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Medizin

SARS-CoV-2: Schutzwirkung von BNT162b2 lässt etwas schneller nach als bei mRNA-1273

Montag, 20. September 2021

/picture alliance, Laci Perenyi

Atlanta/Georgia – Die Schutzwirkung lässt beim mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer offenbar schneller nach als bei der höher dosierten mRNA-Vakzine von Moderna. Dies zeigen die Ergebnisse einer Test-negativen Fall-Kontrollstudie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR, 2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7038e1), in der der 1-Mal-Impfstoff von Janssen/Johnson & Johnson die schwächste Impfstoffwirkung erzielte.

Test-negative Fall-Kontrollstudien werden seit längerem zur Abschätzung der Wirksamkeit der jährlichen Grippeimpfung eingesetzt. Dazu werden an Kliniken alle Patienten, die mit grippeartigen Beschwerden aufgenommen werden, auf eine Infektion getestet. Dann wird der Anteil der Geimpften unter den positiv getesteten (Fälle) mit dem Anteil der Geimpften unter den negativ getesteten (Kontrolle) verglichen. Daraus lässt sich die Impfstoffwirksamkeit ermitteln.

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Das „Influenza and Other Viruses in the Acutely Ill“ (IVY) der CDC hat eine Test-negative Fall-Kontroll­studie zu COVID-19 durchgeführt. Teilnehmer waren 3.689 Patienten, die an 21 Kliniken wegen COVID-19-Beschwerden im Krankenhaus behandelt wurden. Bei 1.682 Patienten fiel der PCR-Test auf SARS-CoV-2 positiv und bei 2.007 Patienten negativ aus.

Das CDC-Team um Manish Patel ermittelt für den Moderna-Impfstoff mRNA-1273 eine Wirksamkeit von 93 % (95-%-Konfidenzintervall 91 % bis 95 %). Für BNT162b2 von Biontech/Pfizer lag sie bei 88 % (85 % bis 91 %). Der Janssen-Einzeldosisimpfstoff erzielte mit 71 % (56 % bis 81 %) eine etwas niedrigere Schutzwirkung. In den ersten Wochen entsprach die Impfstoffwirksamkeit noch den Ergebnissen aus den Zulassungsstudien. Dort hatten BNT162b2 und mRNA-1273 eine Schutzwirkung von 95 % erreicht, bei Ad26.COV2 lag sie bei 66 %.

Inzwischen ist eine Abschwächung der Wirkung für BNT162b2 von Biontech/Pfizer erkennbar. Für den Zeitraum ab 120 Tagen nach der 2. Dosis ermitteln die CDC-Mitarbeiter eine Impfstoffwirksamkeit von 77 % (67-84). Für mRNA-1273 lag sie weiterhin bei 92 % (87-96).

Der Grund für die Unterschiede zwischen den beiden mRNA-Impfstoffen ist unklar. Patel vermutet, dass der höhere mRNA-Gehalt im Moderna-Impfstoff – mRNA-1273 enthält 100 µg pro Dosis, BNT162b2 dage­gen nur 30 µg pro Dosis –und das um 1 Woche längere Dosisintervall zu einer insgesamt stärkeren Immunreaktion führt (Beweisen lässt sich dies in einer epidemiologischen Studie nicht).

Für Ad26.COV2 lässt sich die Entwicklung der Immunität noch nicht abschätzen, da der Impfstoff noch nicht so lange im Einsatz ist. Er wurde erst im Februar vorläufig zugelassen. Für den Zeitraum nach den ersten 28 Tagen betrug die Impfstoffwirksamkeit von Ad26.COV2 68 %. Ein weites 95-%-Konfidenzinter­vall von 49 % bis 80 % erklärt sich daraus, dass Ad26.COV2 insgesamt selten eingesetzt wurde.

In einer weiteren Analyse wurden bei 100 gesunden Probanden 2 bis 6 Wochen nach der Impfung die Antikörper gegen die Rezeptorbindungsstelle (RBD) des Spikeproteins untersucht. Auch hier waren die Ergebnisse für den Moderna-Impfstoff mRNA-1273 tendenziell besser: Die Probanden hatten median 4.333 (Interquartilabstand IQR 3.134-7.197) BAU/ml gegenüber 3.217 (IQR 2.048-4.668) BAU/ml nach der Impfung mit BNT162b2 von Biontech/Pfizer. Der Unterschied war allerdings marginal und nicht signifikant.

Die Immunreaktion auf Ad26.COV2 fiel dagegen deutlich schwächer aus. Patel ermittelt eine Konzentra­tion der RBD-Antikörper von median 57 (IQR 26-9). In einer Analyse der Gesamtkonzentration der Spike­antikörper wurden ähnliche Unterschiede gefunden.

Die Analyse der Antikörpertiter lässt allerdings keine sichere Abschätzung der Immunabwehr zu, da er die Reaktion der T-Zellen nicht berücksichtigt. Zu bedenken ist außerdem, dass die Antikörper nur die aktuelle Abwehrbereitschaft erfassen. Die Patienten bilden nach einer Infektion Gedächtniszellen, die nach einer erneuten Infektion eine rasche Aktivierung der Abwehrkräfte ermöglichen und damit schwere Erkrankungen verhindern könnten. © rme/aerzteblatt.de

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