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Politik

Landarztquote in Niedersachsen geplant

Donnerstag, 6. April 2017

Hannover – Um dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken sollen für Medizin­stu­denten, die Landärzte werden wollen, in Niedersachsen Studienplätze reserviert werden. „Wir prüfen nun, wie sich eine solche Landarztquote in Niedersachsen verfas­sungs­kon­form gestalten lässt“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) heute im Landtag.

Demnach sollen zehn Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Ende der Ausbildung bis zu zehn Jahre auf dem Land zu ar­beiten. Bund und Länder hatten vergangenen Samstag eine entsprechende Vereinba­rung unterzeichnet.

Die Landesregierung will sich zudem auf Bundesebene für eine schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse einsetzen. Außerdem soll geprüft werden, wie Praxis­assistenten oder Pflegedienste Ärzte entlasten können. Das hat der Landtag mit den Stimmen der Regierungsparteien heute beschlossen.

Hintergrund ist ein zunehmender Mangel an Hausärzten auf dem Land. Die CDU kritisier­te, dass die bisherigen Maßnahmen nicht reichten, um das Problem zu lösen. Seit Mai 2014 werde laut SPD und Grüne zum Beispiel eine neue Niederlassung von Hausärzten in schlecht versorgten ländlichen Regionen mit bis zu 50.000 Euro gefördert. Außerdem gibt es ein Stipendienprogramm, mit dem Medizinstudenten im Studium finanziell unter­stützt werden, wenn sie nach Abschluss ihrer Ausbildung bereit sind, im ländlichen Raum zu arbeiten. „Das Stipendienprogramm ist nicht der große Wurf“, sagte hingegen der CDU-Abgeordnete Burkhard Jasper. Das veranschlagte Geld reiche höchstens für 20 Studierende. Damit könne der Mangel nicht beseitigt werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen fordert auch den öffentlichen Nahver­kehr auszubauen. „Es ist auch wichtig, nicht nur darüber nachzudenken, wie mehr Ärzte zu den Patienten auf das Land kommen, sondern wie Patienten auf dem Land zu den Ärzten kommen“, sagte ein KVN-Sprecher. In den bisherigen Plänen der Landesregie­rung tauche dieser Punkt nicht auf.

Von Seiten der KVN wie der Landesregierung werde zu wenig unternommen, kritisierte der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund. Auf Dauer werde dies für die Be­völ­kerung gefährlich. „Es darf nicht sein, dass nur die Großstädte ausreichend versorgt werden“, sagte Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes.

Der Leerstand von Praxen im Land hat seit 2015 wieder zugenommen. Zurzeit gibt es laut KVN 335 freie Hausarztpraxen. Das sind zehn mehr als im vergangenen Jahr und 28 mehr als 2015. Besonders schlecht sei die Versorgung derzeit im Umland von Bremer­haven und Wolfsburg.

Bereits am Wochenende hatte Bayern angekündigt, eine Landarztquote einführen zu wollen. Der Freistaat wolle zü­gig dafür sorgen, dass bis zu fünf Prozent der Medizinstu­dienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, als Hausarzt in Regionen zu arbei­ten, die unterversorgt sind oder in denen eine Unterversorgung droht. © dpa/aerzteblatt.de

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doc.nemo
am Freitag, 7. April 2017, 09:05

Quotenstudenten? Alles schon dagewesen!

Solche "Quotenstudenten" gab es früher schon, nämlich für spätere Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst. Das Modell war kein Erfolg, die meisten dieser Quotenstudenten haben sich gleich nach Abschluss des Studiums "freigekauft" (was auch von Anfang an so geplant war, denn der ÖGD war und ist ein unattraktiver Arbeitsplatz). Die Landarztquote im Medizinstudium würde den selben Weg gehen. Es gibt genügend wohlhabende Eltern, die ihre Sprösslinge von der Pflicht zum tristen Landarztdasein erlösen würden, wenn diese über die Quote einen Studienplatz bekommen haben.
frajoli
am Donnerstag, 6. April 2017, 22:55

Landarztquote?

Ein gutes Verfahren, noch mehr Ärzte erst zu locken, dann zu zwingen, langsam zu desillusionieren und schließlich in die Depression zu treiben. Typischerweise denken so unsere politisch korrekten Oberpolitiker ihre Lösungsüberlegungen für Probleme an. Niemand weiß doch zu Beginn des Studiums, was ihn anspricht, was er denn gerne machen möchte. Luxusprobleme? Wohl kaum. Ihn dann für den Rest des Lebens zu zwingen, Landarzt zu werden, ist geradezu entlarvend. Kennzeichnend für die Gedankenwelt unserer Berufspolitiker, die zwar selbst noch nie bezahlte Arbeit geleistet haben, aber ideologisch komplett verblendet diesen Unsinn verzapfen. Angehende Ärzte sind ja dumm genug, so etwas mit sich machen zu lassen. Ich hoffe, dass diese Avancen keine Akzeptanz finden werden.

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