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Medizin

Studie: Tägliche Antigentests könnten an Schulen Quarantäne für Kontakte ersetzen

Freitag, 23. Juli 2021

/picture alliance, Fotostand, Lammerschmidt

Oxford – Tägliche Antigentests aller Kontaktpersonen könnten an Schulen eine Alternative zu der derzeit vorgesehenen 10-tägigen Quarantäne sein. Eine erst im Preprint veröffentlichte randomisierte Studie der Universität Oxford zeigt, dass die tägliche Testung der Kontakte zwar eine Zunahme der Infektionen an der Schule verhindern kann. Der erhoffte Rückgang der Fehlzeiten konnte jedoch nicht sicher belegt wer­den.

Die Quarantänepflicht für Kontakte kann in einer Epidemie schnell zur Schließung ganzer Schulen füh­ren, wenn der Anteil der Kontakte an der Gesamtzahl der Schüler stark ansteigt. Mediziner der Uni­versität Oxford haben deshalb in einer randomisierten Studie untersucht, ob tägliche Tests den Kontak­ten erlau­ben könnten, am Unterricht teilzunehmen, ohne dass dies die Epidemie weiter befeuert.

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Die Forscher teilten 201 Sekundarschulen und Colleges mit mehr als 200.000 Schülern und 20.000 Mitarbeitern nach dem Los in 2 Gruppen auf. In beiden Gruppen wurden die in England vorgesehenen Maßnahmen durchgeführt, zu denen 2 wöchentliche Antigentests aller Schüler gehören.

Alle positiv getesteten Schüler mussten in Quarantäne, es sei denn, der PCR-Test fiel negativ aus. In der Hälfte der Schulen wurden auch die Kontaktpersonen der infizierten Schüler für 10 Tage in häusliche Qua­rantäne geschickt. In der anderen Hälfte der Schulen durften die Kontakte weiter am Unterricht teilnehmen, wenn sie über 7 Tage jeden Morgen vor Schulbeginn einen beaufsichtigten Antigentest durchführen ließen und dieser negativ ausfiel.

Die Studie hatte 2 Ziele. Zum einen sollte gezeigt werden, dass die Antigentests das Einschleppen der Viren in die Schule verhindern. Die Infektionszahlen sollten nicht stärker steigen als in den Schulen, die die Kontakte zur Quarantäne nach Hause schicken.

Dieses Ziel wurde nach den von einem Team um Tim Peto vorgestellten Ergebnissen erreicht. In den Schulen mit Quarantäne für alle Kontakte kam es zu 657 symptomatischen PCR-bestätigten Infektionen oder 59,1 pro 100.000 und Woche. In der Interventionsgruppe mit den täglichen Tests für Kontakte kam es zu 740 Infektionen oder 61,8 pro 100.000 und Woche.

Die relative Inzidenzrate (IRR) betrug 0,96 mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 0,75 bis 1,22. Dies bedeutet, dass die Kontakte durch morgendliche Tests von einer Quarantäne entbunden werden können, ohne dass dadurch die Zahl der Infektionen an der Schule steigt.

Wenn die Kontakte am Unterricht teilnehmen können, sollten eigentlich die Fehlzeiten an der Schule sinken. Dieses 2. Ziel der Studie wurde jedoch nicht erreicht. An den Schulen mit Quarantänepflicht kam es zu 55.718 COVID-bedingten Fehltagen (1,8 %). In der Gruppe mit täglichen Tests der Kontakte waren es mit 48.609 (1,5 %) nur unwesentlich weniger. Peto ermittelt eine IRR von 0,80 (0,53 bis 1,21).

Eine mögliche Erklärung wäre ein hoher Anteil von Infektionen unter den Kontakten. Dies war allerdings nicht der Fall: In der Gruppe mit täglichen Tests wurden 1,5 % der Schüler positiv getestet und die Infek­tion später im PCR-Abstrich bestätigt. In der Quarantänegruppe waren 1,6 % mit SARS-CoV-2 infiziert.

Peto vermutet andere Erklärungen: Zum einen war die Teilnahme an den Tests freiwillig. Insgesamt nah­men die Kontakte nur an 49,5 % der Tests teil. Die Nichtteilnehmer wurden natürlich in Quarantäne ge­schickt. Für die geringe Testbereitschaft waren offenbar weniger Schüler verantwortlich, die aus Bequem­lichkeit die Quarantäne dem Schulbesuch vorzogen.

Bedenken gab es in erster Linie von Seiten der Schulleitungen. Teilweise fehlte es an Ressourcen (für die Durchführung der Tests). Andere befürchteten wohl, von der beginnenden Delta-Welle überrollt zu wer­den. Ohne die Testverweigerer wäre die Zahl der Fehltage in der Interventionsgruppe laut einer Sen­si­tivitätsanalyse vermutlich um 39 % gesunken (IRR 0,61; 0,30 bis 1,23), weswegen Peto insgesamt ein positives Fazit zieht. Die Frage ist allerdings, wie hoch die Testbereitschaft außerhalb einer Studie wäre, wenn sich die Regierung für eine solche Strategie entscheiden würde.

Ein Schwachpunkt der täglichen Antigentests ist die niedrige Sensitivität. Sie betrug bei dem verwen­deten Test nur 53 %. Allerdings hatten die richtig-positiven Tests im anschließenden PCR-Test einen rela­tiv niedrigen Ct-Wert von median 18,5, der eine hohe Viruslast anzeigt. Bei den falsch-negativen Anti­gentests lag der Ct-Wert bei 25,3, was eine wesentlich geringere Viruslast und damit auch ein gerin­geres Infektionsrisiko anzeigt.

Die Unsicherheit des Tests spielt eine umso größere Rolle, je höher die Infektionszahlen in der Bevöl­kerung sind. Die Studie wurde vom 19. April bis 27. Juni durchgeführt, als die 7-Tage-Inzidenz in England relativ niedrig war. Inzwischen ist sie deutlich angestiegen. Damit steigt die Gefahr, dass eine übersehene Infektion bei einem Kontaktschüler einen Ausbruch auslöst. © rme/aerzteblatt.de

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