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Ärzteschaft

Hessische Hausärzte wehren sich gegen kommunale MVZ

Freitag, 14. Mai 2021

/dpa

Bad Soden Salmünster – Der Hausärzteverband Hessen hat in einer Resolution vor möglichen Fehlent­wicklungen im Gesundheitswesen gewarnt. Darin sprachen sich die Delegierten einstimmig gegen den Aufkauf von hausärztlichen Praxen durch kommunale MVZ-Träger aus.

Stattdessen müssten Politik, Körperschaften und Kostenträger alles Notwendige tun, um Fehlentwick­lungen zu einem verstaatlichten ambulanten Gesundheitswesen zu unterbinden. Der Aufkauf von hausärztlichen Praxen durch kommunale MVZ-Träger verstößt aus Sicht der Delegierten gegen den Grundsatz der Subsidarität.

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„Wenn die wohnortnahe Hausarztversorgung durch die öffentliche Hand übernommen werden soll, obwohl die angestrebte Sicherstellung aus der Ärzteschaft möglich ist, kommt es zu einer massiven Wettbewerbs­ver­­zerrung“, warnte der Hausärzteverband.

Damit würde auch das Prinzip der wohnortnahen Hausarztversorgung aufgegeben. Ein solches Versor­gungs­konzept lasse für die Nachbesetzungsverfahren der örtlichen Hausarztkollegen keinen Raum mehr für freiberufliche oder ärztlich getragene Versorgungsstrukturen, sondern sei der Einstieg in die Verstaat­lichung der ambulanten Gesundheitsversorgung, so der Verband.

Die Delegierten befürchten einen Verdrängungswettbewerb mit Steuergeldern, der die bewährte hausärztliche Versorgung empfindlich stören könnte. Ein solcher Eingriff in die ärztliche Selbstver­waltung sei nicht akzeptabel. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #823305
RalfK
am Sonntag, 16. Mai 2021, 22:09

Wenn schon MVZ, dann lieber kommunal getragen als börsennotiert

Manchmal erstaunt mich der Hausärzteverband:
Es gibt zunehmend Kolleg:innen die angestellt ambulant tätig sein wollen. Und es gibt an immer mehr Orten Arztsitze, die sich nicht "klassisch" besetzen lassen. Wenn nun die Kommunen diese Sitze nicht qua kommunalem MVZ erhalten dürfen, dann werden sich die "Rhön-AGs" dieser Sitze annehmen. Oder niemand: solche Sitze fallen weg, die verbliebenen Arztpraxen der Umgebung werden zusätzlich belastet.
Will man das wirklich seitens des HÄV?
Avatar #722321
Hennighausen
am Freitag, 14. Mai 2021, 20:50

"tempora mutantur et nos mutamur in illis": eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist

Was die Delegierten sagen, ist von der "Theorie und den Bestimmungen her" richtig. Es entsteht eine Wettbewerbsverzerrung dadurch, dass eine Kommune als Trägerin eines MVZs die Existenz des MVZs durch den kommunalen Haushalt absichert; wenn man aber als freiberuflich tätige Ärztin oder Arzt eine Praxis gründet oder übernimmt, haftet man wirtschaftlich persönlich, z. B. mit dem Eigenheim der Eltern oder Schwiegereltern. In Dithmarschen, an der Westküste Schleswig-Holsteins, wo ich mehr als 20 Jahre als Augenarzt tätig war, hat diese Entwicklung begonnen: Büsum, das als Badeort in einer ansonsten strukturschwachen Region auf eine funktionierende ärztliche Versorgung unbedingt angewiesen ist, hatte nach meinem Kenntnisstand das erste MVZ in kommunaler Trägerschaft, geboren aus der bitteren Not: Die ausscheidenden Ärzte fanden keine Nachfolger mehr für ihre Praxen! Jetzt arbeiten angestellte Ärztinnen und Ärzte in diesem MVZ, und es geht gut! In Lunden, in der Nordermarsch Dithmarschens, ist auch ein derartiges MVZ entstanden und dieses erfolgreiche Konzept wird jetzt auch südlich des Nord-Ostsee-Kanals und sogar südlich er Elbe aufgenommen! Pointiert, aus der Sicht eines normalen Bürgers, eines "einfachen Mannes" gesagt: "Wenn sich nicht genügend Ärzt*innen finden, die die Landbevölkerung versorgen wollen, aus welchen Gründen auch immer, dann muss der Staat/ die öffentliche Hand einschreiten, denn wenn ich krank bin, brauche ich Hilfe, ich zahle Steuern und auch meine Beiträge zur Krankenkasse."
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