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Politik

IMPP-Direktorin Jünger offenbar vorläufig suspendiert

Dienstag, 6. Juli 2021

Jana Jünger /IMPP

Berlin – Die Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), Jana Jünger, ist offensichtlich derzeit von ihren Dienstaufgaben entbunden. Dies geht unter anderem aus meh­reren offenen Briefen aus dem politischen und medizinisch-wissenschaftlichen Umfeld hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) vorliegen.

Das zuständige Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen, das aktuell den Vorsitz im Verwal­tungsrat des IMPP hat, möchte sich auf Anfrage des zu der Personalie nicht äußern.: „Zu internen Personalan­ge­le­gen­heiten des IMPP kann zum Schutze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Stellungnahme gegenüber Externen abgegeben werden“, heißt es in der Antwort an das .

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Auch die Frage, welche Auswirkungen ein möglicher Personalwechsel an der Spitze des IMPP für die Implementierung der neuen Approbationsordnung haben würde, wird vom Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen nur kurz beantwortet.

„Die zuständigen Gesundheitsressorts der Länder werden sich wie bisher auch weiterhin gemeinsam mit dem Bund mit gleichbleibend hohem Engagement für die Implementierung und spätere Umsetzung der neuen Approbationsordnung einsetzen“, so das Ministerium des Landes, das derzeit dem IMPP-Verwal­tungsrat, der obersten Dienstbehörde des IMPP, vorsitzt.

Dass die plötzliche und für viele nicht nachvollziehbare Dienstenthebung von Jünger die Umset­zung des Masterplans Medizinstudium 2020 und die Verabschiedung der im Referentenentwurf skizzier­ten neuen Ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) erheblich gefährden könnte, befürchten jedoch mehrere Beobachter.

Jünger hätte sich mit ihrer großen Expertise im Bereich der medizinischen Prüfungen sowie mit ihrem herausragenden Engagement für eine interprofessionelle, patientenorientierte Ausbildung sowie eine kompetenzbasierte, patientenzentrierte Prüfung stark gemacht, schreiben die Gesellschaft der Hoch­schul­lehrer für Allgemeinmedizin (GHA) und Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedi­zin (DESAM) in einem Brief an das NRW-Gesundheitsministerium.

„Wir sehen in der vorläufigen Dienstenthebung von Frau Professor Jünger die große Gefahr, dass die für das deutsche Gesundheitswesen sinnvolle und mittlerweile auch notwendige im Referentenentwurf an­gelegte Verbesserung des Medizinstudiums innerhalb des IMPP weder eine entsprechende ,klinische' Ex­pertise noch eine angemessene Unterstützung findet und stattdessen in alte längst überholte Prozedere zurückgefallen wird“, so die Allgemeinmediziner in dem Brief, der dem vorliegt.

„Die Vorgänge im IMPP sind äußerst besorgniserregend“, führte Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender der DESAM, dem näher aus. „Da Studierende genau das lernen, was geprüft wird, muss eine zukunftsfähi­ge Reform der Approbationsordnung unbedingt auch eine Reform der Prüfungen beinhalten.“ Dabei könne es nicht allein bei theoretischen Multiple-Choice-Prüfungen zur Abfrage von Fußnotenwissen bleiben. „Praktische Parcours-Prüfungen und Prüfungen in allgemeinmedizinischen Praxen sind notwen­dig und überfällig, sollen aber offenbar mit aller Macht verhindert werden“, meint er.

Für diese neuen Prüfungsformate hatte sich Jünger vehement eingesetzt und diese zuletzt auch positiv getestet, unter anderen an der Medizinischen Fakultät der Universitätsmedizin Göttingen. „Es darf nicht zugelassen werden, dass reformunwillige Kräfte die überfällige Einführung moderner praxisorientierter Prüfungsformen hintertreiben und die Leitung sowie das Team des IMMPs auf einen rückwärtsgewand­ten Kurs verpflichtet werden", sagte Gerlach dem .

Überrascht über die Vorgänge ist auch Eckhard Nagel von der Universität Bayreuth. Er ist der Vorsitzende des Beirates Medizin und Sprecher der Beiräte Medizin, Pharmakologie und Psychotherapie am IMPP. „Als Vorsitzender der Gegenstandskatalogskommission am selbigen Institut bin ich nicht darüber informiert worden, dass Frau Professorin Jana Jünger am IMPP von ihren Dienstaufgaben entbunden worden ist“, sagte er dem . Eine entsprechende Anfrage von seiner Seite sei bisher nicht beantwortet worden. „Festzustellen ist, dass Frau Professorin Jünger uns als Ansprechpartnerin im IMPP aktuell nicht zur Verfügung steht.“

Aus Nagels bisheriger Wahrnehmung hätte es keine unüberbrückbaren Differenzen innerhalb des Insti­tuts oder in der Zusammenarbeit mit dem Institut gegeben, die eine eventuelle Amtsenthebung von Jün­ger erklären, begründen oder rechtfertigen würden, betonte er gegenüber dem . „Sehr hoffen würde ich, dass wenn entsprechende Differenzen bestehen, solche durch eine adäquate Konfliktlösungsstrate­gie der zuständigen Stellen gelöst würden“, erklärte er. Sollten solche gesprächsorientierten Lösungen gesucht werden, stünden die wissenschaftlichen Beiräte oder die Gegenstandskatalogskommission sicherlich zur Verfügung.

Lob für Jünger hört man von vielen Seiten: Zu ihren besonderen Verdiensten gehöre es, dass sie die Posi­tionierung des IMPP im Rahmen der ärztlichen Ausbildung deutlich geschärft habe und dass sie insbe­sondere für die jüngere Generation innovative Prüfungskonzepte entwickeln und anbieten konnte, schrei­ben Regina Klakow-Franck, Johannes Korporal, Ute Repschläger, Doris Schaeffer und Gertrud Stö­cker, die in unterschiedliche Gremien des IMPP eingebunden sind, in einem Brief an den Gesundheits­ausschuss des Bundestages, der dem ebenfalls vorliegt.

Jünger gehöre unfraglich zu „den eindrucksvollsten Spezialistinnen in Deutschland, die eine wissen­schaftliche Durchdringung der Prüfungsstruktur und deren Bedeutung für Prüfungen für den weiteren Werdegang von Studierenden eindrucksvoll untersucht hat“, heißt es darin. Auf ihre Anregung gingen wesentliche inhaltliche Orientierungen des Referentenentwurfs zur Approbationsordnung zurück.

„Frau Jünger steht – sicher nicht ausschließlich als einzelne Person, aber in Initiierung und Moderation von fachlicher und wissenschaftlicher Expertise in großer Breite und kreativem Prozess – für grundle­gend neue Elemente, interdisziplinäre Integration und professionelle und institutionelle Kooperation in den Grundlagen der ärztlichen Ausbildung in interdisziplinärer Zusammenarbeit in wissenschaftlicher Ausbildung und praktischer gesundheitlicher Versorgung“, schreiben die Obleute.

Die Annahme der gegenwärtigen Herausforderungen, die Regelungen des Masterplans Medizin, die be­stehenden Grundlagenkriterien des Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) und die ärztlichen Prüfungen als Input einer Neuregelung der ärztlichen Approbationsordnung im inter­fachlichen und -wissenschaftlichen Diskurs aufzubereiten, könne in den erkennbaren Ergebnissen der Arbeit „nicht hoch genug angesetzt und gewürdigt werden“, heißt es in dem Schreiben, mit dem sich dafür einsetzen, dass „die getroffene Entscheidung der Entbindung von Frau Jünger von den Aufgaben des Instituts überdacht wird“ und intendieren, den Vorgang rückgängig zu machen.

Unterstützung kommt auch der „Wissenschaftlich-medizinischen Allianz für Rehabilitation“ (WMAR) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW): „Wir haben Frau Professorin Jün­ger stets als eine wesentliche Unterstützerin und Promotorin für dringend erforderliche und realisti­sche Reformen des Medizinstudiums mit kompetenzorientierten Lernzielen und den entsprechenden Prüfun­gen erlebt“, heißt es in ihrem Brief, der ebenfalls dem vorliegt.

Nachdem es in der Vergangenheit trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen sei, bundesweit und ein­heitlich die Teilhabeorientierung und Rehabilitation als Prüfungsgegenstände im IMPP zu integrieren, sei dies in den letzten Monaten und Jahren durch die Unterstützung von Jünger gut gelungen. Die „nach unserer Wahrnehmung herausragenden medizinischen, kommunikativen und didaktischen Kompetenzen von Frau Professorin Jünger haben einen wesentlichen Anteil daran“, dass der mehr als zweijährige Pro­zess mit bundesweiter Integration von mehr 800 Expertinnen und Experten entsprechend des Master­plans 2020 zum erfolgreichen Ergebnis des kompetenzorientierten Gegenstandkatalogs Medizin und NKLM 2.0 geführt hat.

Wegweisend erscheint Beobachtern in diesem Zusammenhang auch die in den vergangenen Jahren harmonische Zusammenarbeit zwischen IMPP und dem Medizinischen Fakultätentag (MFT), die neu in der Geschichte des IMPP und des MFT ist. Erst vor wenigen Wochen wies der MFT in einer Mitteilung über die Veröffentlichung des Nationalen kompetenzorientierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) 2.0 auf die „enge Zusammenarbeit mit dem IMPP, um die Prüfungsinhalte der Gegenstandskataloge mit den fakultären Lern-, Lehr- und Prüfungsinhalten des NKLM zu verzahnen“, hin. Das DÄ berichtete darüber.

Auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), in der mehr als 180 wissenschaftliche Fachgesellschaften aus allen Bereichen der Medizin zusammenge­schlossen sind, hatte mit dem IMPP unter der Führung von Jünger in den vergangenen Monaten und Jahren gemeinsame Projekte gestartet. © ER/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #596552
AWinkelmann
am Donnerstag, 8. Juli 2021, 15:25

Regelungswahn

Es ist beeindruckend, wie viel Unterstützung da zusammengetrommelt wurde. Trotzdem ging es nicht nur beim M2 zuletzt in die falsche Richtung. Ich kann nicht beurteilen, wie groß Frau Jüngers Anteil daran war, aber der Referentenentwurf zur neuen Approbationsordnung, der immerhin zuletzt ein wenig abgeschwächt wurde, war Ausdruck eines Regelungswahns, und das IMPP sollte in diesem Regelungs- oder eher Gängelungswerk offenbar eine zentrale Rolle spielen und die Fakultäten sollten nach der Pfeife des IMPP tanzen. Man muss nur die alte AO mit dem Referentenentwurf vergleichen: 10.80 Wörter in der alten AO vs. 25.700 Wörter im Referentenentwurf, 44 Paragraphen und 13 Anlagen vs. 185 Paragraphen (!) und 25 Anlagen, das IMPP kam in der alten AO gar nicht vor, jetzt sollte es 19x vorkommen. Und obendrauf ein neuer, aufgeblähter und unübersichtlich-detailverliebter Gegenstandskatalog. Es kann nur besser werden.
Avatar #668343
Ludwig Wilkens
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 17:26

Suspendierung der IMPP Leiterin

Aus den mir bekannten Prüfungen des IMPP entnehme ich, dass tatsächlich zunehmend Fußnoten abgefragt werden.
Wenn dann nicht erkannt wird, dass die Vorauswahl bei Medizin- und Jurastudenten eine ganz andere ist, kommt es zu entsprechenden Prüfungen. Medizin zu studieren bedeutet aktuell zumindest in den ersten beiden Jahren zu einem wesentlichen Teil das Erlernen von willenlos zusammengetragenen Details, erschwert durch mündliche Prüfungen ohne selbstbezogenes Qualitätsmanagement. In jedem Industriebetrieb und in jeder größeren Gesundheitseinrichtung würde dies sofort unterbunden, unter anderem durch Entlassung der Verantwortlichen. Und genau dies ist hier geschehen.
Die Bekenntnisse verschiedener Organisationen wirken hier nur wie die Wahrung von Partikularinteressen und sind kritisch zu hinterfragen. Für die Studierenden wäre letztlich die endgültige Ablösung von Frau Jünger hilfreich, die Prüfungen des IMPP wieder sinnvoll zu gestalten.
Unabhängig davon haben Multiple-Choice-Fragen zumindest den Vorteil für alle Prüflinge gleich zu sein. In den USA gibt es dazu keine Probleme. Dort werden aber auch die Fragen nicht veröffentlicht.
Die so sehr propagierten mündlichen Prüfungen sind hoch subjektiv und werden in der Hand schlecht gelaunter Prüfer entsprechend eingesetzt. Jeder von uns kennt solche Personen aus dem eigenen Studium, die von vorgesetzter Stelle gedeckt werden und einfach nur Angst verbreiten und ein kreatives Studium abwürgen.
Bewertungen von frei formulierten schriftlichen und mündlichen Leistungen unterliegen neben einer grundsätzlichen Verzerrung einer breiten Streuung bzw. einem Rauschen. Das hierzu verfasste Buch von Daniel Kahnemann (Nobelpreis 2007) "Noise" liefert sehr schön Ausführungen dazu und erklärt, warum Prüfungsnoten vom Mittagessen in der Kantine abhängen. Diese Effekte kann man im täglichen Prüfungswesen entsprechend sehen.
Der Aufwand für erträglich gerechte Prüfungen hingegen ist enorm und wird vom universitären System kaum z
Avatar #889868
Max Mustermann
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 16:57

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit M2-Ergebnissen

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf eine der wenigen publizierten wissenschaftlichen Arbeiten zum M2 hinweisen. Fazit: "Results of the M2 examinations varied greatly over the last years, and there was a significant negative trend. In contrast, results of the M3 examinations remained constant with little variation. Possible explanations such as worsening written skills or higher requirements in the M2 examinations need to be investigated. The observed great variation of average results questions the reliability and comparability of the M2 examinations in Germany."

Palmowski A. Entwicklung der Ergebnisse des zweiten und dritten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung („M2“ Und „M3“) In Deutschland [Trends in the Results of Part II and III of the German Medical Licensing Examinations]. Gesundheitswesen. 2021 Jan 7. German. doi: 10.1055/a-1306-0335. Epub ahead of print. PMID: 33412592.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33412592/
Avatar #889826
Kommentierende
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 16:52

Studierende

Wie so häufig in der Vergangenheit sind es die Stimmen der Studierenden bzw. der Studium-nahen, die mich hoffnungsvoll machen. Sie gehören zu jener Personengruppe, die sich nicht durch die von Frau Professor Jünger sorgsam vorbereitete Sammlung von Persilscheinen (in erschienener DÄ-Nachricht) gedanklich korrumpieren lassen. Die Studierenden sind diejenigen, die in ihrem späteren Berufsalltag authentisch und uneigennützig das Gesundheitswesen von innen heraus um- und ausgestalten können. Dafür müssen sie sich weder als Heilsbringerin angeblich unterrepräsentierter Fachgebiete noch als Reformatorin des gesamten Gesundheitswesens (siehe Stellungnahme im Brief der „Allgemeinmediziner“) vermarkten. Zudem kann die studentische bzw. Studium-nahe Personengruppe darauf verzichten, möglichst ausgedehnte Kollateralschäden nicht nur billigend in Kauf zu nehmen, sondern auch diese willentlich herbeizuführen, solange es der eigenen Profilierung als Heilsbringerin oder Reformatorin dient. Es ist gut, dass den unvoreingenommenen und für eine potenzielle Zweckentfremdung sensibilisierten Studierenden bzw. Studium-nahen die Zukunft gehört. Das macht Hoffnung und sollte gefördert werden.
Avatar #889866
Haematopoiesis
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 16:43

Studierendenkritik am IMPP

Dieser Post einer M2-Schreiberin (Herbst 2020) fasst gut zusammen, was die Examenskandidat*innen seit mehreren Jahren am Examen kritisieren: https://www.facebook.com/marisa.kurz.3/posts/3661682287216043.
Avatar #889834
Blättle
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 14:12

Studierende zu Wort kommen lassen?

Man (das DÄ) könnte ja auch zum Äußersten gehen und, total verrückte Idee, die Studierenden fragen, wie sie die Entwicklungen im M2 über die letzten Jahre erlebt haben? Da sind mitnichten nur notorische Nörgler dabei, sondern viele hochmotivierte und vernünftige Geister, die wissen, was konstruktive Kritik ist und wie mensch sie anbringt. Stattdessen kommen eben leider in diesem Artikel nur Stimmen zu Wort, die nicht direkt betroffen sind bzw. ohnehin mit dem IMPP verbandelt (Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) und Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM), Gremien des IMPP, Vorsitzende des Beirates Medizin und Sprecher der Beiräte Medizin, Pharmakologie und Psychotherapie am IMPP usw). Ich finde, da kann man dann schon auch kritisch drauf hinweisen, dass das sehr einseitig ist und keinen wirklichen Informationsmehrwert bietet. Was ist mit bvmd und Studierendenvertretungen von z.B. dem Hartmann Bund oder Marburger Bund? Mit Fachschaften der verschiedenen Universitäten?
Avatar #889850
Windbeutel_Nr1
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 14:02

Einseitigkeit

Auch ich hatte wie viele Weitere das Glück, mein M2 unter Frau Jüngers Vorsitz zu absolvieren und dabei fiel mir, wie vielen anderen auch, auf, wie sich der Fokus über die Jahre immer weiter verschoben hat hin zu kleinen Fußnotenfakten und weg von praktisch relevanten, klinischen Zusammenhängen.
Auch hatte ich das Glück, die im Artikel erwähnten, hochgelobten Reformen an der Uni Göttingen zu erleben und bin entsetzt, wie überhöht diese mäßig durchdachten Prüfungssimulationen, die fernab jeder Realität bzw Realismus durchgespielt werden, von Obrigkeiten dargestellt und wahrgenommen werden.
Vor diesen Hintergründen bin ich auch enttäuscht, dass im Artikel die Verfehlungen von Frau Jünger - besonders ihre wenig wertschätzende, geradezu abschätzige Kommunikation in den vergangenen Jahren über und gegenüber den Studierenden - keine Darstellung finden. So wirkt dieser Artikel wie eine Werbung - dazu leider eine schlechte ...
Avatar #889826
Kommentierende
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 13:59

@ZukunftsMedizin

Ein Schritt in Richtung einer gemeinsamen Lösungsfindung wäre gewesen, nicht folgende Mär in die Welt zu setzen (Zitat aus der DÄ-Nachricht): „Es darf nicht zugelassen werden, dass reformunwillige Kräfte die überfällige Einführung moderner praxisorientierter Prüfungsformen hintertreiben und die Leitung sowie das Team des IMMPs (Anmerkung der Kommentierenden: falsche Schreibweise aus dem Original übernommen) auf einen rückwärtsgewandten Kurs verpflichtet werden“. Die vermeintlich diskreditierte Leitung sollte um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen dieser Erzählung offen entgegentreten, um nicht den Eindruck zu erwecken, wider besseres Wissen eine solche Erzählung für sich persönlich nutzen zu wollen.
Avatar #889846
ZukunftsMedizin
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 13:31

Kommentare fragwürdig

Vielleicht sollte man den Artikel nach inhaltlichen Aspekten bewerten und dabei würdigen, dass Veränderungsprozesse auf dieser Ebene extrem schwer und nur in der Gemeinschaft zu erreichen sind. Hier gibt es natürlich immer wieder Interessensgruppen, die gegen Veränderung und Reformen arbeiten. Die Kommentare fokussieren doch stark auf das Hinterfragen einer Person, die unbestritten viel bewegt hat. Scheinbar gibt es hier Widerstände, die viele Beteiligte, die auch im Artikel genannt sind überwinden möchten. Man sollte eher nach einer gemeinsamen Lösung suchen, als eine Leitung zu diskreditieren. Eine wichtige Reform steht auf dem Spiel.
Avatar #888006
Thomas Beierle
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 12:56

Seltsame Einseitigkeit

Ich habe vor 3 Jahren mein Medizinstudium abgeschlossen. Bereits damals herrschte starker Unmut über Frau Juenger der sich meines Erachtens bis heute nicht verändert hat. Dass dieser Artikel in solchen Lobgesang verfällt ist für mich schwer nachvollziehbar.

Nach dem Wechsel der Leitung sollte ein neuer Wind im 2. Staatsexamen wehen. Das ist soweit auch gelungen, nur leider geht die Entwicklung in eine vollkommen absurde Richtung. Es wird weniger Wert auf klinisch Relevantes und häufig Vorkommendes gelegt, sondern eher auf kleines Detailwissen und seltene Erkrankungen, was ohne Frage nicht wirklich der Medizinerausbildung dient, sondern einzig den Schweregrad erhöhen soll. Anstatt froh zu sein, dass die universitäre Ausbildung der Mediziner zunehmend besser wird, wird der Fragenfundus, ob aus Ratlosigkeit oder aus falsch geleiteten Ehrgeiz, um nutzloses Wissen erweitert, was ein sehr großer Teil der Mediziner in ihrem Leben weder wissen noch brauchen. Dabei muss man sich allerdings die Frage stellen, ob dieses IMPP mit seiner neuen Fassade geeignet ist, das zu überprüfen, wofür es eigentlich da sein sollte. Was zurückbleiben wird, sind ratlose und überforderte Lehrende und Lernende. Nach den aktuellen Entwicklungen ist nicht mehr klar was das Ziel der Ausbildung der Mediziner in Deutschland sein soll.
Avatar #889834
Blättle
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 12:04

Leider einseitig

Der Artikel ist einseitig geschrieben und recherchiert. Kaum vorstellbar, dass Frau Jünger grundlos suspendiert wurde, dieser Eindruck entsteht jedoch beim Lesen von all dem Lob, das der Autor für die Direktorin des IMPP findet. Ist das DÄ nicht daran interessiert, auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen? Denn diese gibt es auch. Das IMPP und die angeblichen Verdienste und Kompetenzen von Frau Jünger sind nicht so alternativlos, wie es hier dargestellt wird. Man müsste natürlich auch mit anderen Leuten sprechen als nur mit den "Jana-Jüngern". Schade! Journalistische Qualität ist für mich etwas anderes.
Avatar #889826
Kommentierende
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 10:49

Journalistische Qualität

Ich empfinde es als beängstigend, dass das DÄ aus einem „gefährlichen Halbwissen“ heraus und ohne die Hintergründe journalistisch zu beleuchten bzw. beleuchten zu können, Partei ergreift. Das DÄ unterwirft sich einem in die Welt gesetzten Narrativ und legitimiert dies durch die Berufung auf wenige Einrichtung, die wiederum sich für dieses Narrativ (ebenfalls in Unkenntnis der Hintergründe) haben instrumentalisieren lassen. Die abgeschlossene Validierung eines in die Welt gesetzten Narratives scheint für das DÄ offensichtlich kein Kriterium für die Veröffentlichung einer folgenschweren Nachricht zu sein. Es ist mir unerklärlich, warum die Grundregeln eines neutralen, fairen und argumentativ belastbaren Journalismus umgangen werden.
Dass sich aus den Verdiensten um die kompetenzorientierte Neugestaltung des Gegenstandskataloges nicht automatisch die Qualität als Führungskraft herleiten lässt, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Warum funktioniert die aus der Nachricht herauslesbare und anachronistische Pseudokausalität zwischen inhaltlichem Engagement und sozialer Kompetenz noch immer?
Avatar #763896
Kruckler
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 06:32

Lächerlich

Kann mich dem Kommentar von gwspensa da nur vollumfänglich anschließen. Frau Jünger ist bei vielen jungen Medizinern zurecht ein rotes Tuch.
Avatar #889812
gwspensa
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 04:21

Fragwürdige Parteinahme für das IMPP

Und erneut ein Artikel über das IMPP bei dem ich aus dem Staunen nicht mehr herauskomme.
Es grenzt schon an Realitätsverweigerung, wie einige Institutionen und „Repräsentanten“ aus dem Bereich der Lehre das IMPP in den Himmel loben.
In meinem Ganzen Studium waren die Prüfungen des IMPP die inhaltsleersten und praktisch irrelevantesten, die mir für meinen aktuellen Berufsalltag wirklich gar nichts genützt haben.
Das IMPP betreibt eine mehr als undurchsichtige Prüfungspolitik ohne Rücksicht auf Verluste und bekommt dabei sogar noch Rückendeckung von den Wissenschaftsministerien der Länder und Vertretern der Universitäten.
Insbesondere während der Corona-Krise hat das IMPP gezeigt, dass ihm mehr an seinem Selbsterhalt als am Wohl der Studenten liegt.
In diesem Sinne kann nur gehofft werden, dass die Suspendierung in Folge dieser Umstände und der generellen Unfähigkeit von Frau Jünger als Leiterin dieser Institution erfolgte. Dies wäre mehr als gerechtfertigt!
Weiterhin sollte das Ärzteblatt einmal diese Umstände unter die Lupe nehmen und einen kritischen Bericht über die Praktiken des IMPP verfassen, anstatt ohne jegliche Kritik eine Lobeshymne auf das IMPP und seine Chefin zu veröffentlichen.
Vorsorglich möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich mein Studium längst abgeschlossen habe, um nicht als „genervter“ Student abgetan zu werden :)
LNS
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