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Ärzteschaft

Ärztetag: Auf tatsächlichen Nutzen von digitalen Anwendungen fokussieren

Freitag, 27. Mai 2022

/Gorodenkoff, stock.adobe.com

Bremen – Der 126. Deutsche Ärztetag begrüßte heute die Entscheidung des Bundesministeriums für Gesund­heit (BMG) einen Strategiewechsel bei der Digitalisierung einzuleiten. Die Priorisierung von medizinischen Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI), die einen konkreten, messbaren Nutzen in der medizinischen Versorgung haben, entspreche einer oftmals vorgebrachten Forderung vergangener Ärztetage.

Im Rahmen einer solchen Strategie bleibe es „unumgänglich“, dass genügend Zeit sowie klare Verantwort­lichkeiten und Strukturen für eine ausreichende und aussagekräftige Erprobung von Anwendungen und Kom­ponenten eingeräumt werden, heißt es in einem Beschluss.

Die zukünftigen Einführungszeitpunkte sollen sich an vorab definierten Qualitätszielen orientieren und nicht an „realitätsfernen, sanktionsbelegten gesetzlichen Vorgabeterminen“. In diesem Zusammenhang forderten die Delegierten BMG und Gematik auf, zeitnah eine dauerhafte Erprobungsregion zu etablieren.

Aus Sicht der Abgeordneten des Ärztetages zählen zu den zu priorisierenden Anwendungen vor allem der Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Dieser übermittle „wichtige, gut strukturierte und qualitätsgesicherte Informationen des Patienten in die zeitkritische Behandlung“. Zugleich erfülle der Notfalldatensatz die Funktion einer klinischen Basisinformation.

Zudem forderte der Ärztetag die Schaffung einer eindeutigen Rechtslage bezüglich der datenschutzrecht­li­chen Verantwortlichkeiten von Ärztinnen und Ärzten für die dezentralen TI-Komponenten – insbesondere der Konnektoren. Die rechtlichen Regelungen dürften Ärztinnen und Ärzten lediglich Verantwortlichkeiten zuweisen, denen diese auch nachkommen können.

Investitionen für Praxen zur digitalen Vernetzung

Um die Potenziale einer vernetzten Medizin zu nutzen, seien enorme Investitionen in den digitalen Ausbau der Arztpraxen erforderlich, so die Delegierten in einem weiteren Beschluss. Daher solle es ein Praxiszu­kunfts­gesetz geben.

Die „kleinteilige, oftmals nicht kostendeckende Refinanzierung“ von Hard- und Software als Ergebnis der Verhandlungen von gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) decke nur teilweise die notwendigen Bedarfe.

Es stelle deshalb für Arztpraxen eine wirtschaftliche Herausforderung dar, die notwendige digitale Ausstat­tung ihrer Praxen einzuführen und fortlaufend aktuell zu halten – wie beispielsweise die permanente sicherheitstechnische Anpassung der patientendatenführenden Arztsysteme zur Abwehr von Cybergefahren. Auch mache die digitale Vernetzung in der Patientenversorgung die fortlaufende Qualifizierung des Praxisteams notwendig.

Gesundheitsdatennutzungsgesetz auf den Weg bringen

Dass im Koalitionsvertrag die langjährige Forderung der Ärzteschaft, ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz auf den Weg zu bringen, ausdrücklich aufgegriffen wird, begrüßten die Ärztetagsdelegierten.

Aus Sicht der Ärzteschaft sollte ein solches Gesundheitsdatennutzungsgesetz als Ergebnis einer breiten gesellschaftlichen Debatte die bisherigen in Spezialgesetzen eingeführten Regelungen für die Übermittlung von Gesundheitsdaten bündeln und konkretisieren.

Die aktuellen Regelungen würden bei Ärztinnen und Ärzten, bei Patienten und in der Öffentlichkeit zu Un­klarheiten hinsichtlich der geltenden Rahmenvorgaben führen. Notwendig seien deshalb eindeutige recht­liche, organisatorische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen im Einklang mit der Datenschutz­grund­verordnung (DSGVO) für die Primär- und Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten in Versorgung und For­schung.

Bei der „zügigen Entwicklung“ eines Gesundheitsdatennutzungsgesetzes solle die Ärzteschaft aktiv mit einbezogen werden, so der Ärztetag. © aha/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 30. Mai 2022, 16:29

Worauf war denn die Redaktion vor dem 126. DÄT fokussiert?

Da war seltsamerweise stets dies zu lesen:
"Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung."
Irgendwie ... alle zu beschäftigt?
Womit eigentlich?
Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 30. Mai 2022, 08:47

Digitalisierung wird nur da erfolgreich sein, wo sie einen Nutzengewinn schafft.

Solange die Ärzte die Arbeit damit haben und zudem die Kosten und Risiken tragen sollen, während Dritte den Benefit davontragen (wollen), stehen die Chancen nicht besonders gut für die Digitalisierung.

McKinsey hat eine Studie vorgelegt, in der das Potenzial durch Digitalisierung mit 42 Milliarden abgeschätzt wird. Auf die Nachfrage, welche Investitionen denn erforderlich wären, um das Potenzial zu heben, hat McKinsey geantwortet: Nichts.
Wer einen Nutzengewinn berechnet, der muss im Rahmen einer Cost-Benefit-Analyse auch die Kosten berücksichtigen. McKinsey hat das nicht gemacht. Damit ist die Studie von McKinsey das Papier nicht wert, auf dem man sie ausdrucken könnten.

Allein die Erstbestückung aller ePA dürfte Kosten in der Größenordnung von 80 Milliarden verursachen. Pro Jahr ist mit Kosten von rund 10 Milliarden für das Update der ePA zu rechnen.

Hätte McKinsey auch die Kosten berücksichtigt, hätte die eigene Studie einen hohen Nutzenverlust ausweisen müssen. Vielleicht hätten dann selbst der Letzte verstanden, dass "die Digitalisierung" nicht das Allheilmittel sein kann. Es wird einzelne Anwendungen geben, die einen Nettonutzengewinn aufweisen. Für die großen Vorhaben, eRezept, eAU und ePA sehe ich das noch nicht einmal ansatzweise.
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