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Politik

Mehrere Bundesländer geben ungenutzte Impfdosen an Bund zurück

Freitag, 30. Juli 2021

/picture alliance, Urman Lionel, ABACA

Hamburg/Berlin – Vor dem Hintergrund einer nachlassenden Impfnachfrage gegen SARS-CoV-2 geben erste Bundesländer ungenutzte Impfdosen an den Bund zurück. So wollen Hamburg und Berlin Zehntau­sende Impfdosen zurückführen. Andere Bundesländer prüfen noch oder beabsichtigen dies derzeit nicht.

In einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hatte das Bundesgesundheits­ministeri­um den Ländern die Möglichkeit eröffnet, „Impfstoffdosen, die in der nationalen Impfkampagne nicht mehr zum Einsatz kommen und deren Lagerhaltung eine Weitergabe an Drittstaaten im Rahmen von Spenden zulassen“, an das zentrale Lager des Bundes zurückzugeben.

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Die Impfstoffe sollten noch mindestens zwei Monate haltbar sein. Impfstoff aus Arztpraxen sowie von Betriebsärzten soll nicht an den Bund zurückgeführt werden. Als erstes sollen COVID-19-Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson an den Bund zurückgehen, die in Verteilzentren gelagert und diese seit Lieferung durch den Bund nicht verlassen haben.

„Nur so kann die pharmazeutische Qualität, Wirk­sam­keit und Unbedenklichkeit der COVID-19-Impfstoffe unter Einhaltung der erforderlichen Lagerungs- und Transportbedingungen sichergestellt werden“, heißt es in dem Schreiben.

„Hamburg wird von dieser Möglichkeit Gebrauch machen“, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich. Es gehe um einen Lagerbestand von rund 6.000 Fläsch­chen mit rund 60.000 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca.

„Dieser Impfstoff ist noch mindestens drei Monate haltbar.“ Auch beim Vakzin von Johnson & Johnson gebe es einen Lagerbestand. „Hiervon haben wir gegenwärtig etwa 24.000 Dosen vorrätig.“ Das Mittel werde aber bei den mobilen Impfaktionen – etwa in Jobcentern – eingesetzt.

Berlin will bis zu 62.400 Impfdosen an den Bund zurückgeben, hieß es aus der Gesundheitsverwaltung. Demnach handelt es sich um den aktuellen Lagerbestand des Vakzins von Astrazeneca, der noch mehrere Monate haltbar ist.

Die Gesundheitsministerien in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein prüfen Sprechern zufolge noch eine Rückgabe von Impfdosen. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Baden-Württemberg teilte mit, dass das Land rund 450.000 Dosen Astrazeneca zurückgeben wolle. Weitere 4.000 Dosen Astrazeneca mit Verfallsdatum Ende Juli sollen entsorgt werden.

In Rheinland-Pfalz ist eine Rückgabe von Impfdosen im Moment noch kein Thema. Ein Sprecher des Ge­sundheitsministeriums in Mainz sagte: „Derzeit erreichen wir voraussichtlich nahezu eine Vollver­wertung des angelieferten Impfstoffs vor Ablaufdatum.“ Sollte dies künftig nicht mehr gewähr­leistet sein – dies be­träfe voraussichtlich erst im Oktober Chargen von Astrazeneca – könnte sich Rheinland-Pfalz vorstell­en, das Angebot des Bundes zur Rückgabe anzunehmen.

Auch Niedersachsen hält Impfstoffretouren an den Bund für wahrscheinlich. Es sei aber noch nicht ab­sehbar, wie viele Impfdosen zurückgegeben werden, sagte eine Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover. Dass es sich dabei vor allem um Dosen des Vakzins von Astrazeneca gehe, liege nahe.

Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) sollten auch Arztpraxen ungenutz­ten Coronaimpfstoff an den Bund zurückgeben können, damit dieser zum Beispiel an Drittländer gespen­det werden kann. Für Arztpraxen ist diese Rückgabemöglichkeit bislang nicht vorgesehen.

Die KVN äußerte darüber Unverständnis: „In vielen Praxen lagert noch Impfstoff von Astrazeneca, der hochwirksam und noch gebrauchsfähig ist, aber aufgrund der Debatte um mögliche Nebenwirkungen von vielen Impfwilligen zurückgewiesen wird“, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende Jörg Berling. „Der Bund muss einen Weg finden, diesen Impfstoff rasch aus den Praxen in die Verteilzentren zurückzufüh­ren, um ihn dann anderweitig zu verbrauchen.“

Bedenken, dass die pharmazeutische Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Impfstoffe bei einer Rückgabe aus den Praxen nicht sichergestellt werden könne, wies Berling zurück. „Die Kühlkette ist von der Produktion bis zur Verimpfung in den Praxen lückenlos sichergestellt. Es wäre sicher möglich, den Weitertransport des Impfstoffes unter Einhaltung derselben hohen Standards zu organisieren, die für den Transport in die Praxen gelten.“ © dpa/aerzteblatt.de

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