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Medizin

Studie: Wie mehr Pflegepersonal die Krankenversorgung verbessert und dabei Kosten einspart

Freitag, 14. Mai 2021

/picture alliance, dpa-Zentralbild

Philadelphia – Ein behördlich verordneter Pflegeschlüssel, der die Zahl der von einer Pflegekraft betreuten Patienten tagsüber auf 4 und nachts auf 7 begrenzt, hat in Kliniken des australischen Teilstaats Queensland zu einem Rückgang der Todesfälle und der Wiederaufnahmen sowie zu einer Verkürzung der Liegezeiten geführt und am Ende vielleicht sogar die Kosten gesenkt, wie eine im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00768-6) veröffentlichte Studie zeigt.

Der Pflegeschlüssel ist ein beliebter, weil einfacher Hebel für Kosteneinsparungen im Gesundheits­wesen. Die Reduktion des Personals entlastet unmittelbar das Budget, wobei die Klinikleitungen hoffen, dass das verbleibende Personal durch eine Optimierung ihres Tagesablaufs die Qualität der Pflege aufrechterhalten kann.

Dabei hatte die RN4CAST-Studie vor 7 Jahren gezeigt, dass jede Erhöhung der Arbeitsbelastung einer Pflegekraft um 1 Patient die Wahrscheinlichkeit, dass ein stationärer Patient innerhalb von 30 Tagen nach der Aufnahme stirbt, um 7 % erhöht. Im gleichen Maße könnte die Sterblichkeit nach der im Lancet (Lancet 2014; DOI: 10.1016/S0140-6736(13)62631-8) publizierten Analyse von 300 europäischen Kliniken übrigens gesenkt werden, wenn die Zahl der Krankenschwestern mit Bachelorabschluss um 10 % gesteigert würde. Da es sich um eine retrospektive Analyse von Krankenhausdaten handelte, die anfällig für Verzerrungen ist, waren Zweifel an den Ergebnissen der Studie möglich.

Ein Team um Matthew McHugh von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia kommt jetzt in einer prospektiven Studie zu dem gleichen Ergebnis. Der australische Teilstaat Queensland hatte im Juli 2016 insgesamt 27 öffentlichen Kliniken einen Pflegeschlüssel auferlegt. Pflegekräfte sollten dort tagsüber nicht mehr mehr als 4 Patienten und nachts nicht mehr als 7 Patienten betreuen.

Ausgewählt wurden offenbar Kliniken mit einer schlechteren Leistung. Denn die Sterblichkeit lag in den Kliniken um 34 % höher als in 28 nicht von der Verordnung betroffenen Kliniken. Die Zahl der in den ersten 7 Tagen wieder aufgenommenen Patienten war um 15 % höher. Die Liegezeiten waren dagegen um 22 % niedriger.

Durch die Einführung des neuen Pflegeschlüssels änderte sich die Situation. Wie McHugh berichtet, ging die 30-Tages-Sterblichkeit der Patienten um 11 % zurück, während sie in den Vergleichskliniken um 7 % anstieg.

Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Aufnahme in den ersten 7 Tagen stieg in den Vergleichskranken­häusern im Laufe der Zeit um 6 % an, während sie in den Krankenhäusern, die an den neuen Pflege­schlüssel gebunden waren, gleich blieb. Die Liegezeiten der Patienten verringerten sich in den Kliniken mit verordnetem Pflegeschlüssel um 9 % gegenüber einem Rückgang in der Vergleichsgruppe um 5 %.

Nach Berechnungen von McHugh senkt eine zusätzliche Pflegekraft in der Klinik die Sterblichkeit der Patienten um 7 % (Odds Ratio 0,93; 0,86 bis 0,99) und die Häufigkeit von Wiederaufnahmen um 7 % (Odds Ratio 0,93; 0,89 bis 0,97). Die Liegezeiten der Patienten gingen pro Pflegekraft um 3 % zurück (relative Inzidenzrate 0,97; 0,94 bis 0,99).

Ohne den verbesserten Pflegeschlüssel wäre es laut McHugh in den 27 Krankenhäusern zwischen 2016 und 2018 zu 145 weiteren Todesfällen sowie zu 255 zusätzlichen Wiederaufnahmen und zu 29.222 zusätzlichen Tagen im Krankenhaus gekommen.

Längere Liegezeiten und Wiederaufnahmen hätten weiteren Berechnungen von McHugh zufolge Mehr­kosten von 67,6 Mio. australische Dollar verursacht. Dem stünden etwa 33. Mio. australische Dollar gegenüber, die die Einstellung von 167 zusätzlichen Pflegekräften gekostet hätte. Der verbesserte Pflege­schlüssel hätte sich demnach für die Kliniken auch wirtschaftlich gelohnt.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die Kliniken mit dem verordneten Pflegeschlüssel nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Die Regierung von Queensland hatte für den Versuch vor allem größere Kliniken ausgewählt, in denen die Morbidität der Patienten höher und die Ausgangs­situation schlechter war. Die Auswirkungen des veränderten Pflegeschlüssels könnten dadurch deut­licher ausgefallen sein, als dies bei einer echten randomisierten Studie der Fall gewesen wäre. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #731782
astridschulze@massai.dk
am Samstag, 15. Mai 2021, 12:52

Wieso kann man von den USA was kopieren ?

Die effektivsten System sind in Skandinavien.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 14. Mai 2021, 22:25

Dummes Zeug von "Sakrileg"?

Der von Ihnen inkriminierte Satz: "Im gleichen Maße könnte die Sterblichkeit nach der im Lancet (Lancet 2014; DOI: 10.1016/S0140-6736(13)62631-8) publizierten Analyse von 300 europäischen Kliniken übrigens gesenkt werden, wenn die Zahl der Krankenschwestern mit Bachelorabschluss um 10 % gesteigert würde" stammt von 2014 und hat mit der aktuellen Sars-CoV-2/COVID-19 Problematik wohl kaum etwas zu tun.

Er besagt schlicht und ergreifend, dass ein zusätzlich qualifizierender akademischer Abschluss nachweisbar die medizinische Versorgungssituation und das klinische Outcome weiter verbessern können.

Was in aller Welt ist daran ein Sakrileg? Legen Sie sich endlich ein weniger schwachsinniges Pseudonym zu. Denn Sie haben Recht, Klartext zu schreiben, wäre viel zu peinlich und entlarvend für Sie.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #794838
Sakrileg
am Freitag, 14. Mai 2021, 21:28

Krankenschwestern

"Zahl der Krankenschwestern mit Bachelorabschluss"...ach, waren die alle weiblich und haben einem Orden angehört?
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