StudierenNewsMedizinCOVID-19: Ältere Geimpfte können an arterieller VITT erkranken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Ältere Geimpfte können an arterieller VITT erkranken

Donnerstag, 10. Juni 2021

/tussik, stock.adobe.com

Hamilton/Ontario – Auch ältere Menschen können nach einer Coronaimpfung mit einem vektorbasierten Impfstoff eine vakzininduzierte Thrombozytopenie (VITT) erleiden. Kanadische Mediziner stellen im New England Journal of Medicine (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2107051) 3 Patienten vor, bei denen sich die Thrombosen vor allem in den Arterien gebildet hatten. Eine hochdosierte Gabe von intravenösen Immunglobulinen, die inzwischen von den Leitlinien empfohlen wird, hat bei allen Patienten die Thrombozytenwerte innerhalb weniger Tage deutlich gesteigert.

Nachdem die ersten VITT-Fälle vor allem bei jüngeren Personen aufgetreten waren, hatte Kanada den Einsatz von Va­x­ze­vria (AZD1222) auf Personen über 55 Jahre beschränkt. Dies sollte jedoch nicht verhindern, das weitere Fälle auftraten. Die 3 Patienten, deren Fälle ein Team um Ishac Nazy von der McMaster Universität in Hamilton vorstellt, waren 63 bis 72 Jahre alt, als sie 8 bis 18 Tage nach der Impfung einen oder mehrere arterielle Thromben entwickelten. Dies war ungewöhnlich, da in früheren Fällen bei jüngeren Patienten vor allem venöse Thrombosen aufgetreten waren (die bei 2 der 3 älteren Patienten ebenfalls gefunden wurden).

Anzeige

Die arteriellen Thrombosen befanden sich bei der ersten 72 Jahre alten Patientin in der Aorta oberhalb der Abgänge der Nierenarterien und reichten bis in die linke Arteria femoralis. In der Arteria coelica und der rechten Arteria peronea wurden weitere Thromben gefunden. Die arteriellen Thromben wurden soweit möglich chirurgisch entfernt. Venöse Thromben waren bei der Patientin nicht aufgetreten.

Bei dem 2. 63 Jahre alten Patienten war es zu einer arteriellen Thrombose im linken Bein gekommen, das trotz Bergung des Thrombus am Ende amputiert werden musste. Der Patient hatte außerdem Thromben in der Lungenarterie und eine tiefe Venenthrombose in der einen Vena poplitea.

Der 3. Patient hatte aufgrund eines Verschlusses der Arteria cerebri media einen Schlaganfall erlitten. Außerdem waren auf der gleichen Seite der Sinus transversus und der Sinus sigmoideus verschlossen. Hinzu kamen noch Thrombosen in der rechten Vena jugularis interna, der Vena hepatica und in einer distalen Vene der unteren Extremität sowie eine Lungenembolie.

Bei allen 3 Patienten war es zu einer schweren Thrombozytopenie gekommen. Die Diagnose einer VITT wurde bei allen 3 Patienten durch den Nachweis von Antikörpern gegen PF4-Polyanione in einem ELISA gestellt. Zur Bestätigung wurde ein „Serotonin Release Assay“ durchgeführt. Der Test misst die Freisetzung von Serotonin aus den Thrombozyten. Er gilt als Goldstandard für die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT), die vermutlich die gleiche Pathogenese hat wie die VITT.

2 der 3 Patienten waren vor der Diagnose zunächst mit Heparin behandelt worden, was von den Fachgesellschaften – wegen der Ähnlichkeit zur HIT – als kontraindiziert angesehen wird. Nachdem die Diagnose VITT feststand, wurde die Behandlung mit einem anderen Antikoagulans fortgesetzt, das der 3. Patient von Anfang an erhalten sollte.

Die Antikoagulanzien können das weitere Wachstum der Thromben verhindern und diese langsam abbauen. Der immunologische Krankheitsprozess lässt sich damit jedoch nicht stoppen. Die Leitlinien empfehlen eine hochdosierte Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen, die sich bei der HIT bewährt hat.

Bei allen 3 Patienten kam es nach der Infusion der Immunglobuline innerhalb weniger Tage zu einem deutlichen Anstieg der Thrombozyten: Bei der 1. Patientin von 74.000/mm3 auf 114.000/mm3 innerhalb von 2 Tagen und nach 7 Tagen auf 640.000/mm3, beim 2. Patienten von 27.000/mm3 auf 124.000/mm3 innerhalb von 3 Tagen und beim 3. Patienten von 35.000/mm3 auf 125.000/mm3 innerhalb von 3 Tagen.

Alle Patienten überlebten trotz der ausgedehnten Thrombosen die Komplikation. Die 1. Patientin konnte nach Hause entlassen werden, bei dem 2. Patienten stand die Amputation bevor. Der 3. Patient dürfte länger benötigen, um sich von den Folgen der Halbseitenlähmung zu erholen.

Entscheidend für die Prognose der VITT dürften die frühzeitige Diagnose und Behandlung sein. Im Mai berichteten Mediziner aus Wien, wie sie bei einer 62-jährigen Frau durch eine frühzeitige Behandlung die Bildung von Thrombosen verhindern konnten. Die Frau hatte die erhöhte Blutungsneigung infolge der Thrombozytopenie rechtzeitig bemerkt. Sie wurde ebenfalls hoch-dosiert mit intravenösen Immunglobulinen behandelt. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #887521
Bugatti
am Mittwoch, 16. Juni 2021, 21:16

Seit 30 Jahren immer wieder Thrombosen

Eine Impfung kommt für mich nicht in frage. Ich werde seit 2 Jahren mit Xarelto therapiert und würde trotzdem die Corona-Impfung nicht riskieren. 1 Arzt ist für die Impfung 1 Arzt ist gegen die Impfung. Meine Entscheidung ist daher klar.
Avatar #806194
swa27
am Freitag, 11. Juni 2021, 15:36

BioNtech Thrombose mit punktförmigen Blutungen (Petechien) in der Haut.

Nach der 1. Impfung mit BioNtech Thrombosen im linken Bein.
Gleichzeitig kleinere und größere punktförmige Blutungen (Petechien) in der Haut.
Seither in Behandlung mit Xaretto.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER