StudierenNewsMedizinSARS-CoV-2: Die meisten Infektionen erfolgen durch Ungeimpfte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

SARS-CoV-2: Die meisten Infektionen erfolgen durch Ungeimpfte

Freitag, 26. November 2021

/lassedesignen, stock.adobe.com

Berlin – Obwohl sie bei einer Impfquote von derzeit über 65 % in der Minderheit sind, tragen Unge­impfte in Deutschland zur Mehrheit aller Infektionen mit SARS-CoV-2 bei. Nach Berechnungen von Forschenden der Humboldt-Universität könnten sie sogar, als Ansteckende oder Angesteckte, an 8 bis 9 von 10 Infektionen beteiligt sein. Maßnahmen zur Infektionskontrolle könnten deshalb in dieser Gruppe besonders wirksam sein.

Die Dynamik einer Epidemie wird neben der Impfquote von der Wirksamkeit der Impfstoffe bestimmt. Ein Team um Dirk Brockmann, der am Robert-Koch-Institut (RKI) eine Projektgruppe zur epidemiolo­gischen Modellierung von Infektionskrankheiten leitet, hat ihren Berechnungen 2 Szenarien zugrunde gelegt.

Anzeige

Im 1. Szenario liegt die Impfstoffwirksamkeit für Jugendliche bei 92 %, für Erwachsene und Senioren bei 72 %. In diesem Szenario hätten zuletzt in 51 % aller Infektionen ungeimpfte Menschen andere unge­impfte Menschen angesteckt, in weiteren 25 % der Fälle hätten Ungeimpfte das Virus an Geimpfte weitergegeben.

Die Übertragung von Geimpften an Ungeimpfte war mit 15 % relativ gering. Noch seltener, nämlich zu 9 %, hätten nach den Berechnungen der Epidemiologen Geimpfte andere Geimpfte infiziert. Zusammen addiert wären Ungeimpfte an 91 % der Infektionen beteiligt.

In einem 2. Szenario wurde eine geringere Impfquote von 60 % für Jugendliche und Erwachsene und von 50 % für Senioren angenommen. Auch in diesem Szenario wären Ungeimpfte an 74 % der Infektionen beteiligt: zu 38 % hätten sie andere Ungeimpfte und zu 29 % Geimpfte infiziert. Zu 17 % wären sie von Geimpften infiziert worden. Die restlichen 16 % würden auf Infektionen unter Geimpften entfallen.

Damit die Epidemie wieder abflaut, müsste der R-Wert (von 1,2 in den Modellberechnungen) auf unter 1 gesenkt werden. Dies könnte durch Einschränkungen bei Geimpften und/oder Ungeimpften geschehen.

Würden die Einschränkungen nur für Ungeimpfte gelten, müsste das Übertragungsrisiko in dieser Gruppe um 22 % bis 25 % sinken, um den R-Wert auf unter 1 zu senken.

Bei Einschränkungen in beiden Gruppen würde eine Reduktion des Übertragungsrisikos um 17 % ausrei­chen. In einem – gesellschaftlich unrealistischen – Szenario würden die Einschränkungen nur für Geimpfte gelten. Dann könnten die Epidemie nur gestoppt werden, wenn in dieser Gruppe das Übertra­gungsrisiko um 52 % bis 73 % gesenkt würde – wobei die Studie offen lässt, woraus die einzelnen Einschränkungen bestehen würden.

Die einfachste Lösung wäre nach den Berechnungen des Forscherteams, wenn die Impfquote auf 90 % steigen würde. Dann könnte der R-Wert (mit einer gewissen Verzögerung) auf 0,86 gesenkt werden, was ein rasches Abflauen der Epidemie bedeuten würde. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #978885
Leser12321
am Dienstag, 30. November 2021, 12:23

Szenarien mit ungesicherten, geschätzten Zahlen

Keine Frage, Impfen schützt sehr effektiv vor schweren Verläufen, das ist entscheidend, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.
In welchem Grad Impfen jedoch vor einer Übertragung des Virus schützt, ist momentan nicht klar. Die Forschenden haben eine Modellrechnung gemacht mit fiktiven Zahlen. Der Überschrift des Artikels und der gesamte Artikel suggerieren gesicherte Zahlen. Im dem schon von Leser70 zitiertem Bericht (Wochenbericht_2021-11-25.pdf (rki.de)) steht: "Die (...) Impfeffektivität gegenüber einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung lag für die vergangenen 4 Wochen (Mittelwert der KW 43 bis 46) in der Altersgruppe 12-17 Jahre bei ca. 90 %, in der Altersgruppe 18-59 Jahre bei ca. 68 % und in der Altersgruppe ≥60 Jahre bei ca. 65 %". Dabei geht es jedoch nur um symptomatische COVID-19 Fälle, sogenannte Impfdurchbrüche, nicht aber um Infektionen (ohne Symptome), die ja auch ansteckend sind. "In welchem Maß die Impfung die Übertragung des Virus reduziert, kann derzeit nicht genau quantifiziert werden": Quelle: RKI - Impfen - COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ).


Mit dieser missverständlich dargestellten Berichterstattung wird die aktuell weitverbreitete Angst vor Ungeimpften verstärkt. Es sollte betont werden, dass aktuell die Impfung insbesondere das Individuum vor einem schweren Verlauf schützt, der Schutz vor Infektion und Übertragung ist unklar. Zu Diskutieren wäre daher meines Erachtens wenn dann eine Impfpflicht für Risikogruppen.
Avatar #860755
BesorgterBürger
am Samstag, 27. November 2021, 15:40

% Ungeimpfte

Was ich auch nicht so recht verstehe, ist, warum man aktuell so tut, dass es so viele Ungeimpfte gibt, die "Schuld" sind und die intensivstation überlasten... wieviele sind denn tatsächlich ungeimpft? rechnen wir mal nach:
+ Kinder bis 12J sind ausgenommen, machen etwa 15% der Bevölkerung aus
+ 68% der Bevölkerung voll geimpft +5% (laut rki, die nicht erfasst wurden)
+8% ("nachweislich" genesene)
= 96%
+ dunkelziffer Genesene x
deswegen sind jetzt die Kinder, die Pandemietreiber?https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.hohe-inzidenzen-in-stuttgart-schueler-sind-die-treiber-bei-den-neuinfektionen.7d15b54f-e561-45c0-af38-b52d7dbf5d4d.html
>> Wenn die Dunkelziffer der Genesenen bei vielleicht 5%, müsste doch trotzdem alles längst durch sein?
jetzt schieben wir es noch auf nachlassende Wirkung der Impfung...ach ne, weil auf der ITS sind ja 90% ungeimpfte... verstehe ich nicht... wer soll denn das sein?
dann müssten ja mittlerweile alle ungeimpften auf der ITS liegen??
und das in einer Größenordnung wie vor der ganzen Impferei?
Avatar #966286
doub
am Freitag, 26. November 2021, 19:30

Einfachste Lösung und rasches Abflauen bei Impfungquote auf 90%

Also ein rasches Abflauen durch die Massnahme Impfquote auf 90% bringen, meinen diese Forscher ernst ? IMPFUNG IST KEINE SCHNELLE MASSNAHME ! 1te Impfung dann Minimum 3 Wochen-6 Wochen warten zur 2ten Impfung dann 2 Wochen bist zum vollen Schutz der zweiten Impfung. Dann ist es sicher das viele eine 3te Impfung brauchen um keinen Impfeinbruch zu bekommen und der sollte nach 5 Monaten erfolgen. Wo ist da ein rasches Abflauen zu erwarten. Es ist zwar nur ein Fall aber dort hat ein Geimpfter auf einer Geburtstagsfeier alle anderen Geimpften angesteckt und diese dann wieder andere Geimpfte und auch die Verläufe einiger waren bisher wie ne starke Erkältung. Mal sehen wie die nächsten Tage so sind. Ebenso gibt es 2 Artikel im The Lancet von Prof. Günter Kampf das gerade die Ungeimpften nicht gerade so einfach als die Treiber der Wellen gesehen werden können. Die Ungeimpften hängen sicher nicht in den Discos, Kneipen und auf dem Weihnachtsmarkt und beim Karneval, sonst schützen sich die Gruppe sicher mehr und verzichtet oder muss sogar auf mehr Verzichten als die jetzigen 2G und 2G+ Feierei-Personen. Aber ja es ist eine Pandemie der Ungeimpften. *facepalm*
Avatar #775189
Leser
am Freitag, 26. November 2021, 18:46

Die Ungeimpften...

Aber müssen die Ungeimpften vielleicht erst mal infiziert sein, damit sie das Virus weitergeben können, also "infizierte Ungeimpfte" sein?
Bei Menschen, die nicht beruflich unterwegs sind und keinen Besuch bekommen, schwierig.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER