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Politik

Für die Krankenhäuser wirkt der Lockdown

Dienstag, 26. Januar 2021

/picture alliance, empics, Peter Byrne

Berlin – Der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zufolge geht die Zahl der COVID-19-Patienten in den deutschen Krankenhäusern derzeit kontinuierlich zurück. „Der Lockdown wirkt“, sagte DKG-Hauptge­schäftsführer Georg Baum heute vor Journalisten in Berlin. „Den Zenit bei den Neuaufnahmen haben wir Ende Dezember erreicht.“

Sind in der Woche vor dem 22. Dezember noch 10.725 COVID-19-Patienten zusätzlich in die Kranken­häu­ser aufgenommen worden, sinkt seither diese Zahl. In der Woche vor dem 12. Januar lag sie laut DKG bei 8.197, in der Woche vor dem 19. Januar bei 5.805. „Und auf den Intensivstationen wurde der Scheitel hoffentlich Anfang Januar erreicht“, fuhr Baum fort.

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Der Höchststand in der zweiten Pandemiewelle hat demnach bei bei 5.781 Intensivpatienten gelegen, von denen 3.191 beatmet worden sind. Aktuell werden der DKG zufolge etwa 4.600 COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen behandelt. Zudem gebe es derzeit in Deutschland etwa 100.000 weniger aktiv Infizierte als Mitte Dezember.

Dennoch gebe es für die Krankenhäuser an keiner Stelle eine Entwarnung, erklärte Baum und hob zu­gleich die Bedeutung der Krankenhausmitarbeiter hervor. Es sei nur der ganz besonderen Leistungsbe­reit­schaft der Mitarbeiter zu verdanken, dass das deutsche Krankenhauswesen in dieser Form die Belas­tung durch die Pandemie habe auffangen können. Seit dem 10. März seien in den Krankenhäusern etwa 150.000 COVID-19-Patienten behandelt worden, davon rund 28.000 Intensivpatienten.

Die Impfbereitschaft steigt

Der Krankenstand sei bei den Mitarbeitern der Krankenhäuser 2020 etwas erhöht gewesen, erklärte der ehemalige DKG-Prä­sident und designierte neue DKG-Hauptgeschäftsführer Gerald Gaß. Denn es seien immer wieder Mitarbeiter durch eine Quarantäne ausgefallen. Zugleich habe es jedoch weniger Ausfälle infolge einer normalen Infektionserkrankungen gegeben.

„Und wir sehen eine hohe Bereitschaft der Mitarbeiter, zur Verfügung zu stehen“, sagte Gaß, der zugleich Geschäftsführer des Landeskrankenhauses in Rheinland-Pfalz ist, zu dem acht Krankenhäuser gehören.
„Bei den Mitarbeitern unserer Krankenhäuser sehen wir derzeit eine hohe Impfbereitschaft von etwa 80 Prozent“, erklärte er.

Die Impfbereitschaft sei insbesondere bei Mitarbeitern der Intensivstationen hoch, da diese am eigenen Leib erfahren hätten, was COVID-19 anrichten könne. „Ich nehme keine Impfgegner in nennenswerter Größenordnung wahr“, sagte Gaß. „Die Mitarbeiter haben Fragen, die wir versuchen, ihnen zu beantwor­ten.“ Impfreaktionen habe es bislang nicht gegeben.

DKG will mehr Testmöglichkeiten für Krankenhäuser

Baum zeigte sich angesichts der Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika besorgt. Ein Kran­ken­haus komplett stillzulegen, wie es derzeit mit dem Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin geschehe, dürfe aber nur das letzte Mittel sein.

„Denn, wenn man das mit mehreren Krankenhäusern einer Region machen würde, könnte man irgend­wann die medizinische Versorgung nicht mehr aufrechterhalten“, meinte Baum. Er sprach sich dafür aus, den Krankenhäusern mehr Freiheiten beim Testen von Mitarbeitern und Patienten zu gewähren.

„Die Krankenhäuser müssen selbst entscheiden können, wen sie testen und wie oft“, forderte der DKG-Geschäftsführer. Über PCR-Tests und anschließende Sequenzierungen könnten Virusmutationen dann herausgefunden werden.

Derzeit können Krankenhäuser ihre Mitarbeiter nur testen lassen, wenn das örtliche Gesundheitsamt dies angeordnet hat. Und bei mehrfachen Tests von Patienten gebe es Probleme mit deren Finanzierung durch die Krankenkassen, meinte Baum.

Angesprochen auf Coronaausbrüche in Krankenhäusern sagte Gaß: „In allen Krankenhäusern gibt es Hy­gi­enepläne, die auch eingehalten werden.“ Zu Ausbrüchen komme es unter anderem dann, wenn Mitar­beiter zunächst negativ getestet würden, die sich nach einigen Tagen aber doch als positiv erwiesen.

„In dieser Zeit haben sie das Virus schon weitergegeben“, so Gaß. „Die Mitarbeiter haben nun einmal ein Privatleben. Und auch durch Tests können wir nicht alle Ausbrüche verhindern. Das ist die bittere Wahr­heit.“

Alle Krankenhäuser beteiligen sich an der COVID-Versorgung

Baum und Gaß kritisierten darüber hinaus, dass derzeit nicht alle Krankenhäuser Ausgleichszahlungen für nicht belegte Krankenhausbetten erhielten – obwohl sich faktisch alle Krankenhäuser in Deutschland an der medizinischen Versorgung im Rahmen der COVID-19-Pandemie beteiligten.

„Etwa 1.300 Krankenhäuser melden ihre COVID-Versorgung an das Intensivregister der Deutschen Inter­disziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“, sagte Baum. „Ein Drittel der im Register mel­denden Standorte sind Schwerpunkt- und Maximalversorger. Zwei Drittel sind Häuser der Grund- und Regelversorgung. Diese Häuser behandeln 40 Prozent der COVID-19-Intensivpatienten, darunter 37 Pro­zent der COVID-19-Beatmungspatienten.“

Das ganze System beteilige sich daran, die Belastung aufgefangen, sagte Baum. Die Ausgleichszah­lun­gen würden aber nur an Krankenhäuser geleistet, die in Regionen liegen, in denen die Inzidenz bei den Neuinfektionen bei über 70 liege und die Intensivstationen besonders ausgelastet seien.

„Bis Ende Februar haben sich etwa 100 Prozent der deutschen Krankenhäuser an der COVID-Versorgung beteiligt, aber nur 50 Prozent erhalten die Chance einer finanziellen Unterstützung“, kritisierte Gaß.

DKG fordert Liquiditätshilfe für 2021

Vor diesem Hintergrund forderte Gaß eine sofortige Liquiditätshilfe von der Bundesregierung für alle Krankenhäuser. „Wir fordern für das Jahr 2021 einen Ganzjahresausgleich“, sagte Gaß. Im Unterschied zum Jahr 2020 wollen sich die Krankenhäuser aber dazu verpflichten, gegebenenfalls zu viel gezahlte Leistungen wieder zurückzuzahlen. „Das halten wir für eine faire Lösung für beide Seiten“, sagte Gaß.

Darüber hinaus fordert die DKG, Maßnahmen aus dem ersten Rettungsschirm für das Jahr 2021 wieder einzuführen. So soll der Pflegeentwertgelt, mit dem die Pflegepersonalkosten errechnet werden, weiter­hin bei 185 Euro liegen.

Zudem soll die Quote der Krankenhausabrechnungsprüfungen bei fünf Prozent festgeschrieben werden, die Pflegepersonaluntergrenzen sollen für das Jahr 2021 ausgesetzt werden und die Krankenkassen sollen dazu verpflichtet werden, die Krankenhausrechnungen innerhalb von fünf Tagen zu bezahlen.

„Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat den Krankenhäusern im März 2020 das Versprechen gege­ben, dass kein Krankenhaus durch die Coronapandemie in ein Defizit geraten wird“, erinnerte Gaß. „Wir erwarten weiterhin, dass sich der Minister an dieses Versprechen hält.“

Der DKG-Präsident hält es für „völlig unrealistisch“, für 2021 davon auszugehen, dass die Krankenhäuser die Fallzahlen von 2019 auch nur annähernd erreichen. „Wir werden das Leistungsgeschehen unter er­höh­ten Schutzmaßnahmen fortführen müssen“, sagte er. „Dafür wird es zum Beispiel bauliche Verände­rungen benötigen. Heute haben wir noch Drei- bis Vierbettzimmer, die in einer Pandemie nicht vernünf­tig sind. Zudem brauchen wir mehr Zimmer mit einer Schleusenfunktion.“

Man könne auch nicht von den Mitarbeitern der Krankenhäuser verlangen, die Leistungsmenge bei den planbaren Leistungen nach der Pandemie sofort wieder nach oben zu führen. „Wir müssen unseren Mit­arbeitern zugestehen, halbwegs wieder in eine normale Routine zu kommen“, sagte Gaß. „Wie wir die ausgefallenen Leistungen nachholen werden, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass nicht alle ausgefallenen Leistungen nachgeholt werden können oder müssen.“

„Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Krankenhäuser, die Defizite schreiben, im Jahr 2021 weiter Richtung 40 Prozent oder vielleicht sogar darüber hinaus entwickeln wird“, meinte Baum. „Denn das grundlegende Problem der chronischen Unterfinanzierung des stationären Sektors besteht ja weiter.“

Schon vor der Pandemie sei das DRG-System in der Diskussion gewesen, erinnerte Gaß. „Wir brauchen ein Finanzierungssystem, das stabiler angelegt ist, das mehr Vorhaltekosten refinanziert. Wir werden im Frühjahr ein konkretes Konzept dazu vorlegen.“ © fos/aerzteblatt.de

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