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Medizin

SARS-CoV-2: 2. indische Variante hat „biologischen Reisepass“ für eine globale Ausbreitung

Montag, 17. Mai 2021

/Sue R Edmondson, stock.adobe.com

London – Die Zahl der Infektionen mit der besorgniserregenden Variante (VOC) B.1.617.2, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde, ist in der letzten Woche in England, das engere Reisekontakte zur ehema­ligen Kolonie hat, von 520 auf 1.313 gestiegen. Die zuletzt befürchtete Ausbreitung der VOC B.1.351 (Südafrika) und P1 (Brasilien) ist dagegen ausgeblieben.

Die britischen Behörden stufen derzeit 5 Varianten von SARS-CoV-2 als VOC („variant of concern“) ein. Dazu gehört seit dem 21. April auch B.1.617.2. Die beiden anderen indischen Varianten B.1.617.1 und B.1.617.3 werden derzeit nur als „variants under investigation“ (VUI) geführt. Dies könnte sich ändern, wenn sich Hinweise auf eine erhöhte Übertragbarkeit, Morbidität oder Mortalität finden sollten. Für B.1.617.1 wurde ein leichter Anstieg der Zahlen verzeichnet, der allerdings gering ist.

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Für B.1.617.2 verzeichnet das jüngste Technical Briefing von Public Health England eine eher ungünstige Entwicklung. Die Zahlen beruhen dabei einmal auf der Sequenzierung des Virusgenoms, die – begüns­tigt durch die insgesamt stark gefallenen Fallzahlen – inzwischen bei mehr als der Hälfte der Infektio­nen durchgeführt wird.

Einen weiteren Hinweis liefert die sogenannte S-Gen-Positivität im PCR. Das S-Gen ist im Routine-PCR 1 von 3 Zielgenen. Bei der Variante B.1.1.7 fällt dieser Teil des Tests negativ aus. Mit der S-Gen-Negativität konnte die Ausbreitung von B.1.1.7 verfolgt werden. Da B.1.1.7 die Epidemie in England zuletzt domi­nierte, ist jetzt eine S-Gen-Positivität ein Marker für B.1.617.2. Derzeit entfallen 93 % aller S-Gen-positiven PCR auf B.1.617.2.

Die Fallzahlen von B.1.617.2. sind zwar gering. Die kumulative Zunahme seit dem ersten Nachweis ist jedoch höher als bei allen anderen VOC oder VUI. Die Case-Fatality-Rate gibt das Technical Briefing mit 0,3 % an. Sie könnte damit deutlich niedriger sein als bei der Variante B.1.1.7, wo die Case-Fatality-Rate 2,0 % beträgt. Die Zahl der Reinfektionen mit B.1.617.2, also der Menschen, die nach einer früheren Erkrankung erneut positiv getestet wurden, ist bisher gering. Derzeit sind nur 2 Fälle bekannt.

Die Häufigkeit von sekundären Infektionen beträgt laut dem Technical Briefing 3,3 % unter den Kontak­ten von Personen, die aus dem Ausland eingereist sind, und 11,5 % unter den Kontakten von Personen mit negativer Reiseanamnese. Die vergleichenden Zahlen für B.1.1.7 sind 1,7% und 10,0 %.

Sharon Peacock von der Universität Cambridge, die Leiterin des „COVID-19 Genomics UK Consortium“, beurteilt die Situation eher ungünstig. Alles deute darauf hin, dass B.1.617.2 einen signifikanten Wachs­tums­vorteil gegenüber B.1.1.7 habe, teilte sie dem Science Media Center in London mit. Es erscheine zunehmend plausibel, dass B.1.617.2 im Laufe der Zeit B.1.1.7 in England als dominierende Variante ersetzen werde, genauso wie B.1.1.7 Ende letzten Jahres andere Varianten ersetzt hat. Die neue hoch übertragbare Variante habe den „biologischen Reisepass“ für eine globale Ausbreitung.

Viel hängt nach Ansicht der Expertin davon ab, ob die Impfstoffe gegen B.1.617.2. wirken. Derzeit deute einiges darauf hin, sicher sei dies allerdings nicht, da die meisten Laborexperimente mit B.1.617.1 durch­geführt wurden, das wichtige genetische Unterschiede zu B.1.617.2 habe. © rme/aerzteblatt.de

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