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Medizin

SARS-CoV-2: Höhere Einkommensschichten verhalten sich vorsichtiger

Freitag, 15. Januar 2021

/fizkes, stock.adobe.com

Baltimore – Menschen mit hohem Einkommen haben während der Pandemie häufiger ihr Verhalten geändert und auf soziale Distanzierung und Hygienemaßnahmen geachtet. Dies geht aus einer Umfrage unter US-Amerikanern hervor, deren Ergebnisse jetzt im Journal of Population Economics (2021; DOI: 10.1007/s00148-020-00818-x) veröffentlicht wurden.

An der repräsentativen Umfrage hatten Mitte April 1.000 Erwachsene aus 4 Bundesstaaten (Texas, Florida, Kalifornien und New York) teilgenommen. Sie war Teil einer internationalen Studie, die auch in China, Großbritannien, Italien, Japan und Südkorea durchgeführt wurde.

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Die Teilnehmer füllten einen Fragebogen zu ihren Wohn- und Arbeitsverhältnissen und dem Haushalts­einkommen aus. Weitere Fragen betrafen ihre Verhaltensänderungen und ihre Einstellung zu den Maßnahmen dazu. Erfragt wurden 15 verschiedene Verhaltensweisen, die das Infektionsrisiko beein­flussen könnten, vom Händewaschen über eine gesunde Ernährung bis zum Aufenthalt in offenen und geschlossenen Räumen und der Besuch von Familie und Freunden.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Verhalten sehr stark vom Einkommen abhingen. Die Personen im obersten Quintel des Einkommens hatten zu 13 % häufiger angegeben, dass sie grundsätzlich ihr Verhalten geändert hätten. Sie achteten zu 32 % häufiger auf eine soziale Distanzierung, zu 30 % häufiger auf Händewaschen und das Tragen von Masken.

Diese Unterschiede waren laut der Gruppe um Nick Papageorge von der Johns Hopkins University in Baltimore weniger auf unterschiedliche Einstellungen zu den Maßnahmen zurückzuführen. So waren in allen Einkommensgruppen 97 % der Ansicht, dass eine soziale Distanzierung das Ansteckungsrisiko senkt. Zu einer Änderung des Verhaltens kam es jedoch eher in den oberen Einkommensgruppen.

Neben einem Fatalismus in den unteren Einkommensschichten – in den Regionen mit den höchsten Fallzahlen wurde oft am wenigsten auf die Verhaltensregeln geachtet – sieht Papageorge die Ursachen in den schlechteren Wohn- und Arbeitsverhältnissen der unteren Einkommensschichten. Diese hatten in der Regel seltener die Möglichkeit zur Telearbeit. Die Befragten im Homeoffice gaben dann auch zu 24 % häufiger an, dass sie im Allgemeinen auf eine soziale Distanzierung achten.

Personen, die von zu Hause aus arbeiten konnten, hatten in der Regel bessere Wohnverhältnisse. Ihre Wohnungen verfügten häufiger über Terrassen oder Balkone, die einen Aufenthalt im Freien ermög­lichen, ohne die Wohnung verlassen zu müssen. Personen aus Wohnungen mit Terrassen oder Balkonen gaben zu 20 % häufiger an, dass sie im Allgemeinen zu anderen Menschen auf Distanz gehen. Frauen achteten übrigens zu 23 % häufiger auf eine soziale Distanzierung als Männer, obwohl letztere häufiger schwer und tödlich an COVID-19 erkranken.

Einen ähnlichen Widerspruch fand Papageorge bei Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Blut­hochdruck oder Herzerkrankungen. Auch diese Personen achteten weniger auf eine soziale Distan­zierung, obwohl eine Infektion für sie besonders gefährlich ist. Allein die Allergiker scheinen die Pandemie als Signal zu sehen, mehr als bisher auf Hygieneregeln zu achten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 20. Januar 2021, 02:16

Der Anlass aus Ursache des Grundes

Immer wieder werden Korrelationen mit Kausalitäten "verwechselt". Mit dieser Art Wissenschaft lässt sich bekanntlich die Richtigkeit von Astrologie und die Wirkung von Homöopathie "beweisen"...
Korrelationen von A und B können bedeuten
- A und B sind unabhängig, es ist ein reiner Zufall
- A und B haben eine gemeinsame Ursache
- A ist die Ursache von B
- B ist die Ursache von A
Nichts als eine weitere Zahlendreherei wie "das Einkommen steigt mit der Körpergröße" und ähnlicher Unfug.
Solche Veröffentlichungen bringen das DÄ auf Bildzeitungsniveau und sollten einer gewissenhaften Redaktion als Unfug auffallen!
Literaturempfehlung für die Redaktion:
"Der Hund, der Eier legt"
"Der Schein der Weisen"
-
Avatar #861688
Dr. Andreas Skrziepietz
am Montag, 18. Januar 2021, 12:29

Systematischer Denkfehler

Ich denke, es trifft beides zu.
Avatar #795594
Corporesanum
am Samstag, 16. Januar 2021, 10:24

Höhere Einkommensschichten

Man sollte annehmen können, daß dieser Personenkreis sich entsprechend häufiger auch impfen lässt, generell, nicht nur jetzt gegen Covid19. Ist das so? Beim ersten Lockdown haben noch viele Personen beim Einkaufen die HygieneStationen benutzt die fast überall stehen. Bei Rossmann im Besonderen wurden die benutzten Einkaufswagen von den Mitarbeitern sofort desinfiziert bevor diese zur nächsten Inanspruchnahme freigegeben wurden.
Jetzt befinden sich allenfalls noch HygieneStationen zur Händedesinfektion im Eingangsbereich aber die Einkaufswagen sind oft total verdreckt. Zwar desinfiziere ich diesen immer selber, weil ich eine kleine Flasche dabei habe, aber ich habe noch nie jemandem beobachtet, der das auch tut. Auch die Händedesinfektion hat sehr nachgelassen. Und das beste ist die neue Begrüßung per Ellbogen. Erst genau dort hin Husten und Niesen, weil man das inzwischen so gelernt hat. Und dann Ellbogencheck. Wo beobachte ich das am häufigsten? Genau! Bei unseren einkommensstarken Politikern.
Avatar #784542
Castner
am Samstag, 16. Januar 2021, 08:07

Systematischer Denkfehler

Seit Jahren wird mantraartig immer der gleiche Sinnzusammenhang aus den Beobachtungsergebnissen zwischen verschiedenen Parametern und dem Einkommen gezogen: „Reiche“ haben eine bessere Schulbildung, sind gesünder, haben im Leben mehr Chancen .... weil sie eben reich sind. Diese Meinung ist bei uns gesellschaftsfähig und mainstreamtauglich. Nur die wenigsten kommen drauf, die objektiv vorhandenen Unterschiede dahingehend zu interpretieren, dass höhere Einkommen gerade deshalb entstehen, weil sich diese Gruppen anders verhalten, gesundheitsbewusster leben, sich besser bilden. Diese Denkhaltung würde ja die persönliche Verantwortung für sein eigenes Leben in den Fokus bringen und das ist weniger gesellschaftsfähig. Es ist immer einfacher alles auf das „System“ schieben.
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