Ausland

Spendengelder für globale Gesundheit ungünstig verteilt

Donnerstag, 16. Juli 2015

Berlin – Die Verteilung von Spendengeldern für die globale Gesundheitsentwicklung („global health“) ist problematisch. Diese Auffassung vertreten Marco Schäferhoff, stellvertretender Direktor von SEEK Development in Berlin, und Kollegen in der Zeitschrift The Lancet (http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)61161-8). Sie kritisieren, dass zu wenig Geld für übergreifende Strategien zur Verfügung stehe, also für die Entwicklung neuer Medikamente, Impfungen und Präventionskampagnen. Ein größerer Teil der Spendengelder werde für den Aufbau regionaler Strukturen verbraucht.

Die langsame Reaktion auf die Ebola-Krise hat bekanntlich Unzulänglichkeiten bei den Präventionsmechanismen für globale Gesundheitsprobleme aufgedeckt. Besonders die Erforschung von Erkrankungen in Armutsregionen, die Möglichkeiten zur Eindämmung von Epidemien und effektive Interventionsmöglichkeiten erwiesen sich laut Schäferhoff als mangelhaft. Zwar sei auch der Ausbau lokaler medizinischer Strukturen wichtig, für eine nachhaltige Versorgung brauche es aber neue Impfungen, Medikamente und Präventionsmaßnahmen gegen die sogenannten „neglected diseases“, also die vernachlässigten Erkrankungen.

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Die Wissenschaftler verglichen in ihrer Studie die finanzielle Unterstützung für die grenzüberschreitende medizinische Versorgung mit der Unterstützung für einzelne Regionen und Länder. Mit Hilfe der sogenannten International Development Statistics Datenbank konnten sie die Höhe der Spendengelder für einzelne Länder mit den Geldern für globale Gesundheit vergleichen.

Um sich eine Übersicht über die unterfinanzierten Sektoren globaler Gesundheit zu verschaffen, untersuchten sie, wieviel Geld für die globale Gesundheit gespendet wurde und bezogen auch den finanziellen Einsatz durch einzelne Länder ein, die aktiv forschen und Prävention leisten.

Insgesamt wurden danach 2013 22 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der medizinischen Versorgung in strukturschwachen Ländern investiert. Von diesen Geldern wurden lediglich 21 Prozent für die Erforschung und Lösung internationaler Gesundheitsprobleme investiert, 79 Prozent des Geldes flossen in die regionale medizinische Versorgung der Länder.  

Die Höhe der Gelder für globale Gesundheit blieb deutlich hinter dem zurück, was die World Bank als notwendig erachtet: So sei für den Aufbau eines Systems zur Pandemie-Prävention die dreifache Menge an Geld und für die Erforschung der Neglected Diseases doppelt so viel Geld erforderlich als dafür tatsächlich aufgewendet wurde.

Innerhalb der nächsten 20 Jahre sei zu erwarten, dass der Hauptteil der gegenwärtig unterstützten Länder nicht mehr auf externe Gelder angewiesen sei, meinen die Wissenschaftler. Sie schlagen daher vor, den finanziellen Fokus stärker in Richtung global vernetzter Gesundheit zu verlegen. So würden auch Länder profitieren, die keine direkte Förderung erhalten. © hil/aerzteblatt.de

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