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COVID-19-Therapie: Überarbeitete Leitlinie empfiehlt neue Medikamente bei schweren Verläufen

Montag, 17. Mai 2021

/Soni's, stock.adobe.com

Berlin – Die S3-Leitlinie zur stationären Therapie von COVID-19-Patienten ist von den beteiligten Fach­gesellschaften überarbeitet worden. Sie enthält nun erstmals eine Empfehlung zum möglichen Einsatz des Wirkstoffs Tocilizumab, der die Sterblichkeit von schwer kranken COVID-19-Patienten reduzieren kann.

Neu ist außerdem die Option, bei SARS-CoV-2-infizierten Personen, die in einem noch frühen Stadium der Infektion befinden, monoklonale Antikörper einzusetzen. Für die Behandlung von schwer an CO­VID-19 erkrankten Personen empfahl die Leitlinie bislang das Glukokortikoid Dexamethason. Ab sofort kann auch der Einsatz von Tocilizumab erwogen werden.

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Ebenso wie für Dexamethason wurde auch für den aus der rheumatologie stammenden Antikörper eine Sterblichkeitsreduktion mit moderater Sicherheit nachgewiesen

Der Leitlinie zufolge lässt sich ein Nutzen von Tocilizumab „vor allem für sauerstoffpflichtige Patienten ableiten, jedoch nicht für Patienten mit bereits eingeleiteter invasiver Beatmung“. Empfehlenswert sei der Antikörper aber nur, wenn Hinweise für eine systemische Inflammation vorlägen. Die Gabe erfolgt immer in Kombination mit Kortikosteroiden als intravenöse Einmalgabe.

Für die Behandlung schwer erkrankter COVID-19-Patienten ist die neue Empfehlung von großer Bedeu­tung: „Jedes weitere Medikament, das wir zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe einsetzen kön­nen, ist hilfreich. Noch immer ist die Sterblichkeit von auf der Intensivstation beatmeten Patienten hoch“, so Stefan Kluge, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und Koordinator der Leitlinie.

Eine Kann-Empfehlung erhalten in der überarbeiteten S3-Leitlinie monoklonale Antikörper für die Be­handlung hospitalisierter, aber noch symptomloser oder symptomarmer Patienten, mit mindestens ei­nem Risikofaktor für einen schweren Verlauf. Dabei handele es sich beispielsweise um Patienten, die wegen einer anderen Erkrankung stationär behandelt würden und sich in der Klinik mit SARS-CoV-2 infiziert hätten.

Antikörper bei nosokomialen Infektionen einsetzbar

„In einem frühen Stadium der Infektion – wenn noch keine COVID-19-typischen schweren Symptome, wie insbesondere die Atemnot aufgetreten sind – kann bei diesen Patienten eine Therapie mit spezi­fi­schen monoklonalen SARS-CoV-2 neutralisierenden Antikörpern diskutiert werden“, sagte Christoph Spin­ner, Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), der ebenfalls an der Aktualisierung mit­gearbeitet hat.

Die Antikörper können aus Sicht der Mehrzahl der Leitlinienautoren sinnvoll eingesetzt werden, wenn das positive PCR-Test-Ergebnis nicht länger als drei Tage her ist und/oder der Symptombeginn nicht länger als sieben Tage zurückliegt. Laufende Phase-II-Studien weisen auf eine signifikante Reduktion der Viruslast hin – die Antikörper könnten damit helfen, das Risiko für schwere Verläufe zu mindern.

Wichtig sei, so die Leitlinie, bei Risikopatienten wie beispielsweise Immunsupprimierten oder Dialysepa­tienten die Gabe so früh wie irgend möglich durchzuführen, am besten am ersten oder zweiten Tag nach Infektion.

„Wir erwarten insbesondere in den Risikopopulationen eine Senkung der Sterblichkeit durch die Antikör­per, auch wenn die Publikation der endgültigen Daten noch ausstehend ist“, sagte Christian Karagian­ni­dis, Präsident der DGIIN.

Neu in der überarbeiteten Version der S3-Leitlinie ist auch eine Empfehlung zur palliativmedizinischen Behandlung: Sie definiert, welche palliative medikamentöse Behandlung Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen zur Symptombehandlung bei Luftnot, Angst, Rasselatmung oder einem Delir erhalten sollen. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #850553
wichi
am Donnerstag, 20. Mai 2021, 22:27

Ist diese Leitlinie noch ethisch vertretbar?

Es ist unglaublich, dass in dieser Leitlinie die Behandlung mit Vitamin-D immer noch abgelehnt wird, obwohl sie seit längerem vom RKI empfohlen wird.
Es soll noch nicht einmal nachgemessen werden,ob ein Mangel vorliegt. Dabei ist Unbestritten, dass bei schwer an COVID-19 Erkrankten üblicherweise ein sehr niedriger Vitamin-D Spiegel gemessen wird.

Daher stellt sich aufgrund des Ergebnisses der folgenden Studie die Frage:
"Wie soll ein Patient eine COVID-19 Erkrankung überleben, wenn sein Vitamin-D Vorrat während der Erkrankung zur Neige geht und dieser nicht ergänzt wird, aber noch Viren vorhanden sind."

Universität Kopenhagen 2010
"...T-Zellen brauchen unbedingt ausreichende Mengen an Vitamin D im Blut, um in Aktion treten und entsprechend funktionieren zu können..
Sind keine ausreichenden Mengen dieses Vitamins im Blut verfügbar - so die Forscher - blieben die Zellen in einem schlafähnlichen Zustand und seien daher unfähig zur "Aktivierung" und somit zur gezielten Bekämpfung fremder Krankheitskeime. "
https://cordis.europa.eu/article/id/31850-more-sun-means-a-better-immune-system/de

Da sich die verschiedenen Verläufe der COVID-19 Erkrankung, der Befall der Organe und auch Long-Covid mit dem Ergebnis der Studie leicht erklären lassen, liegt es nahe, dass der zur Neige gehende Vitamin-D Vorat im Blut während der Erkrankung dafür verantwortlich ist.

Trotzdem wird eine Behandlung abgelehnt mit Begründungen wie
"In diese Entscheidung wurden...das Vermeiden von Fehlanreizen zur
Selbstmedikation und potentiell schädliche Wirkungen durch Überdosierung einbezogen."
Jeder der Agumente gegen eine Behandlung mit Vitamin-D sucht aber sonst keine findet, kehrt diese aus der Ecke heraus.

Erklären lässt diese "tödliche" Behandlungsempfehlung eigentlich nur durch die darin erwähnten Interessenskonflikte, in der mindestens 80
Pharmafirmen als Geldgeber genannt werden.

Ch. Wiechering
Kiel
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 17. Mai 2021, 18:52

@carina12

Hinsichtlich Vitamin D: Sobald eine Abwehrzelle (T-Zelle) mit einem ihr unbekannten biologischen Eindringling Bekanntschaft macht, wird bei Vorhandensein von Vitamin D eine Kaskade an Reaktionen mit dem Ziel in Gang gesetzt, diese Abwehrzelle in die Lage zu versetzen, biologische Eindringlinge der betreffenden Art zu eliminieren. Gleichzeitig entstehen zahlreiche Kopien dieser Abwehrzelle, die alle dieselbe Eigenschaft aufweisen, nämlich biologische Eindringlinge der betreffenden Art zu eliminieren. Nachzulesen auf dieser Seite: https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/vitamin-d-macht-das-immunsystem-scharf/
Avatar #647134
carina12
am Montag, 17. Mai 2021, 17:15

Dr.med.Ulrich Frohberger

Bin erstaunt, dass in diesem Beitrag nicht das gesamte Therapie-Konzept sowie die Substitution von Vitamin D3 ebenfalls mit positivem Effekt auf die Überlebensrate ergänzend aufgeführt ist. Der Erfolg ist doch selten monokausal einem Medikament zuzuordnen.
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