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Ärzteschaft

Heidelberger Pathologe pocht auf mehr Obduktionen von Geimpften

Montag, 2. August 2021

/Kurt Flügel, stock.adobe.com

Stuttgart/Heidelberg – Der Chefpathologe der Uni Heidelberg, Peter Schirmacher, drängt zu viel mehr Obduktionen von Geimpften. Neben Coronatoten müssten auch die Leichname von Menschen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung sterben, häufiger untersucht werden, sagte Schirmacher der Deutschen Presse-Agentur.

Der Direktor des Pathologischen Instituts in Heidelberg warnt gar vor einer hohen Dunkelziffer an Impftoten und beklagt: Von den meisten Patienten, die nach und möglicherweise an einer Impfung sterben, bekämen die Pathologen gar nichts mit. Allerdings widersprechen ihm in dem Punkt andere Wissenschaftler ebenso wie die Ständige Impfkommission (STIKO) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

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Seit einem Jahr werden an den Unikliniken im Südwesten Coronatote obduziert, um die Erkrankung besser zu verstehen. Das Land unterstützt die COVID-19-Obduktionsforschung der Universitätspatho­logien mit rund 1,8 Millionen Euro. Schirmacher leitet das Autopsieprojekt. Die Erkenntnisse von bislang mehr als 200 Obduktionen hätten unter anderem zu einer besseren Behandlung und Beatmung von COVID-Erkrankten geführt, sagt er.

„Die hier gewonnen Erkenntnisse helfen also dabei, Erkrankte nun besser und erfolgreicher behandeln zu können und Leben zu retten“, sagt auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Schirmacher, seit 2012 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, hofft, dass die Förderung nächstes Jahr fortgesetzt wird.

Der Mediziner will nun verstärkt seltenen, schweren Nebenwirkungen des Impfens – etwa Hirnvenen­throm­bosen oder Autoimmunerkrankungen – auf den Grund gehen. Das Problem aus seiner Sicht: Geimpfte sterben meist nicht unter klinischer Beobachtung. „Der leichenschauende Arzt stellt keinen Kontext mit der Impfung her und bescheinigt einen natürlichen Tod und der Patient wird beerdigt“, berichtet Schirmacher. „Oder er bescheinigt eine unklare Todesart und die Staatsanwaltschaft sieht kein Fremdverschulden und gibt die Leiche zur Bestattung frei.“

In Baden-Württemberg arbeiteten die Pathologen daher mit Staatsanwaltschaften, der Polizei und niedergelassenen Ärzten zusammen, berichtet Schirmacher. Mehr als 40 Menschen habe man bereits obduziert, die binnen zwei Wochen nach einer Impfung gestorben sind. Schirmacher geht davon aus, dass 30 bis 40 Prozent davon an der Impfung gestorben sind. Die Häufigkeit tödlicher Impffolgen wird aus seiner Sicht unterschätzt – eine politisch brisante Aussage in Zeiten, in denen die Impfkampagne an Fahrt verliert, die Delta-Variante sich rasant ausbreitet und Einschränkungen von Nichtgeimpften diskutiert werden.

Schirmacher erhält denn auch deutlichen Widerspruch von anderen Wissenschaftlern. Die Aussagen, man wisse derzeit zu wenig über Nebenwirkungen und die Gefahren des Impfens würden unterschätzt, seien nicht nachvollziehbar, teilte das Paul-Ehrlich-Institut mit.

Insbesondere für schwerwiegende Reaktionen, zu denen auch gehört, wenn ein Mensch nach einer Impfung stirbt, bestehe eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz. „Ich kenne keine Daten, die hier eine begründbare Aussage zulassen und gehe nicht von einer Dunkelziffer auf“, sagte der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens.

Für die Annahme einer hohen Dunkelziffer von Impfkomplikationen oder gar Todesfällen bestehe kein Anlass, betonte auch der Immunologe Christian Bogdan von der Uniklinik Erlangen. „Auch kann von einer Vernachlässigung möglicher Gefahren von COVID-19-Impfstoffen nicht die Rede sein.“ Gerade die letzten Wochen und Monate hätten gezeigt, dass das Surveillance-System gut funktioniere. So sei in Deutschland sehr frühzeitig das seltene Auftreten von Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung mit Astrazeneca (1-2 Fälle auf 100.000 Impfungen) als Komplikation erkannt worden, sagt Bogdan.

Schirmacher beharrt auf seiner Meinung. „Die Kollegen liegen da ganz sicher falsch, weil sie diese spezifische Frage nicht kompetent beurteilen können“, reagierte er. Er wolle keine Panik verbreiten und sei keinesfalls ein Impfgegner, sagt der Professor, der sich selbst nach eigenen Angaben gegen Corona impfen ließ. Die Impfung sei ein wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen das Virus, stellt er klar.

Aber man müsse die medizinischen Gründe für eine Impfung individuell abwägen. Aus seiner Sicht wird die „individuelle Schutzüberlegung“ überlagert vom Gedanken der schnellen Durchimpfung der Gesellschaft.

Auch der Bundesverband Deutscher Pathologen dringt auf mehr Obduktionen von Geimpften. Nur so könnten Zusammenhänge zwischen Todesfällen und Impfungen ausgeschlossen oder nachgewiesen werden, sagt Johannes Friemann, der Leiter der Arbeitsgruppe Obduktion in dem Verband. Allerdings wird aus seiner Sicht noch zu wenig obduziert, um von einer Dunkelziffer zu sprechen. „Man weiß noch gar nichts.“

Hausärzte und Gesundheitsämter müssten sensibilisiert werden. Die Länder müssten die Gesundheits­ämter anweisen, vor Ort Obduktionen anzuordnen. Das hatte der Pathologen-Bundesverband bereits im März in einem Schreiben an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert. Er blieb unbeantwortet, sagt Friemann. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #559410
anirolf
am Donnerstag, 26. August 2021, 15:33

Meldedefizit für Verdacht auf Tod durch Corona-Impfung

Prof. Mertens schließt eine Dunkelziffer an Impftoten aus, weil es eine Meldepflicht nach § 6(1) Satz 3 IfSG gibt. Eine Meldepflicht bedeutet aber noch lange nicht, dass auch gemeldet wird. Seinerzeit gab es ein großes Meldedefizit bezüglich der vielen Coronatoten in 2020. Durch die beratende infektionshygienische Begleitung im Gesundheitsamt mit fast täglichen Kontakten zu den betroffenen Einrichtungen erfuhren wir genau, welche Heimbewohner positiv getestet wurden und nach typischem Verlauf starben. Um die entsprechenden Meldungen nach dem IfSG anzumahnen und zu überwachen, wurde eigens eine Mitarbeiterin abgestellt, bis es dann irgendwann "lief". Der Verdacht auf eine Impfschädigung mit Todesfolge ist ungleich schwerer zu stellen, weil dies oft nur durch Ausschluss anderer Ursachen möglich ist. Zudem würde den Angehörigen unter Umständen eine Obduktion zugemutet. Mir ist aber auch der Fall einer Frau mittleren Alters bekannt, die wenige Tage nach einer Impfung unerwartet starb, die Angehörigen nach einer Obduktion fragten, die von den beteiligten Stellen nicht für nötig befunden wurde. In einem anderen Fall zu vermutender impfassoziierter PNP wusste der beh. Arzt nicht, wie er die Komplikation melden sollte. Eine Kollegin, die im hiesigen Gesundheitsamt früher Impfschäden nach dem Sozialen Entschädigungsrecht begutachtet hat, schätzt im Nachhinein, dass ursprünglich nur die Hälfte der Fälle gemeldet wurde, bevor die Betroffenen einen Antrag auf Anerkennung eines Impfschadens beim Versorgungsamt gestellt haben. Aktuell sinkt die Zahl der Coronatoten und nähert sich demzufolge der Zahl der Impftoten an. Für die weiteren Impfempfehlungen sind Verdachtsmeldungen auf Impfkomplikationen mit oder ohne Todesfolge umso wichtiger. Vielleicht könnte eine Ankreuzmöglichkeit auf den Todesbescheinigungen zur stattgehabten Impfung in einem bestimmten Zeitraum vor dem Tod Abhilfe bringen, denn Todesbescheinigungen werden für wirklich jeden Verstorbenen ausgefüllt.
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 5. August 2021, 01:11

Was zeigte sich hier?

Wann und wo wurde hier genau was gezeigt?
Avatar #966343
minmate
am Mittwoch, 4. August 2021, 20:23

Man braucht viel mehr Obduktionen von Geimpften

Man liest:
"Peter Schirmacher drängt zu viel mehr Obduktionen von Geimpften."

"Allerdings widersprechen ihm [...] (STIKO) und [...] (PEI). Seit einem Jahr werden an den Unikliniken im Südwesten Coronatote obduziert"

Der Eine sagt "Obduktionen von Geimpften" und die Antwort lautet "Obduktionen von Coronatote". Da muss jemand vor Obduktionen von Geimpften wirklich Angst haben. Und es geht weiter:

Der Eine sagt: "Das Problem aus seiner Sicht: Geimpfte sterben meist nicht unter klinischer Beobachtung. „Der leichenschauende Arzt stellt keinen Kontext mit der Impfung her und bescheinigt einen natürlichen Tod und der Patient wird beerdigt.“ und die Antwort lautet "wenn ein Mensch nach einer Impfung stirbt, bestehe eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz."

Ja wie denn??? Wenn der leichenschauende Arzt keinen Zusammenhang mit der Impfung sehen will, wird es PEI nie erfahren. Deshalb MUSS man Geimpfte obduzieren! Und wenn man das nicht machen will, dann hat man den Schutz der Bevölkerung überhaupt nicht im Sinn.
Avatar #966319
staph
am Mittwoch, 4. August 2021, 20:02

Eine zeitliche Korrelation...

...muss ja noch lange kein Zusammenhang sein, das zeigten die Todesfälle nach Impfungen in Pflegeheimen hinreichend. Und sofern man zwischen Korrelation und echtem Zusammenhang nicht differenzieren kann, muss eben die Todesursache differenzierend sein, also ganz spezifisch für Impfungen sein, sodass sie unter anderen Umständen nicht auftreten kann. Welche wäre das? Hirnvenenthrombosen sind vielleicht ein Kandidat, aber auch die treten mitunter ohne Impfungen in der Bevölkerung auf. Wenn man keine für Impfungen spezifische Todesart hat, braucht man eine Kontrolle, um zumindest den Unterschied zu ungeimpften Personen aufzeigen zu können.
Avatar #966319
staph
am Mittwoch, 4. August 2021, 16:05

Kontrollgruppe

Wurde denn zeitgleich auch eine Kontrollgruppe von genauso vielen ungeimpften verstorbenen Personen mit ähnlichen Eckdaten untersucht? Also ähnlich alt und mit unklarer Todesart im selben Zeitraum? Ansonsten sind die Daten wenig aussagekräftig.
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