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Politik

Ministerium prüft Werbeverbot für Krankenkassen im Spitzensport

Montag, 25. Januar 2021

/picture alliance, Marius Becker

Berlin – Den Krankenkassen könnte die Werbung auf Banden und Trikots im Spitzen- und Profisport zu­künftig untersagt werden. Der Referentenentwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat Ver­treter von Vereinen und Verbänden aufgeschreckt.

Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vorgestern darüber berichtet. Der mit dem Datum 2. Dezember 2020 versehene Entwurf befinde sich derzeit „im Stadium der Anhörung“, teilte das Ministe­rium gestern mit.

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Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich laut FAZ gegen die Pläne wehren. Er fordert, den entsprechenden Passus aus der vorgeschlagenen Verordnung zu streichen. Damit würden bestehende Ge­sundheitspartnerschaften zwischen Sport und Krankenkassen gefährdet, jahrelange konstruktive Zu­sammenarbeit zunichte gemacht und der Sport wirtschaftlich empfindlich getroffen, zitierte die Zeitung aus einem DOSB-Brief an Abgeordnete.

Manche großen Krankenkassen fördern Sportverbände und Vereine derzeit mit mehreren Millionen Euro. Das Bundesamt für soziale Sicherung als Aufsichtsbehörde habe aber festgestellt, dass Krankenkassen für die Gesundheitsvorsorge inzwischen weniger ausgäben als für Werbung. Per Gesetz war im Vorjahr bereits die Grundlage dafür geschaffen worden, die Werbemaßnahmen von Kassen zu beschränken.

Diese sollen laut Paragraf 6 des Referentenentwurfs weiter bei Sportveranstaltungen zulässig sein, wenn dabei die Information über die Leistungen der betreffenden Kasse „im Vordergrund“ stehe oder es sich dabei um die „Durchführung einer Präventionsmaßnahme“ handele.

Der Deutsche Handballbund, dessen Nationalmannschaft von der AOK finanziell stark unterstützt wird, hält die Pläne des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums für falsch. Ein Werbeverbot würde den Sport auf allen Ebe­nen treffen, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober der FAZ. Das Geld aus dem Sponsoring der National­mannschaft diene der Entwicklung der Sportart. Man könne vermitteln, dass es um Prävention und Ge­sundheit gehe.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel fürchtet sogar, dass in Zukunft auch ähnliche Beschrän­kungen für Werbemaßnahmen kommunaler Unternehmen oder Sparkassen im Sport gelten könnten. „Dies wäre der Einstieg in eine Debatte, die ich nicht will“, sagte der Vereinschef des Handball-Bundes­ligisten Füchse Berlin der FAZ. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #765340
Mr. Black
am Dienstag, 26. Januar 2021, 14:13

Ein Schritt in die richtige Richtung

Ich habe mich oft gefragt inwieweit ein Sponsoring mit der Erhöhung von Mitgliedsbeiträgen moralisch vereinbar scheint. Es handelt sich bei Fuß- und Handball immerhin um 4,4 Mill. € (1). Selbstverständlich will kein Sportler auf eine einfache Geldquelle verzichten, jedoch um jeden Preis? Sollten die Gelder nicht eher Präventionsprogrammen und einer Beitragsstabilität zugutekommen? Prof. Glaeske, Leiter des "Länger besser leben."-Institutes, brachte es bereits 2019 auf den Punkt. Die Gelder sollten in die Einrichtung von Bewegungsparcours, Beschaffung von Sportgeräten oder Initiierung von nachhaltigen Sportprogrammen investiert werden. Honi soit qui mal y pense.
1. https://www.deutschlandfunk.de/bundesgesundheitsministerium-krankenkassen-vor-werbeverbot.2851.de.html?drn:news_id=1220045
2. https://www.presseportal.de/pm/54458/4187959
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