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Ausland

Fachleute fordern toleranten Umgang mit homöopathischen Arzneimitteln

Mittwoch, 26. November 2008

Brüssel – Vertreter komplementärmedizinischer Therapien fürchten, dass homöopathische Arzneimittel durch eine unpraktikable europäische Gesetzgebung zusehends vom EU-Markt verdrängt werden könnten. „Die Homöopathie lebt von der Vielfalt der verfügbaren Arzneimittel, weil sie eine Individualmedizin ist. Wenn aber die Kosten für die Registrierung und Zulassung weiter steigen, wird das erhebliche Auswirkungen auf die Produktpalette haben“, so Max Daege, Präsident von Echamp, einer europäischen Vereinigung von Herstellern homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel.

Grund hierfür seien harmonisierte Vorschriften der EU für die Registrierung beziehungsweise Zulassung der Mittel. Demnach müssen die Hersteller homöopathischer Arzneimittel seit 1993 einen Qualitäts- und Sicherheitsnachweis erbringen, wenn sie ihre Produkte in den EU-Ländern in Verkehr bringen wollen. Die Wirksamkeit der Mittel müssen sie nicht belegen. Dies gilt für Präparate ohne Indikation, die für die äußerliche oder orale Anwendung bestimmt sind. Der Verdünnungsgrad homöopathischer Mittel muss zudem mindestens 1:10.000 betragen (Potenz von D4/C2). Viele der zumeist kleinen und mittelständischen Unternehmen könnten die Kosten von durchschnittlich 5.000 Euro für eine Registrierung nicht aufbringen, so Nand de Herdt, Generalsekretär von Echamp. Die nicht registrierten Mittel verschwänden zusehends vom Markt.

Problematisch sei auch, dass den Patienten vielerorts die Kosten für homöopathische Arzneimittel nicht erstattet würden, so Curt Kösters vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte. Zwar hätten mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland für rund 17 Millionen Versicherte Verträge über eine homöopathische Versorgung abgeschlossen. „Erstattet werden aber oft nur die ärztlichen Leistungen“, moniert Kösters.

Deutschland gehört dennoch zu den wenigen EU-Ländern, in denen bereits zahlreiche homöopathische und anthroposophische Arzneimittel registriert sind. Rund 4.000 Produkte sind hierzulande offiziell verzeichnet. Mehr sind es nur in Österreich. Dort gibt es derzeit etwa 6.000 registrierte Produkte. „In den meisten Mitgliedstaaten werden die EU-Vorschriften nicht korrekt umgesetzt“, berichtet Daege. So hätten beispielsweise die Hersteller homöopathischer Arzneimittel in Belgien, Italien und Spanien insgesamt 15.000 Produkte zur Registrierung angemeldet. Die Behörden kämen ihrer Verpflichtung, die Anträge zu bearbeiten, aber nicht nach.

Die Vertreter homöopathischer und anthroposophischer Therapien fordern daher, die gesetzlichen Regelungen für komplementärmedizinische Arzneimittel zu vereinfachen und die Interessenvertreter stärken in diesen Prozess einzubeziehen. Auch müssten für homöopathische und anthroposophische Medikamente dieselben Anforderungen an die Pharmakovigilanz gelten, wie für allopathische Arzneimittel, sagte Daege. © ps/aerzteblatt.de

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