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Medizin

Empathie setzt sich aus vielen Einzelfaktoren zusammen

Mittwoch, 6. Januar 2021

/Thomas, stock.adobe.com

Leipzig – Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist neurowissenschaftlich betrachtet keine Einzelfähigkeit, sondern setzt sich aus vielen Faktoren zusammen, die sich je nach Situation unterscheiden.

Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gemeinsam mit Forschern der Universität Oxford im Fachmagazin Psychological Bulletin (2020; DOI: 10.1037/bul00003).

Die Wissenschaftler unterscheiden zunächst zwischen „Empathie“ und der Fähigkeit zur Perspektiv­übernahme. „Das Gehirn besitzt zwei allgemeine Fähigkeiten für das Manövrieren in der sozialen Welt. Die Empathie ist gefühlsbasiert und hilft uns, an den Emotionen des anderen teilzunehmen.

Die zweite, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, ist ein komplexer Denkprozess, der dazu dient, sich die Umstände des anderen vorzustellen und darüber nachzudenken, was diese Person denken könnte“, erklärt Philipp Kanske, früher Forschungsgruppenleiter vom MPI und der Technischen Universität Dresden. Diese beiden abstrakten Fähigkeiten zum Eindenken und Einfühlen in Andere setzten sich wiederum aus verschiedenen Bausteinen zusammen, so der Neurowissenschaftler.

Die Forscher haben die Zusammenhänge dieser Faktoren durch eine großangelegte Metaanalyse untersucht. Darin identifizierten sie zum einen, welche Gemeinsamkeiten sich bei 188 untersuchten Einzelstudien in der Magnetresonanztomografie (MRT) zeigten, wenn sich die Teilnehmer ihrer Empathie oder Perspektivübernahme bedienten – um so für jede der beiden sozialen Kompetenzen die Kernre­gionen im Gehirn zu lokalisieren.

Sie erfassten zudem, worin sich die MRT-Muster je nach konkreter Aufgabe unterschieden und welche demzufolge jeweils zusätzlich herangezogene Hirnregionen sind. „Beide Gesamtkompetenzen werden jeweils von einem auf Empathie oder Perspektivwechsel spezialisierten ‚Hauptnetzwerk‘ im Gehirn verarbeitet, die in jeder sozialen Situation aktiviert werden, ziehen aber je nach Situation zusätzliche Netzwerke hinzu“, so Kanske.

Lesen wir die Gedanken und Gefühle anderer Menschen beispielsweise von deren Augen ab, seien andere Zusatzregionen beteiligt, als wenn wir sie aus deren Handlungen oder aus einer Erzählung erschließen müssen. „Das Gehirn kann so sehr flexibel auf die einzelnen Anforderungen reagieren“, berichten die Forscher.

Sozialen Probleme erfordern laut den Forschern oft eine Kombination aus Empathie und Perspektiv­wechsel. Personen, die besonders sozial kompetent sind, scheinen demnach andere Menschen auf beide Arten zu betrachten, also auf der Grundlage von Gefühlen und auf der von Gedanken.

„Unsere Analyse zeigt aber auch, dass Mangel an einer der beiden Sozialkompetenzen auch bedeuten kann, dass nicht die Kompetenz als Ganzes begrenzt ist. Womöglich ist nur ein bestimmter Teilfaktor betroffen, etwa das Verständnis von Mimik oder Sprachmelodie“, so Kanske. Ein einzelner Test reiche daher nicht aus, um einer Person mangelnde soziale Fähigkeiten zu bescheinigen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #101039
Rittersporn
am Freitag, 18. Juni 2021, 15:24

Mangel an Sozialkompetenz ?

Ihren Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen; meine Frage dazu ist: mein 12 jähriger Enkel (Gym., 7.Klasse) wurde auf AD(H)S untersucht, und ich (als Oma) bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob diese Diagnose die wirklich zutreffende ist. Ich beschäftige mich viel mit dem Thema um mich kundig zu machen über das ADHS-Problem und als einzigen Punkt sehe ich bei ihm eine uns -der Familie -gegenüber oft mangelnde Sozial-bzw Empathiekompetenz. Er hatte im Alter von 5 Jahren einen unglüclkichen Unfall, er stürzte im Schlaf aus einem an sich gut abgesicherten Hochbett mit der Diagnose: Schädelbasisbruch mit anschließender Gehörlosigkeit auf dem linken Ohr. Ihm wurde ein Jahr später ein Cochlea-Implantat eingesetzt. meinem Gefühl nach hatte er sich danach etwas in seinem Verhalten verändert, er schien mir ein bißchen "egoistischer" , was natürlich auch am langen Kranken­haus­auf­enthalt gelegen haben konnte (und unserem Verwöhnen!) Ich hatte dann zufällig irgendwo einen Bericht der Uniklinik Bremen gelesen, daß auch solche Unfälle eine Art von ADHS-Symptomatik bewirken können. Natürlich spielt - meiner Ansicht nach- ebenfalls die nun beginnende Pupertät mit eine Rolle, was sein Verhalten betrifft. Er ist in den Ferien oft bei mir in Bayern und wir unternehmen (vor Corona) gemeinsam jedes Jahr eine längere Auslandsreise, sodaß ich glaube, mir auch ein Urteil darüber bilden zu dürfen was sein soziales Verhalten angeht. Dazu kann ich sagen: "außen", klappt alles wunderbar, auch in der Schule, "innen" (also zu Hause und auch hier in Bayern) manchmal auch flop! ) Das kann natürlich jetzt so viele Ursachen/Gründe haben; was mich nur umtreibt bezüglich der gestellten Diagnose "ADHS" ist: er bekommt das Medikament Elevance und da bin ich mir nicht sicher, ob das für ihn jetzt wirklich notwendig sein kann. Ich überlege, ob es angebracht wäre, die ADHS-Diagnose noch einmal überprüfen zu lassen???
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