StudierenNewsMedizinUSA: COVID-19 für jeden achten Todesfall verantwortlich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: COVID-19 für jeden achten Todesfall verantwortlich

Mittwoch, 6. Juli 2022

/alswart, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – COVID-19 war zwischen März 2020 und Oktober 2021 die dritthäufigste Todesursache in den USA. Nach einer Analyse der nationalen Sterberegister in JAMA Internal Medicine (2022; DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.2476) war jeder 8. Todesfall auf COVID-19 zurückzuführen.

In den USA sind zwischen März und Dezember 2020 2,875 Mio. Menschen gestorben. Die Todesbescheinigun­gen geben in 580.000 Fällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache an, gefolgt von 501.000 Todes­fällen an Krebs. Schon an 3. Stelle folgte COVID-19 mit 351.000 Todesfällen.

In den ersten 10 Monaten von 2021 war es ähnlich. Von 2,855 Mio. Todesfällen waren 571.000 auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 502.000 auf Krebs zurückzuführen. An COVID-19 starben 346.000 Menschen und damit trotz verfügbarer Impfstoffe fast so viele wie im Jahr zuvor.

Es gab allerdings eine Verschiebung in den Altersgruppen. Bei den über 85-Jährigen ist es zu einem Rückgang der COVID-19-Todesfälle gekommen, bei den 65- bis 74-Jährigen blieben die Zahlen in etwa gleich. Meredith Shiels vom US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland führt dies auf die bevorzugte Impfung der Senioren zurück.

Bei den 45- bis 54-Jährigen war die Bereitschaft zur Impfung gering. In dieser Gruppe ist die Zahl der COVID-19-Todesfälle von 17.000 auf 30.000 gestiegen. COVID-19 war in dieser Altersgruppe in den ersten 10 Mona­ten von 2021 die häufigste Todesursache.

Bei den 35- bis 44-Jährigem ist COVID-19 zur dritthäufigsten und bei den 15 bis 34-Jährigen zur vierthäufigs­ten Todesursache geworden, wobei natürlich zu bedenken ist, dass Todesfälle in diesem Alter insgesamt selten sind.

Die Pandemie hat sich auch indirekt auf andere Todesursachen ausgewirkt. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Zahl der Todesfälle durch Herzkrankheiten, Unfälle, Schlaganfälle, Morbus Alzheimer und Diabetes zugenommen hat. Auch dies könnte eine Folge der Pandemie gewesen sein.

Sie könnte die Menschen zum einen davon abgehalten haben, bei einer Erkrankung rechtzeitig medizinische Hilfe aufzusuchen. Zum anderen könnte bei einigen Todesfällen, die auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgeführt wurden, COVID-19 der eigentliche Grund für den Tod gewesen sein oder ihn gefördert haben.

Shiels befürchtet, dass die Pandemie auch in den nächsten Jahren zu einem Anstieg anderer Todesursachen führen wird. So habe die Pandemie viele Menschen daran gehindert, sich regelmäßig einer Krebsvorsorge­untersuchung zu unterziehen. Dies werde zu späteren Diagnosen und häufiger zu einem tödlichen Verlauf führen. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 6. Juli 2022, 19:14

Coroner-System steht für Qualität des US-Sterberegisters

Lt. Analyse der nationalen Sterberegister (2022; DOI: 10.1001/jamainternmed.2022.2476) war jeder 8. Todesfall auf COVID-19 zurückzuführen.

Zwischen März und Dezember 2020 sind 2,875 Mio. Menschen gestorben. Die Todesbescheinigun­gen geben in 580.000 Fällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache an, gefolgt von 501.000 Todes­fällen an Krebs. Schon an 3. Stelle folgte COVID-19 mit 351.000 Todesfällen.

In den ersten 10 Monaten von 2021 war es ähnlich. Von 2,855 Mio. Todesfällen waren 571.000 auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 502.000 auf Krebs zurückzuführen. An COVID-19 starben 346.000 Menschen und damit trotz verfügbarer Impfstoffe fast so viele wie im Jahr zuvor.

Verschiebungen gab es in den Altersgruppen: Bei den über 85-Jährigen ist es zu einem Rückgang der COVID-19-Todesfälle gekommen, bei den 65- bis 74-Jährigen blieben die Zahlen in etwa gleich. Meredith Shiels vom US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland führt dies auf die bevorzugte Impfung der Senioren zurück.

Eines ist sicher: Das in den USA seit Jahrzehnten etablierte Coroner-System mit amtlich qualifizierter Leichenschau durch spezialisierte medizinische Fachkräfte und weiterführender Untersuchungsbefugnis durch die Amtspersonen ist mit der Beliebigkeit der deutschen "Leichenschau" mit nichts zu vergleichen. Sehr hohe, einheitliche Standards der Begutachtungen, gesicherte Ereignis- und Prozess-Abläufe bzw. interne und externe Qualitätssicherungen geben dem Coroner-System besonderes Gewicht.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund

LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER