StudierenNewsMedizinSARS-CoV-2: Sterberisiko von Neugeborenen bei Infektion in der Schwangerschaft nicht erhöht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

SARS-CoV-2: Sterberisiko von Neugeborenen bei Infektion in der Schwangerschaft nicht erhöht

Mittwoch, 24. Februar 2021

/freepeoplea, stockadobecom

London – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft gefährdet das Leben des Kindes offen­bar nicht. Die Rate von Frühgeburten war in einem britischen und einem amerikanischen Patienten­register jedoch erhöht, was laut der Studie in Ultrasound in Obstetrics and Gynecology (2021; DOI: 10.1002/uog.23619) allerdings mit der Entscheidung der Frauenärzte zu einem frühzeitigen Kaiser­schnitt zusammenhängen könnte. Eine leicht erhöhte Müttersterblichkeit könnte Folge der Infektion mit SARS-CoV-2 sein.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat zu Beginn der Pandemie Schwangere und ihre Kinder als Risikogruppe eingestuft. Anlass waren das bekannte Risiko bei einer Grippe und Berichte über schwere Komplikationen bei MERS- und SARS-Erkrankungen in der Schwangerschaft. In der Folge stellte sich jedoch heraus, dass die Bedenken nicht unbedingt begründet waren.

Anzeige

Eine Metaanalyse kam im September zu dem Ergebnis, dass Infektionen in der Schwangerschaft häufig asymptomatisch verlaufen, was allerdings nicht bedeuten muss, dass für die Kinder keine Gefahr besteht, wie die Erfahrungen mit anderen Virusinfektionen (Röteln, Zika) zeigen.

Die Analyse aus 2 Patientenregistern, die gleich zu Beginn der Pandemie in Großbritannien und in den USA eingerichtet wurden, liefert jetzt neue Daten zur Einschätzung des Risikos einer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft.

Das PAN-COVID-Register, das auf eine Initiative des Imperial College London zurück geht, hat die Daten von 1.606 Frauen gesammelt, die während der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren. Da die Testkapazitäten anfangs begrenzt waren, konnten nur 651 Infektionen bestätigt werden. Das SONPM-Register der American Academy of Pediatrics umfasst 2.399 bestätigte Infektionen, von denen 75,9 % asymptomatisch verlaufen waren. Die beiden Register sind deshalb nur bedingt vergleichbar.

Tatsächlich war die Zahl der mütterlichen Todesfälle im US-Register mit 0,17 % niedriger als im britischen Register, in dem 0,5 % der Mütter starben. Die Müttersterblichkeit liegt damit über dem Landes­durchschnitt, den das Team um Christoph Lees vom Imperial College London mit 9,8 Frauen pro 100.000 Schwangerschaften angibt. Lees führt das erhöhte Sterberisiko allerdings allein auf COVID-19 zurück. Schwangere seien bei einer Erkrankung nicht mehr gefährdet als andere Frauen im gleichen Alter.

Auch bei den Kindern kann Lees kein ungewöhnliches Risiko durch die Infektion der Mutter erkennen. Die Neugeborenensterblichkeit lag in beiden Registern bei den bestätigten Infektionen bei 0,3 % und damit nicht über dem landesweiten Durchschnitt. In keinem Fall sei ein neonataler Todesfall auf COVID-19 zurückgeführt worden, schreibt Lees. Auch der Anteil der Kinder, die bei der Geburt für das Gestationsalter zu klein waren (SGA), war mit 8,2 % im britischen und mit 9,6 % im US-Register nicht höher als bei Schwangerschaften ohne SARS-CoV-2-Infektion.

Umso ungewöhnlicher war, dass im britischen Register 12,0 % der Kinder und im US-Register 15,7 % der Kinder vor dem Termin geboren wurden. Der landesweite Durchschnitt in den beiden Ländern liegt bei 7,5 beziehungsweise 10 %.

Eine mögliche Erklärung ist der hohe Anteil von Kindern, die per Kaiserschnitt geholt wurden. In der britischen Kohorte lag der Anteil bei 44,8 % und in der US-Kohorte bei 38,3 %. Lees vermutet, dass sich viele Gynäkologen wegen der Infektion der Mutter aus Sorge um die Gesundheit des Kindes frühzeitig zu einer Sectio caesarea entschlossen. Die Sorge war jedoch meistens unbegründet: Der Anteil der Neuge­borenen, die sich über die Mutter mit SARS-CoV-2 infizierten, betrug in der britischen Studie 2 % und in der US-Studie 1,8 %. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER