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Politik

Neue Impfkampagne beginnt

Mittwoch, 26. Januar 2022

/picture alliance, POOL AP, Hannibal Hanschke

Berlin – Mit einer neuen Impfkampagne, die in dieser Woche anläuft, will die rot-grün-gelbe Bundes­re­gierung neue Impulse in die Bevölkerung geben, um die Coronaimpfquote zu steigern. Ihr Slogan: „Im­pfen hilft.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) griff vorgestern zu Plakattafeln und hielt sie in Kameras. Auf einer steht: „Impfen hilft. Auch allen, die es nicht mehr hören können.“ Scholz sagte: „Wir versuchen auch, in viele Zielgruppen hineinzukommen; Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, die bisher von den verschie­denen Informationsaktivitäten nicht erreicht wurden.“ Er wiederholt: „Impfen hilft.“

Der Plakat-Hintergrund ist hellblau und hellgrün gehalten, davor die Schrift. Schlicht gestaltet, ohne Bilder. Auf Twitter laufen sich die Kommentatoren schnell warm. Einige sehen sich an den Look von 50-Cent-Wertbons erinnert, die man an Tankraststätten beim Toilettengang erhält.

Ein anderer postet ein Foto von Scholz mit Impfplakat und stellt als Kontrast eine Impfkampagne der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur aus dem vergangenen Sommer daneben – auf dem Bild umarmen sich zwei Menschen heiß und innig kurz vor einem Kuss. Maximal emotional versus höchst nüchtern, was wohl mehr Erfolg verspricht?

In Deutschland hatte es 2021 schon einmal eine Impfkampagne gegeben. Promis ließen sich mit Pflaster am Oberarm ablichten. Da waren zum Beispiel der US-Star David Hasselhoff („Knight Rider“) und TV-Mo­derator Günther Jauch dabei.

Die jetzige Info-Offensive wurde nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums von den beiden Agenturen Scholz & Friends und Cosmonaut&Kings erarbeitet. „Die Kampagne wird neben Deutsch auch in den Sprachen Arabisch, Englisch, Russisch und Türkisch ausgespielt“, teilte das Ministerium gestern mit.

In dieser Woche beginnt die Kampagne in sozialen Medien und Radio, in der Woche darauf kommen Zei­tungsanzeigen und Außenwerbung hinzu und Mitte Februar soll es im Fernsehen losgehen. Das Budget für die Monate Januar bis März beziffert das Ministerium auf 60 Millionen Euro.

Kampagne kommt spät

Aus Sicht des Konfliktforschers Ulrich Wagner von der Philipps-Universität Marburg kommt die Idee der zweiten Kampagne reichlich spät: „Warum ist das nicht längst geschehen? Bundes- und Landesregie­run­gen haben viel zu viel Zeit verstreichen lassen.“

Diese Unentschlossenheit und Tatenlosigkeit haben aus seiner Sicht auch zur gegenwärtigen Lagerbi­­l­dung beigetragen, in der Impfgegner ebenso überzeugten Befürwortern unversöhnlich gegenüber­stün­den.

Als Experte für Sozialpsychologie lässt Wagner wenig Optimismus erkennen: „In einer solch polarisier­ten Situation ist es inzwischen sehr schwer, wenn nicht unmöglich, über den tiefen Graben zwischen den Gruppen hinweg zu kommunizieren.“ Zugleich sagt er: „Dennoch, vielleicht ist es doch nicht ganz zu spät und die neue Kampagne erreicht zumindest einige.“ Eine Kampagne wie „Impfen hilft“ könne sinnvoll sein, wenn sie zielgruppenspezifisch angelegt ist.

Aus Sicht des Ministeriums zeigt der Slogan kurz und prägnant, dass die Coronaschutzimpfung in allen Bereichen des Lebens unter Pandemiebedingungen nützlich sei.

Auf die Frage, wie man Zielgruppen erreichen wolle, die sich bislang nicht angesprochen fühlten, hieß es: „Die Aussteuerung der Kampagne wird nicht nur über massenmediale Medien erfolgen, sondern auch gezielt über Zugänge in Communities mit impfvorsichtigen Menschen.“

Die Kampagne sei auf Grundlage von empirischen Daten und Empfehlungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt worden. Sie werde in den kommenden Wochen fortlaufend ergänzt.

Das Ministerium verweist auch auf Erfahrungen mit der Impfkampagne aus dem Vorjahr. Mit ihr sollten schrittweise die priorisierten Gruppen und dann die Breite der Bevölkerung auf die Schutzimpfung auf­merksam gemacht und die Impfbereitschaft erhöht werden – und das mit Erfolg, wie die Behörde rück­blickend erklärt: „Die Kampagne „Deutschland krempelt die #ÄrmelHoch“ hat reichweitenstark dazu beigetragen und mit verschiedenen Services für eine transparente Aufklärung gesorgt.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #832315
d.spengler94@gmail.com
am Mittwoch, 26. Januar 2022, 16:06

Korrektur

Nicht wie auch immer gearteten Impfung sondern wie auch immer gearteten Impfpflicht...
Avatar #832315
d.spengler94@gmail.com
am Mittwoch, 26. Januar 2022, 16:04

Impfen hilft allen die ich liebe?

Dass Impfen gegen Covid-19 die Risikogruppen vor schweren Verläufen schützt, das ist angesichts der überproportional häufig betroffenen Ungeimpften (auf den Intensivstationen) während der Deltawelle schwer zu leugnen (selbst wenn man die Zahlen um die politisch manipulierten Werte bereinigt). Dass die Impfung dafür sorgt, dass in nennenswerter und für die Eindämmung der Pandemie notwendiger Weise die Übertragungsrate vermindert wird, kann allerdings nur noch von Leuten mit sehr losem Bezug zur Realität angenommen werden. Impfkampagnen, die darauf abzielen sind also nutzlos. Vielmehr sollte der Aspekt des Eigenschutzes für vulnerable Gruppen herausgestrichen werden und nicht eine Solidarität beschworen werden, die ins Leere greift. Dass damit allerdings auch einer wie auch immer gearteten Impfung eine Absage erteilt werden muss, versteht sich von selbst. Impfungen, die faktisch nur dem Eigennutz dienen dürfen nicht erzwungen werden. Und dass im Herbst dann wieder eine Variante (pandemisch!) auftritt, die plötzlich wieder besser von den jetzt verfügbaren Impfstoffen erfasst wird, ist wenig realistisch. Denn es wird nur der Virusstamm eine Chance haben, der den jetzigen Impfstoffen entgeht. Das sollten selbst Politiker aus der Omicronwelle gelernt haben...
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