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Medizin

RS-Virus: Erster Impfstoff im Tierversuch erfolgreich

Montag, 4. November 2013

Electronenmikroskopische Aufnahme eines Respiratory Syncytial Virus /CDC

Bethesda – US-Forschern ist es erstmals gelungen, einen Impfstoff gegen das Respira­torische Syncytial Virus (RSV) zu konstruieren, der in ersten tierexperimentellen Studien bei Mäusen und Makaken eine hohe Schutzwirkung erzielte. Einen Impfstoff für den Menschen wird es frühestens in zwei Jahren geben.

RSV-Infektionen sind die häufigste Ursache von Bronchiolitis und Pneumonie im ersten Lebensjahr und auch in entwickelten Ländern die häufigste Ursache für Hospitali­sierungen in den ersten fünf Lebensjahren. Weltweit soll RSV für fast 7 Prozent aller Todesfälle im Alter zwischen einem Monat und einem Jahr verantwortlich sein. Nur an einer Malaria sterben in dieser Altersgruppe mehr Kinder.

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Auch für Senioren und Menschen mit Immunschwäche können RSV-Infektionen gefährlich werden. Obwohl der Erreger, ein umhülltes RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae, lange bekannt ist, sind alle Versuche, einen Impfstoff herzustellen, bislang misslungen. Ein mit Formalin inaktivierter Impfstoff (FI-RSV) soll in den 60er Jahren sogar den Krankheitsverlauf verschlimmert haben. Die Fehlschläge sind umso erstaunlicher, als seit 1999 mit Palivizumab (Synagis) ein humanisierter monoklonaler Antikörper angeboten wird, der eine effektive passive Immunisierung ermöglicht.

Hohe Kosten
Bei Kosten von über 700 Euro pro Durchstechflasche kommen die monatlichen Injektionen jedoch nur bei Hochrisiko-Kindern infrage. Die deutschen Leitlinien empfehlen den Einsatz bei Frühgeburtlichkeit, chronischer Lungenerkrankung, angeborenen Herzfehlern oder anderen Erkrankungen, die den Organismus von Frühgeborenen im Fall einer RSV-Infektion schnell überfordern. Synagis wird zudem nur während der RSV-Saison von Oktober bis März eingesetzt.

Günstiger als eine passive wäre eine aktive Immunisierung, bei der die Gabe eines immunogenen Proteins die Bildung von Antikörpern induziert, die wie Palivizumab das Virus neutralisieren. Palivizumab bindet an das F-Protein, das für das Eindringen in die Zelle wichtig ist. Doch die Impfung mit dem F-Protein induziert nur Antikörper, die das RSV nicht stoppen können.

Den Grund hierfür hatte das Team um Barney Graham vom Vaccine Research Center der National Institutes of Health in Bethesda kürzlich in Science (2013; 340: 1113-1117) beschrieben: Die Struktur des F-Proteins ist nicht stabil. Es kommt auf den RS-Viren in zwei Formen vor, die als „Pre-fusion“ und „Post-fusion“ bezeichnet werden. Das Virus neutralisieren können nur Antikörper gegen die instabile „Pre-fusion“-Form. Da sich diese nach der Infektion jedoch rasch in die „Post-fusion“-Form verwandelt, bleibt dem Immunsystem wenig Zeit für die Bildung von neutralisierenden Antikörpern. Bei einer Impfung mit dem instabilen F-Protein bleibt sie ganz aus.

Künstliche Variante der „Pre-fusion“-Form
Doch das Team um Graham hat mit chinesischen und niederländischen Forschern eine künstliche Variante der „Pre-fusion“-Form synthetisiert, die sich nicht mehr in die „Post-fusion“ verändern kann. Die ersten Tests an Mäusen und Makaken verliefen vielver­sprechend. Es wurden Antikörpertiter erzielt, die zehnfach höher waren, als zur Neutralisierung des Virus notwendig wären, berichtet das Team jetzt in Science (2013; 592: 592-598).

Die Studie ist ein Erfolg der struktur-basierten Impfstoffentwicklung, bei der von einem bekannten Antikörper, als Palivizumab seit fast 15 Jahren Handel, auf das Immungen geschlossen wurde und dieses dann mittels der Methoden der Proteinsynthese künstlich so optimiert wurde, bis es sich als Impfstoff eignete.

Klinische Versuche sind laut Science frühestens in zwei Jahren zu erwarten. Zunächst muss die Sicherheit der Vakzine in weiteren Studien untersucht werden. Geimpft würden am Ende möglicherweise nicht die Neugeborenen sondern deren Mütter. Die maternalen Antikörper würden transplanzentar in den Kreislauf der Kinder gelangen, um sie in den ersten Wochen und Monaten vor einer Infektion zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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