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Politik

Neue Impfstoffe gegen Varianten des Coronavirus in Planung

Mittwoch, 24. Februar 2021

/Matthias Stolt, stock.adobe.com

Berlin – Die Entwicklung der nächsten Impfstoffgeneration gegen COVID-19 benötigt je nach Impfstoff­technologie zwischen sechs Wochen und einigen Monaten. Das sagten Experten gestern bei einem virtu­ellen Gespräch des Science Media Centers.

Derzeit verbreiten sich weltweit neue Varianten von SARS-CoV-2 mit veränderten Eigenschaften. Erste Studien legen nahe, dass die bisher zugelassenen Impfstoffe eine abgeschwächte Wirksamkeit gegen diese Varianten haben. Daher wird nun diskutiert, inwieweit sich die Impfstoffe anpassen ließen, sollte es notwendig werden.

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Bei mRNA-Impfstoffen sei eine solche Umstellung innerhalb von sechs Wochen möglich, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Die Herstellung von Millionen Dosen könne inner­halb weiterer sechs Wochen gestartet werden.

Die Entwicklung angepasster Vektorimpfstoffe brauche länger, weil dafür neue Viren gezüchtet werden müssten, ergänzte die Hamburger Impfforscherin Marylyn Addo bei der Expertenrunde. Sie schätzte die Entwicklungszeit auf etwa drei bis vier Monate.

Bei Biontech sei bereits mit der Forschung begonnen worden, erläuterte der Gründer des Unternehmens, Ugur Sahin. Sein Team führe bereits Untersuchungen zur Anpassung des eigenen mRNA-Impfstoffs BNT162b2 (Handelsname: Comirnaty) durch.

Ständig würden derzeit Blutseren, die mit veränderten Vakzinen behandelt wurden, auf ihre Wirkung ge­gen Virusvarianten überprüft. Mittlerweile seien mehr als 25 Varianten getestet worden, sagte der Bion­tech-Chef. Gegen die Varianten B.1.1.7 und P.1 habe sich dabei eine „gute“ Wirksamkeit gezeigt, bei B.1.351 gebe es „gewisse Abstriche“, die Sahin nicht weiter ausführte.

Anpassung der Impfstoffe noch nicht notwendig

PEI-Präsident Cichutek stellte klar, dass derzeit noch nicht abzusehen sei, wann Anpassungen notwendig würden. Zunächst müsse es darum gehen, den Wechsel der Impfstoffinhalte überhaupt zu ermöglichen. Mit der Zulassung und Produktion der neuen Vakzine sollte dann begonnen werden, „wenn die Effek­tivi­tät der zuge­lassenen Impfstoffe gegen die Virusvarianten stark einbricht“, sagte er.

Diese Effektivität könne mit zweierlei Methoden bewertet werden, so Cichutek weiter. Zum einen ver­glei­che man, wie bei bisherigen Zulassungsstudien, die Ansteckungsraten von Geimpften und einer Pla­cebogruppe. Zum anderen könne die Wirksamkeit indirekt anhand der Antikörper-Titer beurteilt werden.

Denn je mehr Antikörper nach einer Impfung produziert werden, desto weniger falle die Immunität ge­gen neue Varianten ab, erläuterte der Biontech-Gründer Ugur Sahin. Daneben spiele die T-Zell-Aktivität eine entscheidende Rolle, die derzeit genauer untersucht werde. So entstehe aktuell „eine neue Wissen­schaft zur Anpassung der Impfstoffe“, meinte der Onkologe.

Eventuell sei gar keine starke Veränderung des Impfstoffs nötig, vermutete Sahin weiter. Auch durch eine Wirkungsverstärkung könnten unter Umständen bessere Ergebnisse erzielt werden.

„Wir haben gute Tools, um Schritt zu halten mit der Pandemie“, schloss die Infektiologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Wichtig bleibe besonders, das Infektionsgeschehen klein zu halten, „dann gibt es auch weniger Mutationen“, betonte sie. Daher müssten die Impfstoffe auch drin­gend außerhalb der Industrienationen verteilt werden.

Zur Zulassung dieser Impfstoffe der nächsten Generation liefen bereits Gespräche auf EU-Ebene, sagte Cichutek. Voraussichtlich würden sie „keine Neuzulassung“ brauchen, stellte er in Aussicht. Die ange­pass­ten Impfstoffe könnten dann entweder gegen ein anderes, oder gegen ein zusätzliches Virus-Anti­gen wirken.

Bei dem beschleunigten Verfahren müssten sie zeigen, dass sie mindestens genauso viele Antikörper gegen die Varianten erzeugen könnten, wie das Original gegen das Ausgangsvirus, sagte Cichutek. Auch müssten die neuen Impfstoffe mit demselben Verfahren hergestellt werden, wie das Ausgangsprodukt.

Die üblichen Labor- und Tierversuche, ebenso wie die zeit- und kostenaufwendigen großen klinischen Studien mit mehreren Tausend Teilnehmern, würden für die Zulassung voraussichtlich nicht nötig wer­den. © jff/dpa/aerzteblatt.de

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