StudierenNewsHochschulenCharité distanziert sich von umstrittenem Coronaforscher
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Charité distanziert sich von umstrittenem Coronaforscher

Montag, 27. Juni 2022

/picture alliance, Michael Kuenne

Berlin – Die Charité in Berlin hat sich von Aussagen eines ihrer Stiftungsprofes­soren zu Nebenwirkungen nach einer Coronaimpfung distanziert. „Die Fakultät der Charité hat die Methodik der Onlineumfrage geprüft. Hierbei wurde festgestellt, dass diese Arbeit methodische Schwächen aufweist“, teilte ein Charité-Sprecher am Freitagabend mit.

Die Thesen von Harald Matthes, Stiftungsprofessor für Integrative und Anthropo­sophische Medizin an der Charité, hatten vor einigen Wochen viel Aufmerksamkeit bekommen. Er hatte nach Befragungen im Rahmen seiner sogenannten ImpfSurv-Studie behauptet, dass es eine Untererfassung an Nebenwirkungen beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gebe.

Nach ihrer Prüfung kommt die Charité unter anderem zu dem Schluss, dass „sich ein Sicherheitsprofil von COVID-19-Impfstoffen ohne ärztliche Beurteilung eines kausalen Zusammenhangs zum verabreichten Impfstoff nicht medizinisch-wissenschaftlich valide erarbeiten“ lässt. Der Begriff „schwere Nebenwirkungen“ sei weder im Ethikantrag der Untersuchung noch im Studienprotokoll definiert. Zudem hätten Personen mehrfach und ungeprüft an der Umfrage teilnehmen können.

„Die in der Öffentlichkeit von Professor Matthes getätigten Aussagen überschreiten daher den Interpretationsspielraum angesichts der sehr vorläufigen Daten und lassen geäußerte Schlussfolgerungen in Bezug auf die existierende Datengrundlage nicht belegen“, teilte der Charité-Sprecher mit. „Die Charité distanziert sich deshalb von den getroffenen Aussagen.“

Es stehe Matthes zwar frei, die Erhebung fortzuführen. „Da aufgrund methodischer Limitationen der Studie jedoch seine bisher öffentlich getätigten Aussagen nicht nachvollziehbar sind, empfiehlt der Vorstand der Charité Professor Matthes, die Studie nicht fortzusetzen.“ © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 28. Juni 2022, 22:48

Wo liegt der Fehler?

Man muss nicht erst den Psiram-Artikel über Anthroposophie gelesen haben um zu wissen, dass anthroposophische Medizin und wissenschaftliche Arbeitsweise selbst bei sehr wohlwollender Betrachtung in einem gewissen Spannungsverhältnis stehen.
https://www.psiram.com/de/index.php/Anthroposophie
Oder etwas direkter formuliert, wer Anthroposophen sät, wird Pseudowissenschaft ernten. Aus diesem Blickwinkel hat Harald Matthes genau das geliefert, was von ihm erwartet wurde. Es gibt keinerlei Grund in dieser Situation Überraschung zu heucheln.

Vor 10 Jahren gab es eine eindeutige Adresse für Pseudowissenschaft an deutschen Universitäten, die Viadrina wurde auch scherzhaft als Hogwarts an der Oder bezeichnet.
https://www.psiram.com/de/index.php/Institut_für_transkulturelle_Gesundheitswissenschaften_der_Europa-Universität_Viadrina
Seit Harald Walach seine Zelte dort abgebrochen hat, ist dieser „Ehrentitel“ wieder vakant. Soweit ich es einschätzen kann, geben einige Verantwortliche an der Charite die größte Mühe, den Titel Hogwarts-Universität an die Spree zu holen.
Avatar #760158
wilhem
am Montag, 27. Juni 2022, 22:11

Charité hat sich distanziert

https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-nebenwirkungen-charite-distanziert-sich-von-umstrittenem-corona-forscher-harald-matthes-a-dcfa6214-82c2-4abd-8f21-09420549a2fd?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph
Avatar #760158
wilhem
am Montag, 27. Juni 2022, 22:11

Charité hat sich distanziert

https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-nebenwirkungen-charite-distanziert-sich-von-umstrittenem-corona-forscher-harald-matthes-a-dcfa6214-82c2-4abd-8f21-09420549a2fd?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph
Avatar #765340
Mr. Black
am Montag, 27. Juni 2022, 21:10

Warum distanziert sich niemand von der Charité

Immerhin ist sie nicht interessiert eigene Studien in die Wege zu leiten, warum nicht? Weil unliebsame Ergebnisse erwartet werden? Man kann Herrn Matthes kritisieren, nur sollte man statt sein Studiendesign ins Lächerliche zu ziehen seine Ergebnisse durch eigene Daten widerlegen. Welche Studie existiert hierzu? Ich kenne keine.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 27. Juni 2022, 19:35

ImpfSurvey mit erheblichen anthroposophisch-methodischen Mängeln

https://epidemiologie.charite.de/metas/probandensuche/item/probanden_detail/studienteilnehmer_gesucht_fuer_impfsurv_studie/
Ergebnistrends stehen fest: Wer sowohl Geimpfte/Erkrankte/Nicht-Erkrankte/Nichtgeimpfte gleichermaßen nach Nebenwirkungen befragt, wird Nebenwirkungs-Inzidenzen massiv auf Geimpfte/Erkrankte konzentrieren.

Prof. Dr. med. Harald Matthes, leitender Arzt Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin ist Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie. Er hält eine Stiftungsprofessur an der Charité mit Schwerpunkt Integrative/Anthroposophische Medizin. Mit seiner Habilitation wies er nach, dass die Komplementärmedizin deutlich weniger Nebenwirkungen hat, als konventionelle Arzneimittel bei sehr guten Behandlungserfolgen.

Sein aktuelles Projekt mit dem Titel
"Sicherheitsprofil von COVID-19 Impfstoffen" (Kurztitel ImpfSurv) belegt die Studie als Real-World Data Beobachtungsstudie: Von den Studienteilnehmern wird online ein neuentwickelter ImpfSurv-Fragebogen zur Erfassung von körperlichen
Beschwerden nach Impfung, COVID-19 Erkrankung bzw. allgemeine Beschwerden rein subjektiv beantwortet. Der ImpfSurv-Fragebogen erfasst neben demographischen und klinischen Daten die Daten zu den Impfreaktionen, Nebenwirkungen der COVID-19 Impfung bzw. bei der Befragung COVID-19 erkrankter Personen bzw. nicht-erkrankter Personen die
Krankheitssymptome bzw. Beschwerden. Zusätzlich werden Fragen zur mentalen Gesundheit (PHQ-9, GAD-7 und PHQ-Stressmodul) erfasst.

Das Studiendesign legt wesentliche Ergebnistrends vorab fest: Wenn ich sowohl Geimpfte, Erkrankte als auch Nicht-Erkrankte, Nichtgeimpfte nach (fiktiven) Nebenwirkungen befrage, werden sich Nebenwirkungs-Inzidenzen massiv auf Geimpfte und Erkrankte konzentrieren. Diesen Bias müsste die Studie vorab klären, bevor sie mit befragungs-induzierten, pseudowissenschaftlichen Ergebnissen und fragwürdigen Interpretationen daher kommt.

MfG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FA für Allgemeinmedizin in Dortmund
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER