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Politik

Delta-Variante kommt: RKI warnt vor Verspielen von Erfolgen

Freitag, 18. Juni 2021

/TPhotography, stock.adobe.com

Berlin – Trotz der derzeit sich weiter entspannenden Lage in der Coronapandemie in Deutschland haben Ärzte, Politiker und Wissenschaftler für Vorsicht geworben. Durch die ansteckendere Variante Delta könne sich das Virus wieder verbreiten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in Berlin.

Diese Entwicklung könne vor allem Ungeimpfte und erst einmal Geimpfte treffen. „Das dürfen wir ein­fach nicht riskieren“, ergänzte Wieler. Auch bei niedrigen Inzidenzen sei deshalb ein behutsames Öffnen in kleinen Schritten nötig. Durch Im­pfungen, Masketragen in Innenräumen und Abstandhalten könnten wiedergewonnene Freiheiten erhal­ten bleiben.

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Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn warb für Vorsicht, vor allem in der anstehenden Hauptrei­sezeit. „Das kann ein guter Sommer werden“, sagte der CDU-Politiker heute in Berlin. Es gebe Anlass zur Zuversicht. Aber vor allem, wenn alle aufmerksam blieben. Lockerungen sollten bei steigenden 7-Tage-Inzidenzen deshalb regional wieder zurückgenommen werden. Und zwar nicht erst bei einem Wert von 50, betonte Spahn, „sondern früher“.

Bundesweit ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Deutschland binnen sieben Tagen nach den jüngsten RKI-Zahlen weiter gesunken – auf aktuell 10,3. Vor einer Woche lag dieser Wert bei 18,6. Zu den Erfolgen in der Pandemiebekämpfung rechnet Spahn auch die Fortschritte beim Impfen. Jeder zweite Bürger in Deutschland habe mindestens eine Spritze bekommen, fast ein Drittel (29,6 Pro­zent) seien vollständig geimpft.

„Das Virus ist nicht verschwunden. Lassen Sie uns die Erfolge nicht leichtfertig verspielen“, sagte Wieler. „Lassen Sie uns auch die wiedergewonnene Freiheit erhalten, indem sich immer mehr Menschen voll­ständig impfen lassen.“

Noch kursiere die Delta-Variante auf niedrigem Niveau (rund sechs Prozent) in Deutschland. Es sei jedoch nicht die Frage, ob Delta das Infektionsgeschehen in Deutschland dominiere, sondern wann, ergänzte er. Es hänge auch davon ab, wie es gelinge, die Ausbreitung mit Maßnahmen wie Abstand, Hygiene und Mas­ken zu unterdrücken.

Im Herbst werde es in jedem Fall wieder zu mehr Neuinfektionen kommen, sagte Wieler. Und im Moment sei die Hälfte der deutschen Bevölkerung noch nicht ausreichend durch Impfungen geschützt. Das Impf­programm gilt als schärfste Waffe bei der Eindämmung der Pandemie. Nötig sind nach RKI-Schätzungen 80 Prozent vollständig immunisierte Bundesbürger.

Auch Ärzte sehen die Delta-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 mit Sorge. Angesichts der Delta-Vari­ante appelliere er „dringend an die erwachsene Bevölkerung, alle Impfangebote wahrzunehmen“, mahnte heute der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt. Vor allem sollten alle Erstgeimpften auch die erforderlichen Zweitimpfungen fristgerecht vornehmen lassen.

Er verwies auf aktuelle Studien, die zeigten, dass der Impfschutz gegen die Delta-Variante bei nur ein­maliger Impfung um 17 Prozent geringer ausfallen könnte als gegen die bisherige Alpha-Mutante. Eine möglichst hohe Impfquote verlangsame die weitere Ausbreitung dieser Variante und reduziere auch das Ansteckungsrisiko für Kinder deutlich, so Reinhardt.

Er erklärte zudem, es sei notwendig, die Impfkampagne in Arztpraxen und Impfzentren mit hoher Ge­schwindigkeit weiter zu führen. Dafür brauche es „dringend mehr Impfstoff“. Ebenso wichtig sei es, zum jetzigen Zeitpunkt den Bedarf für die Auffrischungsimpfungen zu kalkulieren und ihn bei der Impfstoff­be­schaffung zu berücksichtigen.

„Wenn neben den laufenden Erst- und Zweitimpfungen schon relativ bald die ersten Auffrischungsim­pfun­gen fällig werden, sollten wir auch Strukturen bereithalten, um die Praxen bei Bedarf zu entlasten. Möglichst viele Bundesländer sollten deshalb über den 30. September hinaus einen Grundbestand an Impfzentren im Stand-By-Modus halten“, so der BÄK-Chef.

Neben der Impfkampagne bleibt es Reinhardt zufolge trotz des aktuellen Rückgangs der Gesamtinzidenz vernünftig und geboten, in Innenräumen, im Öffentlichen Nahverkehr und vergleichbaren Orten medizi­nische Schutzmasken zu tragen. „Wir sollten alles dafür tun, einen Wiederanstieg der Infektionszahlen, wie derzeit in Großbritannien, zu verhindern.“

Das betonten auch Wieler und Spahn. Das Beispiel Großbritannien zeige bereits, wie fragil Erfolge in der Pandemiebekämpfung sein könnten, berichteten heute beide. Dort war die 7-Tage-Inzidenz innerhalb weniger Wochen von 20 auf 70 gestiegen. Geplante weitere Lockerungen wurden deshalb verschoben.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, erwartet, dass sich die Delta-Variante in Deutsch­land noch schneller ausbreiten wird als die bisherigen Modifikationen. „Das Tückische bei dieser Variante ist, dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere an­stecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben“, sagte Montgomery den Zei­tungen der Funke Mediengruppe.

Auch er mahnte, im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden. Die Länder sollten prüfen, ob die angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. „Sie sollten außerdem die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wie­der zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten. So, wie es die britische Regierung jetzt getan hat“, betonte der Mediziner.

Montgomery rief zudem dazu auf, nicht den Fehler des vergangenen Sommers zu wiederholen. 2020 habe man den Wiedereintrag des Virus durch Reiserückkehrer unterschätzt, im Herbst folgte eine neue Welle. „Diese Gefahr besteht jetzt wieder, wenn viele noch ungeimpfte Touristen von Partyurlauben in ganz Europa nach Deutschland zurückkehren.“

„Wir müssen den Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen sehr gut beobachten“, sagte auch Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheits­dienstes (BVÖGD), den Funke-Zeitungen. Die Verbandschefin der Amtsärzte beklagte zudem, dass der Per­sonalaufbau in den Gesundheitsämtern immer noch stockend vorankomme. Bis Ende des Jahres sollen bei den Gesundheitsämtern 1.500 neue Stellen für medizinisches Fachpersonal geschaffen werden. Ein Großteil dieser Stellen sei noch nicht besetzt.

Der bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Holetschek mahnte ebenfalls, die Delta-Virusvariante dürfe nicht unterschätzt werden. „Ihr Auftreten und ihr hoher Ansteckungsgrad zeigen uns, dass wir Corona trotz spürbar sinkender Inzidenzwerte noch nicht besiegt haben“, sagte Holetschek der Rheinischen Post (heute). „Wir brauchen weiterhin allerhöchste Wachsamkeit. Vorsicht und Umsicht müssen weiter das Handeln bestimmen“, betonte der Vorsitzende der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass die Delta-Variante in Deutschland im Herbst die dominierende Rolle spielen wird, weil sie so viel ansteckender sei. Er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien, sagte Lauterbach in den ARD-Tagesthemen. „Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben“, betonte der SPD-Politiker. Gegen die eingesetzten Impfstoffe komme diese Virusvariante nicht an. © dpa/may/aerzteblatt.de

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BB-DD
am Freitag, 18. Juni 2021, 17:34

Alles für die Kinder?

"Er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien [...] „Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben“, betonte der SPD-Politiker."
Herr Lauterbach, falls Sie es noch nicht mitbekommen haben sollten: Die Kinder hatten so ganz im Allgemeinen gesundheitlich weder mit Alpha, noch mit Beta Probleme. Warum nun ausgerechnet mit Delta? Außerdem, was ist mit Epsilon, Kappa etc.? Das Pandemieproblem für die Kindern - Quarantäne, Isolation, Heimbeschulung - ist ein Produkt der vollkommen verfehlten und hysterischen Coronapolitik - die man weiter betreiben muss, damit der Unsinn nicht doch irgendwann auffliegt. Dazu kommt die notwendigerweise kommerzgetriebene Impfindustrie, die unbedingt ihren Stoff an bzw. in die Kinder bringen will - und an Menschen, die sich nicht vorstellen können, sich wegen einer Erkältungskrankheit einer experimentellen, sonderzugelassenen Gen-Prophylaxe zu unterziehen, deren langfristige Folgen unabsehbar sind, gerade und vor allem für Kinder, und die mehr Nebenwirkungen, vor allem auch sehr schwerer Natur, produziert als alle Impfungen der letzten 10 Jahre zusammengerechnet.
Und natürlich werden wir im Herbst einen höheren Anteil an Kindern unter den dann "Infizierten" haben, weil wir schlichtweg die "vollständig geimpften" Menschen nicht mehr bzw. nur noch ausnahmsweise testen. Das wissen Strategen wie der Herr Lauterbach ganz genau. Er ist seit langem die Triebfeder für den Lockdown-Angriff vor allem auf die Schulen (statt Merkels Notbremse hätte er lieber den Rückwärtsgang eingelegt) und weiß ganz genau, mit welchen Methoden er die Eltern mürbe klopfen kann, die Kinder doch zur Nadel zu treiben. Aber nicht mit mir! Abgesehen davon: Wenn Corona durch ist, meint doch nicht etwa jemand, dann würde sich etwas ändern? Dann haben wir eine andere Pandemie, die den Testlaboren und Impfstoffherstellern die Taschen voll füllt und auch gleich die Klimakatastrophe verhindert.
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