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Medizin

Coronavarianten lassen Hospitalisierungs­raten ungeimpfter Schwangerer ansteigen

Freitag, 30. Juli 2021

/milanmarkovic78, stock.adobe.com

Oxford – Infektionen mit den SARS-CoV-2-Varianten Alpha und Delta sind bei schwangeren Frauen offenbar mit schwereren Erkrankungen und schlechteren Schwangerschaftsoutcomes assoziiert als Infektionen mit der ursprünglichen SARS-CoV-2-Variante, die an sich schon das Risiko erhöht hatte.

Impfungen schützen die Schwangeren aber effektiv vor diesen Gefahren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Universität Oxford, die als Preprint auf medRxiv veröffentlicht wurde (DOI: 10.1101/2021.07.22.21261000).

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Eine COVID-19-Erkrankung stellt für Mutter und Kind ein signifikantes Risiko dar: Schwangere Frauen erkranken mit erhöhter Wahrscheinlichkeit schwer an COVID-19. Etwa 1 von 10 schwangeren Frauen, die mit COVID-19-Symptomen aufgenommen wird, benötigt eine intensivmedizinische Behandlung. Und 1 von 5 Schwangeren, die mit COVID-19-Symptomen hospitalisiert werden, hat eine Frühgeburt.

Im Vereinigten Königreich, wo die Studie durchgeführt wurde, wird Schwangeren zur Impfung gegen COVID-19 geraten. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) aktuell keine generelle Impfung für Schwangere. Schwangere haben aber die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Ausgewertet wurden die Daten von 3.371 Frauen, die von Beginn der Pandemie bis 11. Juli 2021 in der Schwangerschaft mit symptomatischer COVID-19-Erkrankung in ein Krankenhaus aufgenommen wurden.

Schwere der Erkrankung nimmt von Variante zu Variante zu

Die Autoren berichten, dass die Schwere der Erkrankungen bei den Frauen zugenommen habe. In der 1. Coronawelle hätten noch 24 Prozent der aufgenommenen Frauen eine moderate bis schwere Erkran­kung aufgewiesen. Nachdem Alpha sich durchgesetzt hatte, waren es schon 36 Prozent, und unter Vor­herrschaft von Delta stieg die Zahl auf 45 Prozent.

Die im Alpha-Zeitraum hospitalisierten Schwangeren benötigten häufiger Atemunterstützung, ent­wickelten häufiger eine Pneumonie und mussten häufiger auf der Intensivstation behandelt werden als Frauen in der 1. Welle. Bei Schwangeren, die seit Beginn der Delta-Dominanz ins Krankenhaus gekom­men sind, waren diese Risiken noch einmal stärker erhöht.

Kinder, die im Alpha-Zeitraum zur Welt kamen, mussten häufiger auf einer Neugeborenenstation statio­när behandelt werden als in der 1. Welle. Hier zeigte sich bisher noch kein Unterschied zum Delta-Zeitraum, doch etwa die Hälfte der in diesem Zeitraum aufgenommenen Schwangeren muss erst noch gebären.

Keine COVID-19-Hospitalisierungen nach vollständiger Impfung

Impfdaten der Schwangeren wurden ab 1. Februar 2021 erhoben. Demnach waren von 742 seither aufge­nommenen Schwangeren nur 4 geimpft und diese auch nur mit 1 Dosis. Eine vollständige Impfung hatte keine der Frauen.

Das bedeute, so die Autoren, dass 99 Prozent der schwangeren Frauen, die mit symptomatischer COVID-19-Erkrankung hospitalisiert wurden, nicht geimpft gewesen seien. Zum Vergleich: In der Allgemein­bevöl­kerung sind nur 60 Prozent der Patienten, die mit COVID-19 ins Krankenhaus kommen ungeimpft.
Im Vereinigten Königreich sind bereits rund 55.000 schwangere Frauen 1- oder 2-fach gegen COVID-19 geimpft worden.

„Es sind extrem gute Nachrichten, dass so wenige geimpfte Schwangere mit COVID-19 ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten“, betont Marian Knight, Professorin für Maternal and Child Population Health am Nuffield Department of Population Health der Universität Oxford und federführende Autorin der Studie.

Doch es sei besorgniserregend, fährt die Wissenschaftlerin fort, dass die Hospitalisierungen von Schwan­geren mit COVID-19 zunähmen und dass schwangere Frauen offenbar von der Delta-Variante der Erkran­kung stärker betroffen seien.

Nutzen der COVID-19-Impfung „für Mutter und Kind eindeutig“

„Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es für schwangere Frauen ist, sich impfen zu lassen, um sich selbst und ihr Baby zu schützen“, so Knight. Bis sie geimpft seien, müssten Schwangere weiter ex­trem gut darauf achten, alle Abstandsregeln einzuhalten, eine Maske zu tragen und sich mit anderen Menschen möglichst nur draußen zu treffen.

Nicola Vousden, Erstautorin der Studie, ebenfalls von der Universität Oxford, betonte, dass weltweit mitt­lerweile 200.000 schwangere Frauen eine Impfung gegen COVID-19 erhalten hätten, 50.000 davon allei­ne im Vereinigten Königreich. Und diese Studie zeige, dass sehr wenige schwangere Frauen mit COVID-19 in ein Krankenhaus aufgenommen werden müssen, nachdem sie die Impfung erhalten haben.

Andere Studien hätten zudem gezeigt, dass geimpfte Schwangere die Antikörper an ihre Babys weiter­geben. Der Nutzen für Mutter und Kind sei eindeutig. © nec/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #789658
2haeschen
am Samstag, 31. Juli 2021, 12:38

@Schroeder2021

Es bleibt die Frage ... was ist denn Gesundheit wert ...
Avatar #892296
Schroeder2021
am Samstag, 31. Juli 2021, 10:35

Haftungsfrage geklärt

Vielen Dank für Ihre zügigen Rückmeldungen und Erfahrungsberichte. Wir werden versuchen, das umzusetzen. Die Haftungsfrage ist inzwischen ja sogar bundesweit geklärt: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/haftungsfrage-zur-covid-19-impfung-fuer-schwangere-und-stillende-frauen-geklaert/
Es bleibt zu hoffen, dass sich auch dies positiv auf die Impfbereitschaft der Frauenärzt:innen auswirkt.
Avatar #892307
CBS21
am Samstag, 31. Juli 2021, 06:52

Impfangebot für Schwangere

Auch ich bin aktuell in der 28. Woche schwanger und habe lange dafür kämpfen müssen geimpft zu werden.

Hier meine Erkenntnisse: Es geht prinzipiell bei der Impfung, um das rechtliche Haftungsrisiko, dass ein Arzt aufgrund der fehlenden STIKO-Empfehlung übernehmen müsste. Impfzentren und Betriebsärzte impfen nur, wenn eine schriftliche Impfempfehlung eines Facharztes (Gynäkologe, Hausarzt) vorliegt. Wenn der Gynäkologe die Empfehlung nicht ausstellen möchte, empfiehlt es sich solange Ärzte (Hausärzte, Gynäkologen) abzutelefonieren bis sie denjenigen in ihrer Umgebung finden, der/die aus Überzeugung auch Schwangere impft bzw. die Empfehlung ausstellt. Es gibt scheinbar eine Leitlinie, die besagt, dass auch auf expliziten Wunsch der Schwangeren und nach vorheriger Aufklärung Schwangere mit mRNA gegen Covid geimpft werden können.

Der zweite Weg wäre über das Bundesland Sachsen. Die sächsische Impfkommission empfiehlt die Impfung von Schwangeren, d.h. hier gibt es das Haftungsrisiko für Ärzte nicht. Man kann Ärzte oder Impfzentren hier ansprechen, die Situation schildern, um einen Termin bitten. Eine wohnhaft in Sachsen ist dafür nicht notwendig.

Bitte nach erfolgreicher Impfung an der Studie teilnehmen: https://www.embryotox.de/das-institut/aktuelles/details/beobachtungsstudie-zu-covid-19-impfungen-in-der-schwangerschaft/

Hoffentlich verbessert, dass für die STIKO die Datenlagen, sodass sie eine Impfempfehlung für Schwangeren herausgeben.
Avatar #892305
F._1991
am Samstag, 31. Juli 2021, 03:41

Impfangebot für Schwangere

Ich bin selber aktuell schwanger (20 SSW) und kann nur bestätigen, wie schwierig es ist eine Impfung zu erhalten. Sowohl das Impfzentrum als auch meine Betriebsärztin haben mich abgewiesen aufgrund von fehlender Stiko-Empfehlung und meine Gynäkologin hatte bis vor zwei Wochen kaum Impfstoff, während wo anders welcher weggeschmissen wurde...

Ich kann daher auch nur den Weg über einen Hausarzt oder einen Gynäkologen empfehlen (hier auch mit dem Verweis auf die Empfehlung der eigenen Fachgesellschaft).
@Schroeder2021 sollte die Gynäkologin sich weiterhin weigern würde ich die Ärztin wechseln.
@wolf-2 Das Problem ist, dass viele Impfzentren Schwanger ablehnen und das nur Biotech oder Moderna in Frage kommen.

Avatar #7908
wolf-2
am Freitag, 30. Juli 2021, 23:20

Wege zur Impfung

Ich sehe grundsätzlich zwei Wege: ein guter Hausarzt oder eine Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca über ein Impfzentrum. Dort gibt es viele Dosen, die dem Abfalleimer entgegen dämmern.
Avatar #892296
Schroeder2021
am Freitag, 30. Juli 2021, 23:02

Wie ist die Impfung für Schwangere in Deutschland möglich?

In Absatz vier steht, dass eine Impfung für Schwangere in Deutschland möglich ist. Wie und wo genau geht das? Meine schwangere Frau möchte sich sehr gerne impfen lassen. Die Frauenärztin weigert sich seit Monaten mit Verweis auf die fehlende Stiko-Empfehlung und da meine Frau keiner Risikogruppe angehöre (obwohl sogar ein erhöhtes Expositionsrisiko durch unser schulpflichtiges Kind besteht). Was müssen wir tun, damit meine Frau die Impfung erhalten kann? Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
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