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Ärzteschaft

Fast die Hälfte der Diabetiker nimmt augenärztliche Untersuchungen nicht wahr

Mittwoch, 1. Juni 2022

/svetazi, stock.adobe.com

München – Noch immer lassen sich zu wenige Diabetiker regelmäßig augenärztlich untersuchen. Dabei stehen effektive Therapien etwa der frühen diabetischen Retinopathie zur Verfügung, die Erblindungen verhindern oder zumindest lange hinauszögern können.

Moderne diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, die den Augenärztinnen und Augenärzten aktuell zur Verfügung stehen, haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Rate der diabetesbedingten Erblindungen etwas zurückgegangen ist, berichtete Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge und niedergelassener Facharzt für Augenheilkunde in Schlüsselfeld auf einer Pressekonferenz der Stiftung Auge.

Das sei gelungen, obwohl es immer mehr Diabetikerinnen und Diabetiker gebe, berichtete Heinz, die Zahl der diabetesbedingten Erblindungen steige nicht mit der Dynamik an, mit der die Zahl der Erkrankungen zuneh­me. „Das ist eindeutig der augenärztlichen Versorgung zuzuschreiben, auch wenn hier noch sehr viel im Argen liegt.“

Denn 40 bis fast 50 Prozent der Diabetiker gehen nicht regelmäßig zur augenärztlichen Untersuchung, wie der Ophthalmologe betonte. Hier sei neben der Aufklärung der Betroffenen auch Aufklärung der behandeln­den Ärzte notwendig, die den Veränderungen am Auge offenbar nur wenig Bedeutung beimessen.

Die Betroffenen sollten sich regelmäßig ihrem individuellen Krankheitsrisiko entsprechend, mindestens je­doch alle zwei Jahre, augenärztlich untersuchen lassen, forderte Heinz. Abhängig vom aktuellen Augenbefund und weiteren Faktoren wie Komorbiditäten oder Erkrankungsdauer werden dann die Kontrollintervalle festge­legt, wie in der Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes empfohlen.

Diabeteserkrankungen steigen stark an

Nach Angaben der International Diabetes Federation (IDF) hatten 2019 etwa 9,5 Millionen Menschen in Deutschland einen Diabetes mellitus. Mit ungefähr 90 Prozent überwiegen die Typ-2-Diabetiker. „Ein typischer Zustand für unsere Wohlstandsgesellschaft“, betonte Heinz. Zusätzlich gäbe es circa zwei Millionen Menschen mit einem bislang unentdeckten Diabetes mellitus.

Diese Zahlen werden weiter ansteigen, was ein großes Problem darstelle, betonte Heinz. Allein zwischen 2017 und 2019 hätte die Häufigkeit um etwa 25 Prozent zugenommen, dabei seien die Auswirkungen der Corona­pan­demie noch unerkannt.

Nach Erkenntnissen aus der Gutenberg Gesundheitsstudie litten rund 22 Prozent der Diabetiker an einer diabetischen Retinopathie unterschiedlichster Ausprägung, berichtete Heinz. In absoluten Zahlen betrifft diese Folgeerkrankung des Diabetes somit zwei Millionen Menschen allein hierzulande.

Diabetische Retinopathie rechtzeitig erkennen

Ein besonders hohes Risiko für eine diabetische Retinopathie tragen Menschen mit schlecht eingestelltem oder über lange Zeit nicht erkanntem Diabetes mellitus. „Dann hat der Diabetes hier richtig Zeit, die ent­spre­chenden Schädigungen zu verursachen“, warnte der Augenarzt.

Mit steigender Erkrankungsdauer würden die Schäden an der Netzhaut beziehungsweise der Netzhautgefäße immer wahrscheinlicher. Das geschehe laut Heinz in der Regel mehr oder weniger symptomlos: Die Betrof­fenen verspürten weder Schmerzen noch Beeinträchtigungen des Sehens.

„Die Diabetikerinnen und Diabetiker messen dem keine Bedeutung bei“, sagte der Augenarzt. Frühformen der diabetischen Retinopathie ließen sich aber sehr gut bei einer augenärztlichen Untersuchung mit einer Spie­gelung des Augenhintergrunds erkennen. Als Therapieoptionen ständen dann bereits im frühen Stadien La­serbehandlungen der Netzhaut oder die Injektion von antiangiogenetisch wirksamen Inhibitoren des Vasku­lären endothelialen Wachstumsfaktors in den Glaskörper zur Verfügung.

Eine weitere Folgeerkrankung des Diabetes mellitus am Auge und den Gefäßschäden in der Netzhaut, die Heinz vorstellte, ist das diabetische Makulaödem (DMÖ). Abhängig von der Ausprägung des Ödems träten Sehveränderungen wie verschwommenes Sehen, verzogene Linien oder abnehmende Kontraste auf. Eine Spiegelung des Augenhintergrunds und die Optische Cohärenztomographie könnten zur Diagnose und so zur Therapie mit intravitreal verabreichten VEGF-Inhibitoren führen. © aks/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #639766
TB>I
am Samstag, 25. Juni 2022, 00:09

Sensibilität in der Sprache

An dieser Stelle sei auf den u.g. Artikel von vor zwei Jahren hingewiesen.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/211784/Sensible-Sprache-Bitte-nicht-mehr-Diabetiker-sagen
LNS
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