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Medizin

SARS-CoV-2: Einer von acht Erwachsenen hat nach einer Infektion Long-COVID-Symptome

Freitag, 5. August 2022

/Ngampol, stock.adobe.com

Groningen – Einer von acht Erwachsenen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, hat langfristig Symptome, die auf die COVID-19-Erkrankung zurückzuführen sind. Das zeigt eine Studie zu Long COVID aus den Niederlan­den, deren Ergebnisse jetzt in The Lancet veröffentlicht wurden (DOI: 10.1016/S0140-6736(22)01214-4).

Die Studie bietet als eine der ersten einen Vergleich der Langzeitsymptome nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit den Symptomen in einer nicht infizierten Population. Außerdem wurden die Symptome bei den Studien­teilnehmern auch vor und nach der SARS-CoV-2-Infektion verglichen.

„Viele der bisherigen Studien zu Long COVID haben sich nicht angeschaut, wie häufig diese Symptome eigent­lich bei Menschen vorkommen, die keine Infektion mit SARS-CoV-2 hatten, und sie haben auch nicht die Symptome der einzelnen Patienten vor und nach der Infektion verglichen“, sagte Studienleiterin Judith Rosmalen von der Klinik für Psychiatrie der Universität Groningen.

Für die Studie füllten Teilnehmer der bevölkerungsbasierten Lifelines COVID-19 Cohort regelmäßig digitale Fragebögen zu 23 Symptomen aus, die häufig mit Long-COVID in Zusammenhang gebracht werden, etwa Atemprobleme, Fatigue und Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.

Von März 2020 bis August 2021 wurden die 76.422 Studienteilnehmer 24 Mal gebeten, den Fragebogen aus­zufüllen. Das heißt die Personen, die in dieser Zeit eine Infektion mit SARS-CoV-2 hatten, waren mit der Alpha-Variante oder noch früheren Varianten infiziert. Die meisten Daten wurden vor der Impfkampagne in den Niederlanden erhoben.

Für den Vergleich zwischen infizierten und nicht infizierten Personen matchten die Wissenschaftler 4.231 (5,5 %) Teilnehmer mit SARS-CoV-2-Infektion und 8.462 Kontrollen ohne Infektion nach Alter, Geschlecht und Zeitpunkt der Infektion.

Auf diese Weise ermittelten sie bei den Studienteilnehmern mit SARS-CoV-2-Infektion eine Reihe von Symp­tomen, die 3 - 5 Monate nach der Infektion neu auftraten oder sich verschlimmerten – im Vergleich zu den bereits vor der Infektion bestehenden Symptomen und auch im Vergleich zur nicht-infizierten Kontrollgruppe.

Identifikation von Long-COVID-Kernsymptomen

Dies deute darauf, dass es ich dabei um die Kernsymptome von Long COVID handele, schreiben die Autoren.

Im Detail waren dies Schmerzen in der Brust, Schwierigkeiten beim Atmen, Schmerzen beim Atmen, Muskel­schmerzen, Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns, Kribbeln in Händen/Füßen, Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, sich abwechselnd kalt und heiß fühlen, schwere Arme und/oder Beine und allgemeine Müdig­keit.

Die Schwere dieser Symptome erreichte 3 Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion ein Plateau, ohne sich wei­ter zu verschlimmern. Andere Symptome, die ebenfalls abgefragt wurden, wie Kopfschmerzen, juckende Au­gen, Schwindel, Rückenschmerzen und Übelkeit verstärkten sich nach der SARS-CoV-2-Infektion nicht signifi­kant.

„Diese Kernsymptome sind für die künftige Forschung von großer Bedeutung, da sie eingesetzt werden kön­nen, um zwischen Post-COVID-19-Symptomen und nicht mit COVID-19 assoziierten Symptomen zu unter­schei­­den“, sagte Erstautorin Aranka Ballering.

Der Vergleich von Symptomen vor und nach der Infektion mit SARS-CoV-2 zeigte: 21,4 % (381/1782) der COVID-19-positiven Teilnehmer und 8,7 % (361/4130) der Kontrollgruppe hatten ≥ 3 Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion mindestens ein auffälliges Kernsymptom von moderater Schwere.

Dies deute darauf hin, dass bei 12,7 % der COVID-19-Patienten neue oder sich verschlimmernde Symptome 3 Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion tatsächlich auf die Infektion zurückzuführen seien, so die Autoren.

Rosmalen betont, dass noch einige Fragen offen sind: „Künftige Studien sollten auch psychische Symptome wie Depressionen oder Angstzustände einschließen. In unserer Studie konnten wir außerdem noch keine Daten zu Brain Fog, Insomnie und einer Verschlimmerung der Symptome bei Belastung erheben. Und es fehlen noch Daten zum Effekt der Impfungen gegen COVID-19 und den später aufgetretenen Varianten auf Long COVID.“

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Studie neuere Corona-Varianten wie Delta oder Omikron nicht umfasst. Daher liefert sie auch keine Daten zu Symptomen wie Gehirnnebel, die erst seit dem Auftreten der neueren Varianten als häufiges Anzeichen für Long COVID gelten. © nec/aerzteblatt.de

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