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Politik

Zahl der Krankenhausfälle auch in dritter Pandemiewelle zurückgegangen

Donnerstag, 29. Juli 2021

/picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – In der dritten Coronawelle im Frühjahr dieses Jahres hat es erneut starke Einbrüche bei der Zahl der Kranken­hausbehandlungen gegeben. Das zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Der Einbruch der Fallzahlen war allerdings nicht so stark wie in den ersten beiden Pande­mie­wellen.

In der ersten Welle im Frühjahr 2020 (März bis Mai) hatte es laut WIdO ein Minus von 27 Prozent gege­ben. In der zweiten Welle (Oktober 2020 bis Februar 2021) betrug der Rück­gang demnach 20 Prozent. In der dritten Welle zwischen März und Mai dieses Jahres lagen die Fallzahlen der aktuellen Analyse zufol­ge bei den Krankenhausbehand­lungen um 16 Pro­zent niedriger als im Vergleichszeitraum 2019.

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Konkret gab es zum Beispiel in der dritten Welle 13 Prozent weniger Darmkrebsoperationen als vor der Pandemie. In den ersten beiden Pandemiewellen fielen die Einbrüche höher aus. „Wir vermu­ten, dass der Rückgang der Darmkrebsoperationen mit reduzierter vorgelagerter Diagnostik im ambulan­ten Bereich zusammenhängt“, erklärte WIdO-Chef Jürgen Klauber.

Er betonte, Koloskopien zur Erkennung von Darmkrebs seien in der ersten Pandemiewelle deutlich selte­ner durchgeführt worden. „Für die Folgewellen liegen uns die Zahlen aus der ambulanten Versorgung allerdings noch nicht vor“, so Klauber. Die Brustkrebsoperatio­nen lagen in der dritten Coronawelle von März bis Mai weitgehend wieder auf dem Niveau von 2019.

Die Fallzahlen für die Behandlung von Notfällen wie Schlaganfällen und Herzinfarkten lagen in der dritten Pandemiewelle den Daten zufolge um acht beziehungsweise elf Prozent weiter unter dem Ni­veau der Vorpande­miezeit. Es stelle sich die Frage, ob damit Versorgungsproblem verbunden sei, sagte Klau­ber. Auf jeden Fall gelte der Appell an Patienten, im Notfall ohne Zögern den Notruf zu alarmieren.

Rückgang bei planbaren Operationen

Bei den planbaren Operationen gab es laut WIdO in der dritten Welle deutlich geringere Rückgänge als noch in den beiden ersten Pandemiewellen. Bei den Hüftimplantationen beispielsweise hat es zuletzt nur noch ein Minus von 13 Prozent ge­genüber dem Vergleichszeitraum im Frühjahr 2019 gegeben. In der ersten Pandemie­welle waren es noch 44 Prozent, in der zweiten Welle 22 Prozent weniger.

Bei ambulant-sensitiven Krankheitsbildern wie Diabetes, Herzschwäche oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) stellte das AOK-Institut sehr starke Einbrüche fest. Bei der COPD etwa war ein Einbruch von 45 Prozent zu verzeichnen (zweite Welle: - 51 Prozent). Vergleichbar starke Fallzahlrück­gän­ge gab es bei der Behandlung von Asthma. Bei Diabetes und Herzinsuffizienz lagen die Rückgänge in der dritten Welle bei 22 beziehungsweise 16 Prozent und damit etwas geringer als in der zweiten Welle (minus 27 beziehungsweise 23 Prozent).

„Die Zahlen sind ja schon zu Beginn der Pandemie deutlich gesunken und haben selbst im letzten Sommer trotz des sehr niedrigen Infektionsgeschehens nicht mehr das Niveau des Jahres 2019 erreicht“, sagte Klauber. „Möglicherweise befördert die Pandemie hier einen grundlegenden Strukturwandel in der Versorgung ambulant-sensitiver Fälle. Deutschland hat im europäischen Vergleich einen sehr hohen An­teil solcher Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden, während dies in anderen Ländern schon deut­lich länger ambulant funktioniert.“

Verweildauer gesunken

Eine aktuelle Auswertung der Abrechnungsdaten zur stationären Behandlung der AOK-Versicherten mit einer COVID-19-Erkankung zeigt unterdessen die Entwicklung in der zweiten Pandemiewelle (Oktober 2020 bis Februar 2021) und erste Trends für den Beginn der dritten Welle im März 2021.

So sank der Anteil der beatmeten COVID-19-Patienten im Krankenhaus von 17 Prozent in der ersten Welle (Februar bis Mai 2020) auf 14 Prozent in der zweiten Welle. Zuletzt lag er im März 2021 wieder bei 17 Prozent.

Auffällig ist dem WIdO zufolge die sinkende Verweildauer der Patienten im Krankenhaus: Diese lag zu Beginn der Pandemie bei durchschnittlich 17,1 Tagen, in der zweiten Welle dann bei 15,0 Tagen. Auch die Dauer der Beatmung sank von 17,2 Tagen zu Beginn der Pandemie auf 12,7 Tage in der zweiten Welle; zuletzt lag sie im März 2021 bei 12,7 Tagen.

Durchschnittsalter niedriger

Das Durchschnittsalter der Patienten war in der zweiten Welle mit 69,6 Jahren etwas höher als in der ersten (68,0 Jahre) und sank mit Beginn der dritten Welle im März 2021 auf 63,6 Jahre. „Das hat damit zu tun, dass in der dritten Welle verstärkt Menschen mittleren Alters intensivmedizinisch behandelt werden mussten, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Impfung erhalten hatten“, erläuterte Klauber.

Die Verschiebung der Altersstruktur wird auch deutlich, wenn man sich den Anteil der über 80-jährigen COVID-19-Patienten in den Kliniken anschaut: Im Dezember 2020 und Januar 2021 waren noch mehr als 40 Prozent der stationär behandelten Patienten über 80 Jahre alt. Im Februar 2021 sind es noch 37 Pro­zent und im März 2021 nur noch 24 Prozent gewesen.

Die Sterblichkeit unter den stationär behandelten COVID-19-Patienten blieb in der ersten und zweiten Welle mit 21 beziehungsweise 22 Prozent auf nahezu gleich hohem Niveau. Zu Beginn der dritten Welle lag die Sterblichkeitsrate im März 2021 mit 16 Prozent etwas niedriger.

„Das ist vor allem mit dem gesunkenen Durchschnittsalter zu erklären“, sagte Klauber. Über den gesam­ten Zeitraum liegt die Sterblichkeit bei den beatmeten Patienten mit 50 Prozent und mehr deutlich höher als bei den nicht beatmeten.

Bei den Beatmungsverfahren zeigt sich im zeitlichen Verlauf eine deutliche Verschiebung in Richtung der nicht-invasiven Beatmung: Während in der ersten Welle (Februar bis Mai 2020) 74 Prozent aller Patien­ten mit Beatmung ausschließlich invasiv beatmet wurden, sank dieser Anteil in der zweiten Welle (Okto­ber 2020 bis Februar 2021) auf 36 Prozent und lag zuletzt (März 2021) noch bei 32 Prozent.

Das WIdO aktualisiert mit den vorliegenden Daten eine Auswertung aus dem März, die anlässlich der Vorstellung des Krankenhaus-Reportes 2021 veröffentlicht worden ist. Basis sind die Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten, die etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung abbilden. Für die COVID-19-Analy­sen wurden die Daten von rund 130.000 Patienten mit bestätigter COVID-19-Diagnose ausgewertet, die vom 1. Februar 2020 bis zum 31. März 2021 in die deutschen Krankenhäuser aufgenommen wurden. © afp/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 29. Juli 2021, 16:23

Super, endlich können die Kassen die Ärzte wieder mal so richtig abzocken

Denn nichts anderes bedeutet es, wenn es in dem Beitrag heißt:
Zitatbeginn:
„Möglicherweise befördert die Pandemie hier einen grundlegenden Strukturwandel in der Versorgung ambulant-sensitiver Fälle. Deutschland hat im europäischen Vergleich einen sehr hohen An­teil solcher Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden, während dies in anderen Ländern schon deut­lich länger ambulant funktioniert.“
Zitatende

Wenn Leistungen aus dem stationären Bereich, wo sie die Kassen viel Geld kosten, in den ambulanten Bereich, wo sie keinen Cent kosten, verlagert werden können, dann haben die Kassen allen Grund zum frohlocken.

Denn dann zahlen nicht die Kassen für die Behandlung von "Diabetes, Herzschwäche oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)" - sondern die Ärzte bezahlen es. Die Kosten gehen nämlich zu Lasten der "mit befreiender Wirkung gezahlten Gesamtvergütung".

Das versteht eigentlich jeder. Das verstehen sogar Ärztefunktionäre, weil blöd sind die ganz bestimmt nicht. Die verfolgen halt im Einzelfall lediglich andere Interessen als die Masse der KV-Mitglider. Die Ärztefunktionäre verfolgen nämlich zuerst einmal ihre eigenen, höchstpersönlichen Interessen. Die Interessen der gewöhnlichen KV-Mitglieder fallen dabei zwangsläufig hinten runter. Denn "mehr war nicht drin".
:-)
LNS
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