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Medizin

SARS-CoV-2: Zahl der präklinischen Herzstillstände ist frühzeitig angestiegen

Montag, 12. April 2021

/pixelfreund, stock.adobe.com

Dallas – Die Zahl der präklinischen Herzstillstände (OHCA) ist in den meisten Städten in den USA und Europa bereits zu Beginn der COVID-19-Welle angestiegen, in der Regel vor einem Lockdown und manchmal sogar, bevor die Epidemie an Fahrt aufnahm.

Notfallmediziner vermuten deshalb in EClinicalMedicine (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.100815), dass die OHCA eine frühe Komplikation der Erkrankung sein kann und die Todesfälle nicht allein auf eine Vermeidungshaltung von kardialen Patienten während des Lockdowns zurückzuführen sind.

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Am 1. März des letzten Jahres wurde in New York City die erste Infektion mit COVID-19 bestätigt. Danach stiegen die Fallzahlen rasch, am 22. März ging die Metropole in den ersten Lockdown. Die Versorgungs­lage in den Krankenhäusern verschlechterte sich zusehends. Viele Patienten mit Herzkrankheiten konnten nicht behandelt werden – oder sie zögerten aus Angst vor einer Infektion einen Notruf hinaus. Dies könnte zu einem Anstieg der OHCA geführt haben. Tatsächlich lag die Zahl der OHCA in der Stadt New York im April 2,5-fach höher als im gleichen Monat der Vorjahre.

Die Zahl der Notrufe war jedoch bereits im März um mehr als 50 % gestiegen, wie die medizinischen Leiter der Rettungsdienste aus 50 US-Städten recherchiert haben. Es kam zu etwa 500 mehr OHCA als in den Jahren davor. In der gleichen Zeit wurden in den gesamten USA weniger als 5.000 Todesfälle an COVID-19 gemeldet.

Ähnliche Entwicklungen gab es in den anderen Metropolen des Landes und in Europa etwa in Paris und Mailand. Auch in London, wo erst im April die Erkrankungszahlen explodierten, war im März ein Anstieg der OHCA erkennbar, obwohl die Todesfälle durch COVID-19 noch gering waren.

Die „Metropolitan EMS Medical Directors Global Alliance“ um Paul Pepe, Dallas, vermutet deshalb, dass ein Herzstillstand nicht nur als Komplikation einer längeren schweren COVID-19 auftreten, sondern in der Frühphase der Infektion möglich ist. Sie halten es für denkbar, dass ein OHCA die 1. Manifestation der Erkrankung ist.

Dies würde bedeuten, dass die Gesamtzahl der Todesfälle an COVID-19 nach oben revidiert werden müsste. Denn in den wenigsten Fällen wurden Patienten mit OHCA auf SARS-CoV-2 getestet. Zu Beginn der Pandemie lag dies an den fehlenden Tests, später wurde im Fall eines Todes selten ein PCR auf SARS-CoV-2 durchgeführt.

Todesfälle sind beim OHCA häufig. Die meisten Menschen überleben einen Herzstillstand außerhalb einer Klinik nicht. Während der Pandemie ist die Sterberate sogar gestiegen, berichtet Pepe. Der Notfall­mediziner führt dies auf einen höheren Anteil von nicht-schockbaren OHCA zurück, die offenbar nicht die Folge einer ventrikulären Arrhythmie, sondern eines Pumpversagens waren.

Dieses Pumpversagen könnte eine direkte Folge der Infektion der Endothelien oder auch der Gerin­nungs­störung oder der Mikro- und Makrothrombosierungen sein, zu denen es bei Infektionen mit SARS-CoV-2 kommen kann. © rme/aerzteblatt.de

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