

DÄ: Gibt es Aspekte, die Ihnen besondere Sorgen bereiten?
Ullrich: Sorgen bereiten mir die enormen und sinnlosen Kosten für unser Gesundheits­wesen mit unnötigen Tests, Vorhalten teurer Intensivmedizin und dem Aussetzen anderer wichtigerer medizinischer Maßnahmen.

Sorgen bereiten mir die Panikmache mit Zahlen von Infizierten, dass kritiklos jeder beatmet werden soll, egal wie alt und schlecht beschaffen er vor der Infektion war. Der Verlust des gesunden Menschenverstandes und der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Aber auch, dass staatliche Hilfsmaßnahmen, zum Beispiel Kurzarbeitergeld schamlos ausgenutzt werden.

DÄ: Was wünschen Sie sich von der Politik?
Ullrich: Ich wünsche mir von der Politik Augenmaß, abgestimmte und gut überlegte Entscheidungen mit Sachverstand. Nicht vor dem Virus weglaufen. Ihm die Stirn bieten, die Menschen aufrufen, sich gut einstellen zu lassen. Es sind vor allem Hypertonie, Diabetes, Herzinsuffizienz, Asthma und COPD.

Wir haben das beste Gesundheitswesen der Welt, dies zeigt sich in den Todesfällen, schleifen wir dieses nicht mit sinnlosen Kosten, sondern stärken auch weiterhin die Gesundheit aller Menschen. Überlegen, bevor man etwas in die Öffentlichkeit posaunt, Abwägen von Maßnahmen im Hinblick auf Aufwand, Schaden und Nutzen.

Fragt die älteren, ob sie eingesperrt sein wollen oder ihre Enkel sehen dürfen, auch wenn das ein Risiko wäre. Hört mit der Testung unauffälliger, gesunder Menschen auf. © aha/aerzteblatt.de

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