StudierenNewsMedizinImmun-Chemotherapie-­Kombination beim Magenkarzinom: Ein großer Schritt vorwärts
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Immun-Chemotherapie-­Kombination beim Magenkarzinom: Ein großer Schritt vorwärts

Mittwoch, 22. September 2021

/Crystal light, stock.adobe.com

Die Studie CheckMate 649 (Lancet, 2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00797-2) festigt die Rolle der Immuntherapie in der Erstlinienchemotherapie von Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom (MC), Karzinomen des gastroösophagealem Übergangs (GEJC) sowie Adenokarzinomen des Ösophagus (EAC).

Die Kombination von Nivolumab (Nivo) mit einer Standardchemotherapie führte in der verlängerten Nachbeobachtung der Phase-3-Studie CheckMate 673 zu einem fortbestehenden und klinisch relevan­ten Überlebensvorteil bei akzeptabler Toxizität gegenüber einer Chemotherapie alleine. Prof. Dr. Florian Lordick vom Krebszentrum der Universität Leipzig bezeichnete dies in seinem Kommentar anlässlich des virtuellen ESMO-Kongresses 2021 als großen Schritt nach vorne für die Therapie des Magenkarzinoms: CheckMate 649 ist seit Jahren die erste positive Phase-3-Studie in dieser Indikation.

An der Studie CheckMate 649 nahmen erwachsene Patienten mit bislang unbehandeltem, nicht resek­tablem fortgeschrittenen oder metastasierten GC/GEJC/EAC teil. Etwa 70% der Patienten litten an einem GC. Eine Einschränkung hinsichtlich der Expression des Biomarkers Programmed Death-Ligand 1 (PD-L1) gab es nicht. Ausgeschlossen wurden aber Patienten mit bekanntem HER2-positivem Status.

Randomisiert hatten die Patienten eine von 3 Therapien erhalten:

• Nivolumab (Nivo; 360 mg alle 3 Wochen oder 240 mg alle 2 Wochen) plus Chemotherapie (Chemo, Capecitabine und Oxaliplatin [XELOX] alle 3 Wochen oder Leucovorin, Fluorouracil und Oxaliplatin [FOLFOX] alle 2 Wochen),
• Chemo alleine (XELOX alle 3 Wochen oder FOLFOX alle 2 Wochen)
• Nivo 1 mg/kg plus Ipilimumab (Ipi; 3 mg/kg alle 3 Wochen), nach 4 Applikationen nur noch Nivo (240 mg alle 2 Wochen) – dieser Arm war vorzeitig aufgrund der erhöhten Toxizität und frühen Todesfällen gestoppt worden.

Festgelegt worden waren 2 koprimäre Endpunkte, die jeweils unabhängig zentral begutachtet wurden: Das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS) in den Armen Nivo+Chemo und Chemo alleine bei Patienten mit einer PD-L1-Expression nach dem Combined Positive Score (CPS) von ≥ 5.

In der kürzlich in The Lancet Oncology publizierten Primärauswertung der Arme Nivo+Chemo und Chemo alleine zeigte sich mit Nivo-Chemo ein verbessertes OS und PFS sowohl in der Gruppe der Patienten mit CPS ≥ 5 als auch in der Gesamtpopulation der Patienten. Das bestätigte sich in der beim ESMO 2021 vorgestellten Auswertung nach weiteren 12 Monaten Beobachtungszeit, die Prof. Dr. Yelena Y. Janjigian vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York vorstellte.

Für den Vergleich der Therapie mit Nivo-Chemo versus Chemo alleine waren Daten von 1.581 Patienten mit einer medianen Beobachtungszeit von 24 Monaten ausgewertet worden. 60% wiesen eine PD-L1-Expression ≥ 5 auf. Das mediane OS lag bei den PD-L1-positiven Patienten mit Nivo+Chemo bei 14,4 Monaten, mit Chemo alleine bei 11,1 Monaten. Das entspricht einer Risikoreduktion um 30 % (Hazard Ratio [HR] 0,70; 95 % Konfidenzintervall [KI] 0,61 – 0,81).

Der OS-Vorteil von Nivo+Chemo war auch in der Gesamtpopulation der Patienten zu beobachten. Das mediane OS in der Gesamtkohorte betrug im Nivo-Chemo-Arm 13,8 Monate, im Arm mit Chemo alleine 11,6 Monate (HR 0,79; 95 % KI 0,71–0,88). Besonders ausgeprägt war der OS-Vorteil bei Patienten mit ausgeprägte Mikrosatelliteninstabilität (HR 0,38; 95-%-KI 0,17–0,83).

Das PFS war mit Nivo+Chemo in der Gruppe der PD-L1-positiven Patienten um 2 Monate gegenüber der Chemo alleine verlängert (medianes PFS 8,1 vs. 6,1 Monate, HR 0,70; 95-%-KI 0,60–0,81), über alle Patienten hinweg um weniger als einen Monat (medianes PFS 7,7 vs. 6,9 Monate; HR 0,79; 95-%-KI 0,70 – 0,89).

Fast alle Patienten entwickelten unerwünschte behandlungsassoziierte Effekte (TRAE). Einen Grad 3 oder 4 erreichten diese Komplikationen bei kombinierter Therapie mit Nivo+Chemo bei 60 % der Patienten, mit Chemo alleine bei 45 % der Patienten, besonders häufig waren in beiden Gruppen Neutropenien. 38 % der Patienten brachen im Nivo-Chemo-Arm die Behandlung wegen TRAE ab, mit Chemo alleine 25 %.

Erstmals stellte Prof. Janjigian auch Ergebnisse zum Vergleich der kombinierten Immuntherapie mit der Chemo alleine vor. Für diese Auswertung standen wegen des frühzeitigen Abbruchs dieses Studienteils Daten von 813 Patienten mit einer medianen Beobachtungsdauer von mindestens 35,7 Monaten zur Verfügung. 58 % der Patienten wiesen eine PD-L1-Expression ≥ 5 auf.

Ein Vorteil der kombinierten Immuntherapie gegenüber der Chemotherapie zeigte sich nicht. Das mediane OS der Patienten mit einem CPS ≥ 5 lag bei Nivo+Ipi-Therapie bei 11,2 Monaten, bei Chemo­therapie alleine bei 11,6 Monaten (HR = 0,89; 96,5-%-KI 0,71–1,10; p = 0,2302). Über alle Patienten hinweg betrug das mediane OS in den beiden Studienarmen 11,7 und 11,8 Monate (HR 0,91; 96,5-%-KI 0,77–107). Danach bleibt die Kombination Nivo-Chemo die neue Therapie der Wahl zur Erstlinien­therapie von Patienten mit fortgeschrittenem, nicht operablem GC/GEJC/EAC.

Am 17. September 2021 teilte BMS mit, dass das Unternehmen ein positives Votum des CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu dieser Therapie erhalten hat. Das CHMP befürwortet die Zulassung von Nivolumab (Opdivo) in Kombination mit einer Fluoropyrimidin- und platinhaltigen Chemotherapie als Erstlinientherapie von erwachsenen Patienten mit einem HER2-negativen, fortgeschrittenen oder metastasierten Karzinom von Magen oder gastroösophagealem Übergang oder einem Adenokarzinom des Ösophagus mit einer PD-L1-Expression (CPS) von ≥ 5. © fk/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER