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Medizin

SARS-CoV-2 kann Plazenta infizieren, Impfung vermeidet perinatale Todesfälle

Freitag, 14. Januar 2022

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Boston und Edinburgh – US-Pathologen haben erstmals (die Delta-Variante von) SARS-CoV-2 in einer entzündlich veränderten Plazenta nachgewiesen. Ihr Bericht im Journal of Infectious Diseases (2022; DOI: 10.1093/infdis/jiac008) liefert eine Erklärung für die zuletzt gestiegene Rate von Schwanger­schafts­­komplikationen nach einer Infektion mit dem Pandemievirus, vor denen nach einem Bericht in Nature Medicine (2022: DOI: 10.1038/s41591-021-01666-2) eine Impfung weitgehend schützt.

Schon früh in der Pandemie ist aufgefallen, dass eine Infektion in der Schwangerschaft das Risiko auf Komplikationen und einen Verlust des Kindes erhöht. Die Gefahr scheint währen der Delta-Welle ange­stiegen zu sein. Eine Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) kam im November zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Fehlgeburt nach einer Infektion um das 4-fache ansteigt.

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Es war jedoch unklar, ob dies eine Folge der Erkrankung der Mutter war oder ob auch Plazenta und Kind infiziert werden. Die meisten Experten gehen derzeit davon aus, dass das Virus die Plazentaschranke nicht überwindet, weil es bisher nicht zu einem Anstieg von Fehlbildungen gekommen ist, wie sie etwa bei der Röteln- oder zuletzt der Zika-Embryopathie beobachtet wurden.

Einem Team um Andrea Edlow vom Massachusetts General Hospital in Boston ist es jetzt gelungen, die Viren in der Plazenta von 3 Schwangerschaften nachzuweisen, die innerhalb von 14 Tagen nach Krank­heitsbeginn vorzeitig zu Ende waren: 2 Frauen erlitten eine Fehlgeburt, die 3. Frau wurde in der 31. Woche von ihrem Kind entbunden. Das Kind hatte eine mittelgradige metabolische Azidose und erlitt ein Atemnotsyndrom, was die Ärzte allerdings auf die frühe Geburt zurückführten. SARS-CoV-2 konnte bei dem Kind nicht nachgewiesen werden.

Bei allen 3 Frauen wurden in der Plazenta Zeichen einer Entzündung gefunden. In den Trophoblasten wurde mit einer In-situ-Hybridisierung die RNA von SARS-CoV-2 nachgewiesen. Auch der PCR-Test fiel am Plazentagewebe positiv aus. Die Sequenzierung bestätigte, dass die Frauen mit der Delta-Variante infiziert waren. Das Virus wurde auch in Blutproben der Schwangeren nachgewiesen.

Dies spricht dafür, dass SARS-CoV-2 in der aktiven virämischen Phase die Plazenta infiziert hat. Die Viren waren auch auf der fetalen Seite der Plazenta nachweisbar. Die Pathologen hatten jedoch nicht die Erlaubnis erhalten, die beiden verstorbenen Feten zu obduzieren, so dass unklar bleibt, ob es wirklich zu einer Infektion des Kindes gekommen ist.

Edlow ist überzeugt, dass Delta für die Schwangerschaft eine größere Gefahr darstellt als frühere Varianten, bei denen er in einer früheren Untersuchung von 64 Fällen niemals SARS-CoV-2 im Blut oder in der Plazenta gefunden hatte. Ob dies mehr als nur ein persönlicher Eindruck ist, muss offenbleiben.

Fest steht jedoch, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft das Leben des Feten gefährden kann. Dies zeigt sich erneut in einer Analyse von Sarah Stock von der Universität Edinburgh und Mitarbeitern in der COPS-Studie („COVID-19 in Pregnancy in Scotland“). Die Forscher hatten Zugriff auf alle Schwangerschaften in Schottland, die sie mit dem Impfregister abgleichen konnten.

Die Impfkampagne begann in Schottland am 8. Dezember 2020. Bereits ab dem 16. April wurde sie generell auch Schwangeren empfohlen. Die Akzeptanz blieb jedoch gering. Die Impfquote lag im Zeitraum bis zum 31. Oktober 2021 nur bei 32,3 % verglichen mit 77,4 % bei allen Frauen gleichen Alters.

Die Folge war eine erhöhte Rate von Todesfällen zwischen der 24. Gestationswoche und dem 28. Tag nach der Geburt (erweiterte perinatale Mortalität). Sie betrug bei den Kindern, die innerhalb von 4 Wochen nach der Infektion der Mutter (lebendig oder tot) geboren wurden, 22,6 pro 1.000 Geburten und damit deutlich über der pandemischen Hintergrundrate von 5,6 pro 1.000 Geburten.

Tatsächlich entfielen 77,4 % aller SARS-CoV-2-Infektionen, 90,9 % aller dadurch notwendigen Kranken­haus­einweisungen und 98 % der folgenden Aufnahmen auf die Intensivstation sowie alle Todesfälle bei den Säuglingen auf schwangere Frauen, die zum Zeitpunkt der COVID-19-Diagnose nicht geimpft waren.

Eine Impfung ist für die Autoren deshalb für Schwangere die sicherste und effektivste Möglichkeit, sich und ihre Babys vor einer schweren COVID-19-Erkrankung zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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