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Politik

Thüringen bringt Hausarztquote im Medizinstudium auf den Weg

Dienstag, 24. Januar 2023

/picture alliance, Michael Reichel

Erfurt – An der Universität Jena sollen voraussichtlich ab dem Wintersemester 2024/25 sechs Prozent der Medizinstudienplätze für Bewerber reserviert werden, die sich vorab zu einer mindestens zehnjährigen Haus­arzttätigkeit in einer Ärztemangelregion in Thüringen verpflichten. Das sieht ein Gesetzentwurf des Gesund­heitsministeriums vor, den Ministerin Heike Werner (Linke) heute in Erfurt vorstellte.

Demnach würden 17 der aktuell 286 Studienplätze an Thüringens bislang einziger Ärzteusbildungsstätte für eine solche Vorabquote zur Verfügung stehen. Die Landesregierung setzt damit einen Landtagsbeschluss aus dem Jahr 2020 um, in dem eine solche Quote gefordert wird.

Damit sollen angesichts der Altersstruktur bei Hausärzten und einer zunehmend älter und kränker werdenden Bevölkerung Engpässe bei der ärztlichen Versorgung gelindert oder vermieden werden. Werner zufolge ist ein Drittel der Hausärzte in Thüringen 60 Jahre und älter und geht in absehbarer Zeit in den Ruhestand.

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Cornelia Klisch verwies darauf, dass aktuell nur ein Drittel der Thüringer Medizinstudierenden plane, auch für die Zukunft im Freistaat zu bleiben. „Deshalb ist es gut und richtig, den Nachwuchs mit einem attraktiven Angebot für strukturschwache Gebiete zu gewinnen.“

Aus Sicht der Landtagsopposition kommt die Landarztquote zu spät. Die Regierung hätte bereits 2020 han­deln müssen, erklärte der AfD-Abgeordnete Wolfgang Lauerwald. Vor 2030 sei nicht mit Absolventen in den Mangelregionen zu rechnen. Ähnlich äußerte sich die CDU-Fraktion. „Die Ministerin verschleppt eine der wesentlichen Zukunftsfragen unseres Landes“, kritisierte deren Mitglied Christoph Zippel.

Angesichts 5.000 deutschlandweit fehlender Medizinstudienplätze sei die Quote ein „Placebo“, hieß es von der FDP-Gruppe im Landtag. „Anstatt neue Studienplätze zu schaffen, sucht die Gesundheitsministerin ihr Heil in der Verwaltung der Mangelwirtschaft“, monierte der FDP-Gesundheitspolitiker Robert-Martin Montag.

„Der Vorschlag zur Quote für Fachärzte der Allgemeinmedizin (Hausärzte) für Medizinstudienplätze ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, um Absolventen für die ambulante Versorgung in Thüringen zu gewinnen“, sagte Annette Rommel, 1. Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT).

Erfahrungsgemäß ließen sich vor allem diejenigen im Freistaat nieder, die aus Thüringen stammten sowie jene, die die Vorzüge des Lebens in Thüringen bereits kennengelernt hätten. „Daher ist es nur konsequent, Anreize für eine Teilnahme an der ambulanten Versorgung bereits im Studium zu setzen.“

Um die ambulante Versorgung weiter zu stärken, wünscht Rommel sich, dass die Möglichkeiten, die der Ge­setzentwurf bietet, genutzt werden. So sollte etwa die Quote auf zehn Prozent eines Jahrgangs ausgeweitet werden und deren Geltungsbereich auch die fachärztliche Grundversorgung umfassen.

Die Quote hätte nach dem Landtagsbeschluss eigentlich schon ab dem Wintersemester 2021/2022 gelten sollen. Die Arbeit an dem Hausärztesicherstellungsgesetz hatte sich nach früheren Ministeriumsangaben wegen der Coronapandemie verzögert. Der jetzige Gesetzentwurf soll einem Ministeriumssprecher zufolge voraussichtlich Ende Mai vom Kabinett beschlossen werden und im Juni erstmals im Landtag behandelt werden. © dpa/aerzteblatt.de

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